Spionagevorwürfe Russland weist Israels Militärattaché aus

Der Fall sorgt für diplomatische Verstimmungen zwischen Moskau und Tel Aviv: Russland hat den israelischen Militärattaché zunächst festgenommen und dann des Landes verwiesen. Er soll in der Rüstungsindustrie spioniert haben - Israel hat dazu eine ganz andere Theorie.


Moskau/Tel Aviv - Festnahme beim Mittagessen: Vadim Leiderman, israelischer Militärattaché in Russland, traf sich vergangene Woche in Moskau zur Mittagspause mit einem Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, als er von russischen Agenten festgenommen wurde. Das berichten israelische Medien. Demnach wurde Leiderman anschließend zum Verhör ins Hauptquartier des Geheimdienstes gebracht. Wegen seines Diplomatenpasses habe man ihn aber nicht verhaften können.

Russland teilte mit, der Militärattaché sei wegen Spionage ausgewiesen worden. Er habe geheime Informationen bei sich gehabt, als er festgenommen wurde, erklärte das Außenministerium am Donnerstag in Moskau. Leiderman wurde demnach am 12. Mai festgenommen, zur Persona non grata erklärt und musste innerhalb von 48 Stunden ausreisen.

Russische Medien berichteten, Leiderman werde der Industriespionage verdächtigt. Er habe "einigen israelischen Rüstungsfirmen auf dem russischen Markt sehr aktiv geholfen", zitierte die Agentur Ria Nowosti am Donnerstag einen russischen Geheimdienstmitarbeiter.

Israel weist die Anschuldigungen zurück: Die israelischen Sicherheitsbehörden hätten den Fall gründlich untersucht und seien zu dem Schluss gekommen, dass die Vorwürfe jeder Grundlage entbehrten. Die Dienstzeit des Oberst der israelischen Armee in Moskau hätte ohnehin in zwei Monaten geendet. Nach Angaben der israelischen Armee musste sich Leiderman nach seiner Ankunft in Israel einem Lügendetektor-Test unterziehen. Dieser habe ergeben, dass er die Wahrheit gesagt habe.

Unterdessen wurde in Israel heftig über die Hintergründe der Affäre spekuliert. Einer Einschätzung zufolge hatte Moskau vergeblich versucht, Leiderman als Doppelagenten zu ködern. Ein weiterer Erklärungsversuch lautete, Israel habe sich auf Druck aus Washington geweigert, Russland die modernste Variante seiner unbemannten Drohnen zu verkaufen und damit in Moskau große Verstimmung ausgelöst.

Die israelische Zeitung "Maariv" berichtete, der Militärattaché habe am Tag vor seiner Festnahme Mitglieder des israelischen Parlamentsausschusses für Außen- und Sicherheitsfragen sowie einen Militärvertreter begleitet, der für den Waffenhandel mit Russland zuständig sei.

lgr/dpa/dapd



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
juergw. 19.05.2011
1. Alle Botschaftsangehörigen...
Zitat von sysopDer Fall sorgt für diplomatische Verstimmungen zwischen Moskau und Tel Aviv: Russland hat den israelischen Militärattaché zunächst festgenommen und dann des Landes verwiesen. Er soll in der Rüstungsindustrie spioniert haben - Israel hat dazu eine ganz andere Theorie. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,763594,00.html
sind Kundschafter des Friedens !Da ist wohl was schief gelaufen-geht es an nach Hause !Normalos gehen in den Knast ohne Diplomatenpass
atherom 19.05.2011
2. Komische Geschichte:
Zitat von sysopDer Fall sorgt für diplomatische Verstimmungen zwischen Moskau und Tel Aviv: Russland hat den israelischen Militärattaché zunächst festgenommen und dann des Landes verwiesen. Er soll in der Rüstungsindustrie spioniert haben - Israel hat dazu eine ganz andere Theorie. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,763594,00.html
es ist allgemein bekannt, dass Rußland gerne israelische Ausrüstungsgüter kaufen würde und nicht Israel russische. Sofern keine Sicherheitsbedenken bestehen, liefert Israel an Rußland und nicht umgekehrt.
jura12 19.05.2011
3. mysteriös
Welche russischen Produkte sollten der Mühe einer Industriespionage wert sein ? Umgekehrt würde die Geschichte eher einen Sinn machen.
The Phenom 19.05.2011
4. ...
Zitat von jura12Welche russischen Produkte sollten der Mühe einer Industriespionage wert sein ? Umgekehrt würde die Geschichte eher einen Sinn machen.
U.a. ist Russland in den Bereichen Raketentechnik, Flugzeugtechnik und diversen anderen militärischen Fachgebieten immer noch (oder wieder) Weltspitze. Man soll sich nicht täuschen lassen... die russische Armee mag in vielen Bereichen vergammelt und veraltet sein, jedoch können sie in anderen Bereichen mit den Besten der Welt mitmischen. Ein Paar Stichworte: Sukhoi, PAK-FA, S-400...usw.
Der_Alex 20.05.2011
5. ....
Zitat von jura12Welche russischen Produkte sollten der Mühe einer Industriespionage wert sein ? Umgekehrt würde die Geschichte eher einen Sinn machen.
Da spricht anscheinend ein Kenner. Da gab es einen Österreicher, der auch so dachte, dass es nichts besonders dort gibt, bis 700.000 Mann vor seiner Hasutür standen. Davor gab es einen Franzosen. Sowas gibt einem zu denken...
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