Spionagevorwurf Iran verurteilt US-Wanderer zu acht Jahren Haft

Ihnen wird illegaler Grenzübertritt und Spionage vorgeworfen: Ein iranisches Gericht hat zwei in dem Land festgenommene US-Bürger zu acht Jahren Haft verurteilt, meldet das staatliche Fernsehen. Die beiden Wanderer sitzen bereits seit 2009 im Gefängnis.

AFP

Hamburg - Diese Gefangenenaffäre hat das frostige Verhältnis zwischen Iran und den USA zusätzlich belastet: Zwei US-Bürger waren im Juli 2009 an der irakisch-iranischen Grenze festgenommen worden, wo sie sich nach eigenen Angaben auf einer Wanderung befanden. Nun wurden sie beiden offenbar zu acht Jahren Haft verurteilt. Shane Bauer und Josh Fattal seien des illegalen Grenzübertritts und der Spionage für schuldig befunden worden, berichtete das iranische Staatsfernsehen am Samstag.

Die beiden 29-jährigen Männer hätten wegen illegalen Grenzübertritts jeweils drei Jahre Haft erhalten, meldete das Staatsfernsehen auf seiner Website unter Berufung auf Justizkreise. Wegen "Spionage für eine US-Behörde" hätten sie zusätzlich jeweils fünf Jahre bekommen. Bauer und Fattal hätten 20 Tage Zeit, um gegen das Urteil Berufung einzulegen. Wann das Urteil gesprochen wurde, blieb in dem Bericht unklar.

Der Anwalt der beiden, Massud Schafii, sagte, er sei über das Urteil noch nicht informiert worden. Sollte der Bericht stimmen, sei dies keine milde Strafe. Der Verteidiger hatte darauf gesetzt, dass der Vorwurf der Spionage vom Gericht fallengelassen wird.

Vorwürfe immer zurückgewiesen

Mit den beiden war die US-Bürgerin Sarah Shourd, Bauers Verlobte, festgenommen worden. Sie kam im September 2010 aus gesundheitlichen Gründen gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von rund 500.000 Dollar frei und kehrte in die USA zurück. Das Verfahren gegen sie wird seitdem in Abwesenheit geführt, nach Angaben des Staatsfernsehens wurde in dieser Sache noch kein Urteil gefällt.

Die Festgenommenen hatten die Spionagevorwürfe immer zurückgewiesen und erklärt, bei einer Wanderung im Nordirak versehentlich die Grenze zu Iran überquert zu haben. Bei Anhörungen hinter verschlossenen Türen im Februar und Ende Juli plädierten sie laut ihrem Anwalt Massud Schafii auf nicht schuldig.

Nach Ansicht der Ankläger waren Bauer und Fattal aber keine harmlosen Rucksacktouristen, sondern Journalisten, die für proisraelische Internetseiten arbeiteten. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte in der Vergangenheit betont, die Amerikaner hätten das Gesetz gebrochen. Er werde sich jedoch bei den Justizbehörden, die von den Geistlichen des Landes kontrolliert werden, für Milde einsetzen. Prominente wie Cat Stevens oder Muhammed Ali hatten sich bereits öffentlich für die Freilassung der Männer starkgemacht; US-Präsident Barack Obama, Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu oder Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon schickten Briefe der Anteilnahme.

Über die Wanderer-Gruppe ist nur wenig bekannt: Shourd und Bauer lebten vor ihre Festnahme zusammen in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Er arbeitete dort als freier Fotojournalist, sie als Englischlehrerin. Fattal, ein befreundeter Umweltaktivist, besuchte die beiden im Juli 2009, bevor sie in den Nordirak aufbrachen. Die Motive der jungen Amerikaner für ihre riskante Wanderung in der Grenzregion sind bislang nicht geklärt.

wit/AFP/AP/Reuters



insgesamt 102 Beiträge
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unifersahlscheni 20.08.2011
1. Warum...
...wandert man eigentlich in einem Gebiet, das todlangweilige Gegenden hat...? Bei uns im Spessart ist es schöner, interessanter, bayerischer, fränkischer, lustiger, günstiger UND... ...wenn Sie versehentlich die Grenze von Aschaffenburg auf Miltenberg übertreten, > > NULL Konzequenzen...! ;-)
sappelkopp 20.08.2011
2. Das vestehe ich nicht...
...wie kann man dahin zum Wandern. Die Ostseeküste von Flensburg bis an die polnische Grenze hätte er wandern sollen. Wäre viel schöner und vor allem müsste er jetzt nicht in den Knast.
kimba2010 20.08.2011
3. klar
"Wanderer", ja klar. Und zufallig sicher auch Mitarbeiter von CIA oder Mossad. Wer im Iran als US Bürger "wandern" geht, der muss das Risiko kennen. Als gäbe es nicht sicherer Gegenden.
snoopi60 20.08.2011
4. Hart aber gerecht
In den USA wäre anderes herum bei illegalem Grenzübertritt und Spionage eine ähnlich hohe Haftstrafe verhängt worden. Und was, außer Spionage, sollte die Drei sonst in diese Öde und gefährliche Gegend geführt haben? Auch sind sie vor ihrer Wanderung eindringlich von Einheimischen gewarnt worden. Für Israel iranische Atomanlagen aus kundschaften? LG S
McBline 20.08.2011
5. Titel
Ach ja, amerikanische Wanderlust. Amis wandern nicht nur in Iran geerne, Russland und China sind beispielsweise auch beliebte Ziele. In manchen Gegenden (vor allem wenn irgendwelche Milirärobjekte in der Nähe sind) wimmelt es geradezu vor "Wanderern"...
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