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SPIEGEL-Gesprächsreihe Steinbrück will Störtebeker nach Zypern schicken

Als Geldwaschanlage bezeichnet Peer Steinbrück das hochverschuldete Zypern. Das Euro-Land könne nur gerettet werden, wenn es den Bankensektor umkremple. Das sagte der SPD-Kanzlerkandidat bei der SPIEGEL-Gesprächsrunde "Der Montag an der Spitze" - und schickte gleich eine kleine Warnung ins Mittelmeer.

Hamburg - Beim Thema Zypern zeigt sich Peer Steinbrück unnachgiebig: Das hochverschuldete Euro-Land müsse glaubhaft Reformen darstellen, bevor es Zusagen für Finanzhilfen bekomme, sagte der SPD-Kanzlerkandidat. Zypern braucht nach offiziellen Angaben dringend 17,5 Milliarden Euro, um seine Banken und die Staatsfinanzen zu stabilisieren. Steinbrück bezeichnete das Land als "eine Geldwaschanlage".

Steinbrück war zu Gast bei der Gesprächsreihe des SPIEGEL und der Körber-Stiftung "Der Montag an der Spitze" in Hamburg. Bei der Diskussion ging es auch um mögliche Strafmaßnahmen. Ex-Bundesfinanzminister Steinbrück hatte Schlagzeilen gemacht, als er der Schweiz wegen ihres Umgangs mit Steuerflüchtlingen mit der "siebten Kavallerie in Fort Yuma" drohte, "die man auch ausreiten lassen kann".

SPIEGEL-Chefredakteur Georg Mascolo fragte deshalb zum Thema Zypern: "Also Kavallerie nach Nikosia?"

Steinbrück: "Naja (er rudert mit den Händen), ich bin als Diplomat..."

Mascolo: "Sie sind keiner."

Steinbrück: (Lacher aus dem Publikum, er lacht auch) "Jetzt kann ich das nicht mehr wiederholen. Aber so'n kleiner Störtebeker, der da mal rüberschippert von der Ostsee ins Mittelmeer."

Der SPD-Kanzlerkandidat forderte: "Zypern muss belegbar signalisieren, ja wir krempeln uns um, machen erhebliche Anstrengungen, um die Defizite zu beheben." Er nannte eine Reform des Bankensektors, klare Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche und eine Ende des Steuerdumpings als Bedingungen.

Zur Euro-Krise sagte Steinbrück: "Wir sind in einer Haftungsunion, Deutschland wird zahlen müssen. Es ist eine unangenehme Ankündigung, aber es ist die Wahrheit." Die verschuldeten Euro-Staaten könnten sich nicht weiter kaputt sparen. In Spanien betrage die Jugendarbeitslosigkeit schon jetzt 60 Prozent, in Griechenland 50 Prozent. Es gebe nicht mehr nur eine Krise der Euro-Zone, sondern es gehe um die Frage der ökonomischen und politischen Stabilität. Die Strategie von Bundeskanzlerin Angela Merkel, nur zu sparen, sei "sehr einseitig". "Was fehlt, sind Impulse für Wachstum", so Steinbrück.

Steinbrück äußerte sich am Montag auch zum Thema Frauenquote, das Abschaffen des Sitzenbleibens in der Schule und zu seinen verpatzten Start als Kanzlerkandidat. Lesen Sie dazu hier den Artikel.

Die Gesprächsreihe "Der Montag an der Spitze" wird am 25. März fortgesetzt. Zu Gast wird dann im Atrium des SPIEGEL-Hauses die Spitzenkandidatin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, sein.