20. Jahrestag des Massakers Serbiens Regierungschef reist zur Gedenkfeier nach Srebrenica

Kurz vor dem 20. Jahrestag des Massakers von Srebrenica lehnt es Serbiens Regierung weiterhin ab, das Verbrechen an den Muslimen als Genozid anzuerkennen. Ministerpräsident Vucic will aber an der Gedenkfeier in Bosnien teilnehmen.

Friedhof in Srebrenica: "Wir sind bereit, uns vor den Opfern zu verneigen"
REUTERS

Friedhof in Srebrenica: "Wir sind bereit, uns vor den Opfern zu verneigen"


Am Samstag jährt sich der Völkermord von Srebrenica zum 20. Mal. Bosnische Serben töteten im Juli 1995 in dem Ort rund 8.000 Muslime, die meisten von ihnen Jungen und Männer. Die serbische Regierung will zum Jahrestag ein Zeichen der Aussöhnung setzen: Ministerpräsident Alexander Vucic wird an der Gedenkzeremonie in der bosnischen Kleinstadt teilnehmen.

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"Die serbische Regierung hat heute Abend entschieden, dass ich Serbien am 11. Juli in Srebrenica vertrete", sagte Vucic in Belgrad vor Journalisten. "Es ist Zeit zu zeigen, dass wir bereit zur Aussöhnung sind, dass wir bereit sind, uns vor den Opfern zu verneigen."

Der damalige serbische Staatspräsident Boris Tadic hatte 2010 an der Gedenkfeier in Srebrenica teilgenommen. Der Nationalist Vucic gilt aber als Politiker, der stärker mit der großserbischen Ideologie verbunden ist, die als Auslöser für die Verbrechen an den bosnischen Muslimen gilt.

Das Massaker von Srebrenica gilt als das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg und wurde vom Uno-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag als Völkermord eingestuft.

Russland blockiert Uno-Resolution

Serbiens Regierung gestand 2010 ein, dass in Srebrenica ein "schlimmes Verbrechen" begangen wurde, das verurteilt werden müsse. Belgrad weigert sich jedoch, das Massaker als Genozid anzuerkennen.

Derzeit wehrt sich Serbien mit aller Macht gegen eine Uno-Resolution zum 20. Jahrestag des Massenmordes. Großbritannien wirbt für einen Entwurf, der die Anerkennung des Kriegsverbrechens als "eine Voraussetzung für die Versöhnung" der ehemaligen Kriegsparteien bezeichnet.

Vucic betrachtet diese Resolution als "Erniedrigung" für Serbien. Russland, traditionell der engste außenpolitische Verbündete Belgrads, habe aber versichert, dass dieser Entwurf nicht vom Uno-Sicherheitsrat verabschiedet werde.

syd/AFP/Reuters

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