Massaker von Srebrenica Israel liefert mutmaßlichen Kriegsverbrecher aus

Die Vorwürfe gegen Aleksandar Cvetkovic wiegen schwer: Der bosnische Serbe wird beschuldigt, beim Massaker von Srebrenica 1995 an der Ermordung von fast eintausend Muslimen beteiligt gewesen zu sein. Jetzt hat die Regierung in Jerusalem den israelischen Staatsbürger ausgeliefert.

Cvetkovic (bei einer Gerichtsanhörung in Jerusalem 2011): Einspruch abgelehnt
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Cvetkovic (bei einer Gerichtsanhörung in Jerusalem 2011): Einspruch abgelehnt


Jerusalem - Bis zuletzt hatte Aleksandar Cvetkovic versucht, sich einem Prozess zu entziehen. Doch nun muss er sich für seine mutmaßliche Mittäterschaft am Massaker von Srebrenica verantworten: Cvetkovics Einspruch gegen die Überstellung ans Kriegsverbrechergericht von Sarajevo hatte der Oberste Gerichtshof Israels im November 2012 abgelehnt. Jetzt sei Cvetkovic an Bosnien übergeben worden, teilte das israelische Justizministerium am Donnerstag in Jerusalem mit.

Cvetkovic sei der erste Israeli, der wegen Völkermordverdachts an ein anderes Land ausgeliefert werde, heißt es in der Mitteilung. Der Tatverdächtige war 2006 mit seiner Frau nach Israel eingewandert. Weil er mit einer Jüdin verheiratet ist, hatte er damals die israelische Staatsbürgerschaft erhalten.

Cvetkovic war im Januar 2011 festgenommen worden, nachdem sein ursprüngliches Heimatland ein Auslieferungsersuchen gestellt hatte. Die bosnischen Ermittler begründeten dies mit einer Anklage wegen Beteiligung an einem Genozid. Sie werfen dem 42-Jährigen vor, zu einem Kommando von acht Serben gehört zu haben, das im Juli 1995 auf dem Agrargut Branjevo fast eintausend bosnische Muslime ermordete. Cvetkovic hatte die Anschuldigungen zurückgewiesen und erklärt, er habe der Armee lediglich als Fahrer gedient, als Serben die Enklave Srebrenica während des Bosnienkriegs eroberten.

Das Blutbad von Srebrenica aus dem Jahr 1995 gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Fanatisierte Serben hatten in dem Ort im Osten Bosniens rund 8000 Muslime ermordet. Ein kleines Kontingent niederländischer Blauhelmsoldaten überließ die Uno-Schutzzone den Angreifern kampflos. Die Leichen der Opfer wurden später in Massengräbern gefunden.

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Radovan Karadzic: Psychiater, Lyriker und mutmaßlicher Kriegsverbrecher
Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag stuft das Massaker von Srebrenica als Völkermord ein und hat dem serbischen Staat bereits 2007 eine Mitverantwortung an den Gräueltaten im Bosnien-Krieg zugewiesen. Im April 2013 hat sich Serbiens Präsident Tomislav Nikolic für das Srebrenica-Massaker entschuldigt - das hat vor ihm noch kein serbisches Staatsoberhaupt getan.

Der frühere Präsident der bosnischen Serbenrepublik, Radovan Karadzic, muss sich für die Geschehnisse in Srebrenica und weitere Verbrechen vor dem Tribunal verantworten. Er weist jegliche Schuld von sich. Das Gericht in Den Haag hatte den Teil-Freispruch von Karadzic im Juli 2013 aufgehoben.

Das Haager Tribunal hatte außer Karadzic und Mladic auch den ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic für das Srebrenica-Massaker verantwortlich gemacht. Milosevic starb aber 2006 im Gefängnis des Tribunals in Scheveningen.

bos/AFP/dpa/Reuters

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