Massaker von Srebrenica Zwei serbische Offiziere zu lebenslanger Haft verurteilt

Der Völkermord von Srebrenica gilt als das schlimmste Kriegsverbrechen auf europäischem Boden nach dem Zweiten Weltkrieg. 20 Jahre nach dem Massaker hat das Uno-Tribunal jetzt zwei ranghohe serbische Offiziere zu lebenslanger Haft verurteilt.

Verurteilte Popovic (l.) und Beara (r.): Bisher umfangreichster Prozess zum Völkermord in Srebrenica
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Verurteilte Popovic (l.) und Beara (r.): Bisher umfangreichster Prozess zum Völkermord in Srebrenica


Den Haag - Fast 20 Jahre nach dem Völkermord im ostbosnischen Srebrenica sind zwei ehemalige ranghohe serbische Offiziere für das Massaker endgültig zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Uno-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien bestätigte in Den Haag im Berufungsverfahren die Urteile der ersten Instanz. Drei weitere ehemalige Offiziere wurden zu Haftstrafen von 13, 18 und 35 Jahren verurteilt.

Mit diesem Urteil ging der bisher umfangreichste Prozess zum Völkermord in Srebrenica nach fast neun Jahren zu Ende. Zum ersten Mal sprach das Gericht zwei ehemalige Kommandeure direkt für den Massenmord von rund 8000 muslimischen Männern und Jungen im Juli 1995 schuldig.

Bosnisch-serbische Einheiten unter dem damaligen General Ratko Mladic hatten die Uno-Schutzzone im Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina am 11. Juli überrannt. Die Gefangenen wurden unter den Augen der dort stationierten niederländischen Blauhelme abgeführt und anschließend in den umliegenden Wäldern ermordet. Der Völkermord von Srebrenica ist das schlimmste Kriegsverbrechen auf europäischem Boden nach dem Zweiten Weltkrieg.

Vujadin Popovic (57) und Ljubisa Beara (75), die dem Generalstab von Mladic angehörten, haben den Massenmord mitgeplant und -organisiert, urteilten die Richter. Alle Angeklagten wurden wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen, wie Mord in zahlreichen Einzelfällen, gezielte Verfolgung von Bürgern und Vertreibung. Noch ist unklar, in welchem Land die Männer ihre Strafe verbüßen müssen. Sie hatten zu Prozessbeginn auf unschuldig plädiert.

Das Gericht unter Vorsitz des Jamaikaners Patrick L. Robinson gab den Einsprüchen der Verteidigung und der Anklage gegen das Urteil der ersten Instanz nur in wenigen Punkten statt. In einem Fall wurde die Strafe um ein Jahr auf 18 Jahre Gefängnis reduziert.

Der Prozess war 2006 zunächst gegen sieben Angeklagte eröffnet worden. Einer der Männer starb, ein weiter verzichtete auf eine Berufung. In 425 Verhandlungstagen wurden fast 3000 Beweisstücke geprüft und 329 Zeugen angehört.

Insgesamt hat das Uno-Tribunal gegen 20 Personen Anklage wegen der Verbrechen von Srebrenica erhoben, darunter gegen Ex-Serbenführer Radovan Karadzic und den damaligen General Mladic. Deren Prozesse sind noch nicht abgeschlossen.

mka/dpa/AFP



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Freidenker10 30.01.2015
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Klasse! Hat auch nur 20 Jahre gedauert... Aber immerhin!
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