Sri Lanka Angeblich 70 Zivilisten im Kampfgebiet getötet

In Sri Lanka tobt der Bürgerkrieg heftiger denn je: Bei einem Artilleriebeschuss der Armee sollen im Nordosten der Insel mindestens 70 Zivilisten getötet worden sein. Das meldet ein den Tamilen-Rebellen nahe stehender Internet-Dienst.


Colombo - Der bewaffnete Konflikt zwischen tamilischen Rebellen, den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), und dem sri-lankischen Militär wird unerbittlich weitergeführt. Nach Angaben des LTTE-nahen Internet-Dienstes Tamilnet wurden bei einem Artilleriebeschuss der Armee mindestens 70 Menschen getötet. Unter den Opfern seien auch 21 Kinder und eine schwangere Frau.

Soldaten aus Sri Lanka: Der Bürgerkrieg tobt weiter
REUTERS

Soldaten aus Sri Lanka: Der Bürgerkrieg tobt weiter

Die Armee habe am Mittwoch die von ihr selbst erklärte Sicherheitszone für Zivilisten beschossen, heißt es aus dem Umfeld der tamilischen LTTE-Rebellen. Mehr als 180 weitere Menschen sollen verletzt worden sein. Armeesprecher Udaya Nanayakkara bestätigte die Zahlen nicht. Ihm lägen keine Berichte über zivile Opfer vor.

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) berichtete zugleich vom Tod eines örtlichen Mitarbeiters im Kampfgebiet. Der 36-Jährige war am Mittwoch im Norden des Landes an der Bergung von Verletzten beteiligt, als er von einem Geschoss getroffen wurde. Wer für den Angriff verantwortlich war, konnte das IKRK nicht sagen. Das Rote Kreuz werde seine Arbeit aber fortsetzen.

Seit fast vier Jahrzehnten kämpft die LTTE für einen unabhängigen Staat für die hinduistischen Tamilen. In den vergangenen Monaten hatte die Armee die verbleibenden Kämpfer der Befreiungstiger immer weiter zurückgedrängt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind sie nun an der Nordostküste auf einem nur noch 55 Quadratkilometer großen Landstrich eingekesselt.

Hilfsorganisationen schätzen, dass noch 150.000 Zivilisten im Kampfgebiet festsitzen. Die Regierung geht von weniger als der Hälfte aus. Sie hat seit Ende Januar keinen Hilfskonvoi mehr in die Region gelassen. Laut Tamilnet soll es in den vergangenen Tagen Hungertote gegeben haben.

Unabhängige Quellen hatten die Zahl der getöteten Zivilisten im Kampfgebiet vor einem Monat mit mindestens 2000 angegeben. Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch (HRW) rief die sri-lankische Regierung und die LTTE am Donnerstag dazu auf, sich auf einen Rettungsplan für die im Kampfgebiet eingeschlossenen Zivilisten zu einigen. Brad Adams, HRW-Asien-Direktor kritisierte: "Die Welt sieht dabei zu, wie sich eine humanitäre Katastrophe in Sri Lanka entfaltet."

abe/dpa/AFP



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