Sprengstoff-Affäre US-Truppe soll nichts gegen Plünderer unternommen haben

Beim mysteriösen Verschwinden von 350 Tonnen Sprengstoff im Irak gibt es neue Vorwürfe gegen die US-Militärs. Soldaten sollen der Plünderung der Militäranlage zum Teil tatenlos zugesehen haben.

Washington - Eine Sicherung oder systematische Untersuchung der Militäranlage al-Kakaa und anderer Einrichtungen sei von der militärischen US-Führung nicht angeordnet worden, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Die Plünderungen hätten schon begonnen, als im April 2003 die ersten US-Soldaten in der irakischen Militäranlage eintrafen, meldete der US-Fernsehsender NBC unter Berufung auf amerikanische Militärkreise. Die Mitglieder der 3. Infanteriedivision hätten bei ihrer Ankunft am 4. April zahlreiche Iraker vorgefunden, die alles mitschleppten, was sie tragen konnten. Ein ähnliches Bild habe sich wenige Tage später der 2. Brigade der 101. Luftlandedivision geboten, wie deren stellvertretender Presseoffizier, Oberstleutnant Fred Wellman, der Nachrichtenagentur in einer E-Mail schrieb.

Die 3. Infanteriedivision habe in al-Kakaa mehrere Bunker durchsucht, dort aber keine hochexplosiven Waffen gefunden, berichtete NBC. Die Anlage bestehe jedoch aus mehr als 1000 Gebäuden, so dass die Soldaten vermutlich längst nicht alle durchsucht hätten.

Ähnliches berichtete der AP-Reporter Chris Tomlinson, der damals die 3. Infanteriedivision begleitete: Die Durchsuchung irakischer Militäranlagen während des Krieges habe in erster Linie feindlichen Kämpfern gegolten. Eine systematische Erhebung der Waffenbestände oder eine Sicherung der Anlagen habe nicht stattgefunden.

Das sei auch nicht die Aufgabe der Soldaten gewesen, heißt es in der Mail des Presseoffiziers Wellman. "Es gab keine Befehle von oben, die Einrichtung zu durchsuchen oder zu sichern", schreibt er. Vielmehr habe seine Einheit so schnell wie möglich die Truppen in Bagdad verstärken sollen.

Am Montag war bekannt geworden, dass aus al-Kakaa während des Irak-Krieges rund 350 Tonnen hochexplosiven Sprengstoffs gestohlen wurden. Angesichts des Vorfalls forderte Russland am Dienstag den Weltsicherheitsrat auf, über eine Rückkehr der Uno-Waffeninspektoren in den Irak zu beraten. Die US-Regierung teilte jedoch mit, der Fall werde von amerikanischen Experten untersucht, für eine Rückkehr der Uno-Inspektoren bestehe deshalb kein Bedarf.

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