Spekulationen um Langstreckenrakete Japan warnt Nordkorea vor Raketentest

In Asien und den USA wächst die Sorge vor einem Test einer Langstreckenrakete in Nordkorea, der noch am Wochenende stattfinden könnte. Japan will dann unverzüglich den Uno-Sicherheitsrat einschalten, Nordkorea bestreitet die Testpläne allerdings.


Seoul/Tokio - Seit Wochen mehren sich Berichte über den geplanten Test über einen geplanten Test einer Langstreckenrakete in Nordkorea, vermutlich vom Typ Taepodong-2. Ein solcher Test stehe nun möglicherweise unmittelbar bevor, es gebe Anzeichen für entsprechende Vorbereitungen, berichteten am Samstag die südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo" und die japanische "Sankei Shimbun" unter Berufung auf Regierungskreise. So seien laut einer Analyse von Satellitenaufnahmen Trägersysteme und Treibstoff bereitgestellt worden.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il: Raketenstart geplant?
DPA

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il: Raketenstart geplant?

Nordkorea bestritt Pläne für den Test einer Langstreckenrakete. Der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge könnte Nordkorea indes bereits eine Rakete mit Treibstoff beladen haben. Die Agentur zitierte einen nicht näher benannten Diplomaten aus Washington mit der Aussage, auf Satelliten-Bildern sei zu sehen, dass die Rakete bereits mit Treibstofftanks ausstaffiert sei. Ein anderer sagte laut Yonhap: "Unweit der Rakete gibt es große Mengen von Tanks, und es besteht die Möglichkeit, dass sie bereits betankt ist. Aber wir können nicht sicher sein."

Ob das kommunistische Nordkorea überhaupt einen Raketentest plant, ob er bereits an diesem Wochenende oder am Montag stattfinden soll - bisher handelt es sich um Spekulationen. Die Gerüchte erhielten allerdings neue Nahrung, als die Nordkoreaner aufgefordert wurden, um 14 Uhr Ortszeit am Sonntag (7 Uhr mitteleuropäischer Zeit) die Landesflaggen zu hissen und den Fernseher einzuschalten, wie die japanische Zeitung "Sankei" berichtete. Das staatliche Fernsehen zeigte dann aber nur einen alten Spielfilm.

Rakete könnte Südkorea, Japan und USA erreichen

Nach Einschätzung von Experten könnten Nordkoreas Raketen weite Teile Südkoreas erreichen, möglicherweise auch ganz Japan - und die Taepodong-2-Rakete könnte nach US- Militärangaben einen nuklearen Sprengkopf in Teile der USA tragen. Nordkorea hat sich 1999 ein Moratorium bezüglich der Tests von Langstreckenraketen auferlegt.

Japan reagierte alarmiert und warnte eindringlich Nordkorea vor einer Verletzung der 2002 vereinbarten Japan-Pjöngjang-Deklaration. Im Falle eines Raketentests werde man nicht sofort zu den Waffen greifen, sagte Außenminister Taro Aso im japanischen Fernsehen. Allerdings werde der Fall vor den Uno-Sicherheitsrat gebracht, der dann Sanktionen verhängen könne. Bei einem Besuch des US-Botschafters Thomas Schieffer im japanischen Außenministerium bekräftigten beide Staaten ihre Warnung, dass das Abfeuern einer Langstreckenrakete als provokativer Akt gewertet würde.

Nordkorea hatte im August 1998 bereits die Langstreckenrakete Taepodong-1 getestet. Die Rakete war über japanisches Gebiet geflogen und anschließend im Pazifischen Ozean gelandet. Pjöngjang hatte damals erklärt, es habe sich um einen Satelliten gehandelt. Seit November 2005 verweigert die selbsterklärte Atommacht Nordkorea Abrüstungsgespräche mit der internationalen Gemeinschaft.

Eine Gruppe von Friedensnobelpreisträgern forderte unterdessen Nordkorea auf, sein Atomprogramm aufzugeben und internationale Kontrollen zuzulassen. Die USA wurden aufgerufen, ihre Sanktionen gegen Pjöngjang zu beenden und Sicherheitsgarantien anzubieten, um den Streit über das nordkoreanische Atomprogramm beizulegen. Am Treffen der Nobelpreisträger in der südkoreanischen Stadt Gwangju nahmen unter anderen der frühere südkoreanische Präsident Kim Dae Jung und der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow teil.

jol/AP/dpa/Reuters



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