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11. Juni 2019, 13:38 Uhr

Spionagevorwurf

Iran lässt inhaftierten US-Libanesen frei

Fast vier Jahre saß Nizar Zakka wegen angeblicher Spionage in Teheran im Gefängnis. Jetzt hat Iran den US-Libanesen auf Bitten der Hisbollah freigelassen.

Weil er angeblich für den Erzfeind USA spionierte, wurde Nizar Zakka 2015 in Iran zu zehn Jahren Haft verurteilt. Doch jetzt konnte der US-Libanese das Gefängnis in Teheran bereits verlassen. Das gab der iranische Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaeili bekannt. Die Justiz habe einem Antrag der libanesischen Hisbollah-Miliz auf Freilassung von Zakka zugestimmt, sagte der Sprecher laut der Nachrichtenagentur Isna.

Zakka sei wegen guter Führung freigelassen worden. Libanons Präsident Michel Aoun und die libanesische Hisbollah-Bewegung hätten sich für den Mann eingesetzt, doch sei die Entscheidung "nicht politisch". Zakka war 2015 nach einer Teilnahme an einer politischen Veranstaltung in Teheran verhaftet und anschließend verurteilt worden.

Der Vorfall fällt in eine Zeit von schweren Spannungen zwischen Iran und den USA, die eine Politik des "maximalen Drucks" gegen Teheran verfolgen. Am Wochenende hatte Bundesaußenminister Heiko Maas versucht zu vermitteln. "Wenn sich alle Seiten an ihre Verpflichtungen halten, dann kann auch die Nuklearvereinbarung eine Zukunft haben", sagte Maas am Montagabend nach seiner Rückkehr nach Berlin in den ARD-"Tagesthemen". "Das wäre gut für die Sicherheit, vor allen Dingen für uns in Europa."

Er habe bei seinen Gesprächen in Teheran "noch einmal sehr deutlich gemacht", dass Deutschland und die gesamte Europäische Union hinter dem Abkommen stünden, sagte Maas. So bringe Deutschland mit den europäischen Partnern das Zahlungsinstrument Instex auf den Weg, das es europäischen Unternehmen ermöglichen soll, trotz der US-Sanktionen weiter Handel mit Iran zu treiben.

Der Bundesaußenminister, der am Montag in Teheran Gespräche mit seinem iranischen Kollegen Mohammed Dschawad Sarif und Staatschef Hassan Ruhani geführt hatte, warnte vor einer Eskalation der Spannungen in der Region. "Wir versuchen dazu beizutragen, dass diese Spannungen abgebaut werden, dass es keine militärische Eskalation im Nahen und Mittleren Osten gibt, das wäre eine Katastrophe."

als/dpa/AFP

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