Spionagemission Iran schickt U-Boote ins Rote Meer

Sie sollen Kriegsschiffe anderer Nationen ausspähen und internationale Gewässer vermessen: Iran hat zum ersten Mal U-Boote ins Rote Meer entsandt. In Israel dürfte das Manöver für Unruhe sorgen, aber auch arabische Staaten beäugen Teherans Machtspiele irritiert.

Iranisches U-Boot (Archivbild): Aus dem Golf von Aden ins Rote Meer
AP/ Mehr News

Iranisches U-Boot (Archivbild): Aus dem Golf von Aden ins Rote Meer


Teheran - Es ist bereits die zweite Provokation dieser Art: Vor rund vier Monaten hatte die letzte iranische Marinemission im Roten Meer für massive diplomatische Verstimmungen gesorgt - nun folgt der nächste Vorstoß aus Teheran. Iran hat erstmals U-Boote in die Region entsandt. Ziel sei es, "Informationen über Kriegsschiffe anderer Länder" zu sammeln, berichtet die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars.

Ein Flottenverband mit den U-Booten habe sich seit Mai im Golf von Aden vor dem Jemen aufgehalten und sei nun ins Rote Meer eingefahren, heißt es. Wie viele Schiffe an der Mission beteiligt sind, ist noch unklar. Die U-Boote begleiteten den Verband für "eine Aufklärungsmission". Die Boote sollen Informationen über ausländische Flotten sammeln und die Wassertiefe in den internationalen Gewässern vermessen.

Unter heftigen Protesten Israels hatte Teheran im Februar zwei Kriegsschiffe durch das Rote Meer und den Suez-Kanal nach Syrien geschickt. Es war das erste Mal, dass Schiffe dieser Art den Kanal seit der Iranischen Revolution von 1979 passierten. Israel hatte von einer "politischen Provokation" gesprochen und seine Marine in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman hatte damals die "Selbstüberschätzung und Dreistigkeit in Iran" beklagt. Die internationale Gemeinschaft müsse "verstehen, dass Israel diese Provokationen nicht ewig ignorieren kann", warnte er. Zugleich warf Lieberman der internationalen Gemeinschaft vor, nicht bereit zu sein, mit den Provokationen Teherans umzugehen.

Auch arabische Staaten beäugen die Machtspiele der Regierung in Teheran mit Argwohn. Seit Veröffentlichung der WikiLeaks-Dokumente weiß die ganze Welt, was führende saudische Politiker über Iran denken: Sie forderten die USA auf, dem Expansionsdrang der Mullahs mit einem Militärschlag Einhalt zu gebieten. Dass nun iranische U-Boote im Roten Meer verkehren - direkt vor der saudischen Küste - dürfte dem mächtigen Ölstaat kaum gefallen.

Verschiedene Unterseeboote in Irans Flotte

Iran hat mehrere U-Boot-Typen in seinem Arsenal. Neben dem leichten Unterseeboot Nahang aus Eigenproduktion mit einem Gewicht von 500 Tonnen verfügt die iranische Marine auch über drei russische U-Boote der Kilo-Klasse mit 3000 Tonnen, die Teheran in den neunziger Jahren von Moskau gekauft hatte.

Hinzu kommen elf Klein-U-Boote vom Typ Ghadir mit nur 120 Tonnen, die seit 2007 im Einsatz sind und vor allem im küstennahen Bereich eingesetzt werden können. 2008 begann Iran zudem mit dem Bau von U-Booten des Typs Kaem, die als mittelgroße U-Boote auch im offenen Meer agieren können.

jok/AFP/Reuters



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Seite 1
sysiphus, 07.06.2011
1. Wortwahl
Schon nach 6 Worten ein fetter Fehler. Wieso stellt es eine Provokation dar, wenn die iranische Marine in internetionalen Gewässern agiert? Dann müsste sich ja buchstäblich die ganze Welt von der globalen Präsenz der US-Flotte provoziert fühlen? Jedenfalls ist es gut zu wissen, dass die Iraner über eine gewisse Zweitschlagkapazität verfügen. Das schreckt hoffentlich so einige Falken ab, die es mit dem Bombardieren immer so eilig haben. Gibt es eigentlich Neuigkeiten von Stuxnet? Laufen die Anlagen wieder?
Sapientia 07.06.2011
2. Na und?
Zitat von sysopSie sollen Kriegsschiffe anderer Nationen ausspähen und*internationale Gewässer vermessen: Iran hat*zum ersten Mal U-Boote ins Rote*Meer entsandt.*In Israel dürfte das Manöver für Unruhe sorgen, aber auch arabische Staaten beäugen Teherans Machtspiele irritiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767122,00.html
Mare liberum!! Wenn aber amerikanische Navy vor der Haustür von Nordkorea Seemanöver abhält, obwohl die natürlich überall üben könnten, dann ist das OK?
Monty68 07.06.2011
3. Hallo werter Propagandaautor
...auch der Iran darf Manöver abhalten. Ich bin zwar kein Freund dieser Kriegsspiele. Aber eine Provokation ist sowas wohl nur für den, der sich auf der Seite der Gerechten glaubt. Ich fühle mich, wie so viele Bundesbürger durch ein iranisches Manöver im roten Meer nicht die Bohne provoziert, jedenfalls nicht mehr, als wenn die Amis in der Karibik ein Manöver abhalten. Von mir aus können die ihre Schiffe alle einmotten, aber da die einen das nicht tun, lassen es die anderen auch nicht. Und wenn die einen Flotte in alle Welt entsenden, lassen die anderen ihre Boote halt auch ein wenig rumfahren... Euer Kriegstreiber-da ist der Feind- Journalismus ist wirklich zum Erbrechen manchmal... ach was sage ich manchmal, immer.
diracdamm 07.06.2011
4. Iran und die Welt
Zitat von sysopSie sollen Kriegsschiffe anderer Nationen ausspähen und*internationale Gewässer vermessen: Iran hat*zum ersten Mal U-Boote ins Rote*Meer entsandt.*In Israel dürfte das Manöver für Unruhe sorgen, aber auch arabische Staaten beäugen Teherans Machtspiele irritiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767122,00.html
Ich denke, in Teheran geht es weiter drunter und drüber. Iran braucht den Krieg mit dem Erzfeind, Israel und USA, um überleben zu können. Die Unruhen im Inneren werden weiterhin vorhanden sein. Israel sollte still und heimlich die U-Boote der Mullahs versenken. Die entsprechenden Jagd-Uboote haben sie dafür. LG Diracdamm
Betonia, 07.06.2011
5. x
Zitat von SapientiaMare liberum!! Wenn aber amerikanische Navy vor der Haustür von Nordkorea Seemanöver abhält, obwohl die natürlich überall üben könnten, dann ist das OK?
Ja. Und wenn sie das vor Irans Küsten tun, ist das auch in Ordnung. Irans U-Boote allerdings sind im Roten Meer sehr unwillkommen, war doch im Artikel zu lesen. Den derzeitigen iranischen Regierenden traut keiner. Noch nicht mal die eigene Bevölkerung.
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