Viele Opfer in Sri Lanka Mehr als hundert Tote bei Explosionen in Kirchen und Hotels

Mehrere Explosionen haben in Sri Lanka mindestens hundert Menschen getötet und über 300 verletzt. Die Detonationen ereigneten sich laut Polizei in Kirchen und Luxushotels. Die Hintergründe sind noch unklar.

Dinuka Liyanawatte/REUTERS

In Sri Lanka haben mehrere Explosionen am Ostersonntag Hotels und Kirchen erschüttert. Mindestens 158 Menschen seien getötet worden, teilte die Polizei mit. Unter den Opfern seien auch neun Ausländer. Zudem war die Rede von mehr als 300 Verletzten, einige von ihnen in Lebensgefahr.

Sechs Explosionen ereigneten sich Behördenangaben zufolge beinahe zeitgleich - alle innerhalb einer halben Stunde. Betroffen waren demnach drei Kirchen in drei verschiedenen Städten sowie drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo. In den Kirchen fanden Ostergottesdienste statt.

Mindestens 64 Menschen wurden laut Polizei bei den Anschlägen auf drei Luxushotels und eine Kirche in Colombo getötet. Mindestens 67 Personen starben in einer Kirche des nahe von Colombo gelegenen Orts Negombo. 25 Menschen wurden in einer Kirche in Batticaloa im Osten des Landes getötet.

Schäden in einer Kirche in Colombo
Hiru TV/ AP

Schäden in einer Kirche in Colombo

Bei einer weiteren Explosion in einem Hotel in einem Vorort von Colombo, die deutlich später erfolgte, kamen laut Polizei mindestens zwei Menschen ums Leben. Wenig später ereignete sich in einer Wohngegend in Dematagoda, einem Vorort von Colombo, eine achte Detonation. Angaben über mögliche Opfer gab es bislang nicht.

Unter den Todesopfern waren nach Krankenhausangaben US-Bürger, Briten und Niederländer. Ob auch Deutsche darunter waren, versuche die Botschaft in Sri Lanka "mit Hochdruck" aufzuklären, erklärte Außenminister Heiko Maas (SPD).

Staatspräsident Maithripala Sirisena sprach von "Angriffen". Die Streitkräfte und die Polizei würden der "Verschwörung" auf den Grund gehen. Sri Lankas Premierminister Ranil Wickremesinghe berief eine Krisensitzung des Kabinetts ein. Daran sollten auch die Oberbefehlshaber der Streitkräfte teilnehmen.

Die Hintergründe der Explosionen sind noch unklar. Offiziell bestätigt wurde nicht, dass es sich um Anschläge handelte. Regierungschef Wickremesinghe rief die Bevölkerung über Twitter auf, "geeint und stark" zu bleiben und keine Falschmeldungen oder Spekulationen zu verbreiten. Die Regierung unternehme alles, um die Lage in den Griff zu bekommen.

In mindestens zwei Fällen vermuteten Sicherheitskräfte, dass die Detonationen von Selbstmordattentätern ausgelöst wurden. Auf der Facebook-Seite einer Kirche in dem Ort Negombo war von einem Bombenanschlag die Rede. "Bitte kommt und helft, solltet ihr Angehörige hier haben", hieß es dort.

"Bitte kommt und helft"

Der Minister für Wirtschaftsreformen, Harsha de Silva, schrieb auf Twitter von zahlreichen Opfern. Er habe in einer Kirche in Colombo "schreckliche Szenen" erlebt. Diese sei mit Körperteilen übersät gewesen. Er rief dazu auf, die Ruhe zu bewahren und zu Hause zu bleiben. Rettungsmaßnahmen liefen.

Die Regierung verhängte mit sofortiger Wirkung eine Ausgangsperre. Wie lange sie gelten soll, blieb offen. Zudem werde der Zugang zu den großen sozialen Medien und Messenger-Diensten gesperrt.

Die deutsche Botschaft in Colombo riet dringend dazu, öffentliche Orte in Sri Lanka zu meiden. Die Bundesregierung reagierte tief betroffen. Der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, schrieb auf Twitter: "Wir trauern um sie und beten für die Verletzten und Familien. Terrorismus, religiöser Hass und Intoleranz dürfen nicht siegen."

Sicherheitskräfte vor Kirche in Sri Lanka
Dinuka Liyanawatte/REUTERS

Sicherheitskräfte vor Kirche in Sri Lanka

Der südasiatische Inselstaat ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Europäer. Nur etwa sechs Prozent der Einwohner im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka sind Katholiken. Zu ihnen gehören Mitglieder der tamilischen Minderheit und der singhalesischen Mehrheit.

Sri Lankas 26-jähriger Bürgerkrieg war 2009 zu Ende gegangen. Die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatte für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden des Landes gekämpft. Die Armee besiegte die Aufständischen schließlich mit aller Härte. Die Uno wirft beiden Seiten Kriegsverbrechen vor.

Vor zehn Tagen hatte Sri Lankas Polizeichef Pujuth Jayasundara vor möglichen Selbstmordanschlägen - unter anderem auf Kirchen - durch die radikalislamische Gruppe NTJ gewarnt. Er berief sich dabei auf Informationen eines "ausländischen Geheimdiensts".

wit/dpa/AFP/Reuters/AP



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