Sprengstoff im eigenen Körper Experten fürchten neue Bomben-Methode von Terroristen

Wie konnte ein Selbstmordattentäter bis ins Büro eines saudischen Prinzen vordringen? Das Opfer überlebte den Anschlag leicht verletzt - doch die nun aufgedeckte Methode des Angreifers bereitet Terrorexperten Sorgen: Der Mann trug die Bombe in seinem Körper.
Scanner-Einsatz: Nutzlose Methode?

Scanner-Einsatz: Nutzlose Methode?

Foto: Elaine Thompson/ AP

Hamburg - Als Ende August auf ein Mitglied des saudischen Königshauses ein Anschlag verübt wurde, gab der Fall große Rätsel auf: Der Attentäter, ein gesuchter Terrorist, war bis ins Büro des Prinzen Mohammed Bin Naif vorgedrungen, wo er seinen Sprengsatz zündete. Bin Naif, Sohn von Innenminister Prinz Najef und in Saudi Arabien zuständig für die Terrorbekämpfung, wurde wie durch ein Wunder nur leicht verletzt.

Der Terrorist war bei einem Empfang zum Ramadan in der Hafenstadt Dschidda erschienen und hatte behauptet, er wolle sich den Behörden stellen. Doch wie konnte er mit einem Sprengsatz bis in das Zimmer von Bin Naif vordringen - trotz höchster Sicherheitsvorkehrungen?

Terrorexperten haben nun offenbar die Antwort gefunden - und die könnte beunruhigende Konsequenzen haben: Der Attentäter trug die Bombe nicht wie bisher angenommen in seinem Handy - sondern in seinem Körper. Nach Meinung der Experten könnte das Konsequenzen für die Anti-Terror-Strategie an Flughäfen haben.

"Es gibt enorme Auswirkungen auf die Sicherheit an Flughäfen", sagte Peter Neuman, Terrorexperte am King's College in London, der BBC. Es könnte möglicherweise in Zukunft noch komplizierter werden, ein Flugzeug zu besteigen, so Neuman. "Wenn es wirklich stimmt, dass die Metalldetektoren den versteckten Sprengsatz nicht finden konnten, würde das bedeuten, dass die Detektoren, die derzeit eingesetzt werden, ziemlich nutzlos sind".

Attentäter in zwei Teile zerrissen

Laut Medienberichten hatte der Attentäter von Dschidda etwa ein halbes Kilogramm Sprengstoff in sich. Nach Angaben der saudischen Zeitung "Okaz" war das Handy des Attentäters mit zwei Sim-Karten ausgestattet. Eine diente demnach der Kommunikation mit dessen Komplizen im Yemen, mit der anderen zündete die Terrorgruppe den Sprengsatz, dessen Zünder sich offenbar im Darm des Terroristen befand.

Das explosive Material war den Berichten zufolge in kleinen Bündeln enthalten, die nicht aus Metall bestanden. Welches Material der Attentäter zur Explosion gebracht hatte, wird derzeit noch untersucht.

Den Berichten zufolge hatte der Terrorist die 40 Stunden vor dem Anschlag nicht gegessen oder getrunken, um die Kraft der Explosion nicht zu mindern.

Dass Bin Naif nur leicht verletzt wurde, obwohl der Sprengsatz direkt neben ihm detonierte, führen Experten darauf zurück, dass die Wucht der Explosion sich nur nach unten entlud. In den Boden wurde ein Krater gedrückt, der Attentäter wurde in zwei Teile zerrissen.

Der Fall von Dschidda stellt alle bisherigen Überprüfungsmethoden von Flugpassagieren in Frage: So können auch sogenannte Ganzkörperscanner nur sichtbar machen, was Menschen unter der Kleidung tragen, nicht aber unter der Haut. Die Scanner nutzen Terahertzwellen, um sekundenschnell ein genaues Abbild des Körpers der Person zu liefern. Dabei können nicht nur Metallobjekte, sondern auch Plastiksprengstoffe oder illegale Schmuggelwaren ausfindig gemacht werden. Ähnlich präzise Bilder liefern Scanner mit Röntgentechnologie.

In den USA werden die Scanner bereits an Flughäfen eingesetzt bzw. getestet. Die EU stoppte im Oktober 2008 den Einsatz der sogenannten Nacktscanner nach einem Sturm der Entrüstung.

Hunderte Terrorverdächtige wieder in die Gesellschaft eingegliedert

Der Anschlag auf Bin Naif war das erste bekanntgewordene Attentat auf ein Mitglied der Königsfamilie seit den Terrorattacken vom 11. September 2001 in den USA. Danach intensivierte Saudi-Arabien den Kampf gegen den Terrorismus und das Netzwerk Osama Bin Ladens. 15 der 19 Attentäter des 11. Septembers stammten aus dem Königreich - wie Bin Laden auch.

Die saudi-arabische Regierung versucht seit mehreren Jahren durch ein Wiedereingliederungsprogramm Mitglieder von Terrororganisationen zum Aufgeben zu bewegen. Dabei haben sich nach Angaben des saudi-arabischen Innenministeriums schon mehrere Terroristen gestellt. Hunderte Terrorverdächtige seien wieder in die Gesellschaft eingegliedert worden. Zwischen 2003 und 2006 hatten al-Qaida nahestehende Terroristen eine Serie von Anschlägen in Saudi-Arabien verübt.

bim
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