Srebrenica Serbiens Ministerpräsident von Gedenkfeier vertrieben

Von der Menge ausgebuht: Der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic ist bei der Feier zum Gedenken an den Völkermord in Srebrenica mit Steinen beworfen worden.

Wütende Demonstranten in Srebrenica: Vucic (Mitte) flüchtet vor Steinwürfen
AP

Wütende Demonstranten in Srebrenica: Vucic (Mitte) flüchtet vor Steinwürfen


Im ostbosnischen Srebrenica erweisen Zehntausende den mehr als 8000 Opfern des Völkermords vor 20 Jahren die letzte Ehre. Unter ihnen auch der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic. Doch wütende Demonstranten buhten ihn aus und bedrängten ihn so sehr, dass er die Veranstaltung verlassen musste.

Die Agentur Reuters berichtet von Augenzeugen, die gesehen haben wollen, wie Steine und Flaschen in Richtung des Ministerpräsidenten flogen. Seine Delegation soll davongerannt und in Fahrzeuge geflüchtet sein.

Angehörige trugen die Särge mit den Überresten einiger Toten durch die Stadt und verteilten Anstecker mit der "Blume Srebrenicas" - sie soll an die Unschuld der Ermordeten erinnern. Auch zahlreiche Staats- und Regierungschefs der Region kamen zum Gedenken.

Die ausländischen Politiker und Parlamentarier trugen sich in zwei Kondolenzbücher ein, die im ehemaligen Hauptquartier der niederländischen Uno-Truppen in Srebrenica ausgelegt worden waren. Das sogenannte Dutchbat hatte das Massaker nicht verhindern können, obwohl der Ort von den Vereinten Nationen zur "sicheren Schutzzone" erklärt worden war.

Der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic verurteilte die Tat als "monströses Verbrechen". In einem offenen Brief schrieb er, Serbien sei angewidert von allen, die sich daran beteiligt haben, und werde sie weiter vor Gericht bringen. Den Begriff "Völkermord" verwendete der Ministerpräsident aber nicht.

"Es gibt keine Worte, um die Trauer und das Bedauern für die Opfer auszudrücken, noch für die Wut gegenüber jenen, die dieses monströse Verbrechen begangen haben", schrieb Vucic. Es sei seine "Pflicht, sich vor den Opfern zu verneigen". Die serbische Regierung wünsche sich, mit den Bosniern gemeinsam zu leben und das Vertrauen wiederherzustellen. "Meine Hand ist ausgestreckt", schrieb Vucic. Dies sei seine Pflicht gegenüber denjenigen, die starben, und gegenüber den künftigen Generationen.

136 Opfer sollen bei der Gedenkfeier beigesetzt werden. Bisher wurden die Überreste von 6241 Opfern identifiziert und in einer Gedenkstätte in Srebrenica beerdigt. 230 von ihnen liegen auf anderen Friedhöfen.

kry/AP/dpa

insgesamt 38 Beiträge
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Palmstroem 11.07.2015
1. Nie wieder Srebrenica
Während man eines Massenmords vor 20 Jahren gedenkt, bei dem die UNO mit eine Hauptverantwortung trägt, fallen keine 2000 km weiter Faßbomben auf Zivilisten. Und die UNO versagt abermals, weil vor allem Russland blockiert. und so bleibt nur die traurige Feststellung - es hat sich nichts geändert - 20 Jahre danach!
rotella 11.07.2015
2. Steinewerfer
Die Geste der serbischen Ministerpräsidents Vucic dort zu erscheinen und die Schuld einzugestehen war wirklich großartig, die kleingeistige Reaktion der unverbesserlichen Steinewerfer trifft nicht ihn, sondern beschädigt nur das Andenken an die Gestorbenen. Einfach nur widerlich!
luckylurker 11.07.2015
3.
Vucic ist mit einer Versöhnungsbotschaft nach Srebrenica gereist. Herzlichen Empfang hat er bestimmt nicht erwartet aber auch keine Steinwurfe! Oder gehört sich das Ihrer Meinung nach?
kaksi 11.07.2015
4. Und warum keine Steine gegen die UNO?
Und warum keine Steine gegen die UNO? Hat die nicht bereits gegenüber dem Völkermord von Pol Pot versag? Wurde der nicht - unter Berufung auf damaliges Vökerrecht selbst dann noch von ihr gestützt, als Vietnam gegen ihn vorging? EIN Sündenbock beruhigt die Massen!
andreika123 11.07.2015
5. Ministerpräsident
hat Mut um dort mit den Menschen zu Trauer. Der präsentiert das eigene Volk. Was würde passieren wenn unsere Politiker mit Steine beworfen werden bei einen Trauer Tag aus den zweiten Weltkrieg. Ich glaube nicht das es dann solche Kommentare geben wird. Menschheit wird das nie lernen.
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