Reisewarnungen Sicherheitsdienste befürchten neue Anschläge in Sri Lanka

Israels Anti-Terror-Amt hat seine Bürger aufgerufen, die Insel zu verlassen. Auch Großbritannien sprach eine Warnung aus - die Behörden halten weitere Anschläge für wahrscheinlich.

Trauernde an Gräbern von Opfern des Terroranschlags
Manish Swarup/AP

Trauernde an Gräbern von Opfern des Terroranschlags


Vier Tage nach den verheerenden Anschlägen mit über 200 Toten in Sri Lanka ist die Gefahr eines weiteren Angriffs noch immer präsent. Im ganzen Land bleiben die katholischen Kirchen auf Anraten der Sicherheitsbehörden vorerst geschlossen, während die Suche nach weiteren Verdächtigen intensiviert wurde. In einer Reisewarnung rief Israel unterdessen alle Bürger auf, Sri Lanka schnellstmöglich zu verlassen oder geplante Reisen dorthin nicht anzutreten.

Das Anti-Terror-Amt des israelischen Ministerpräsidenten sprach am Donnerstag von einer "erhöhten konkreten Gefahr" - die Bedrohung wurde auf Stufe vier von fünf eingeschätzt. Die Reisewarnung werde aufgrund der "Verschlechterung der Sicherheitslage und der Sorge vor weiteren Anschlägen" erlassen, hieß es in der Erklärung weiter.

Auch Großbritannien hat eine Reisewarnung ausgesprochen. Man solle das Land nur bereisen, wenn es absolut notwendig sei, sagte der britische Außenminister Jeremy Hunt. Es sei sehr wahrscheinlich, dass weitere Terroranschläge durchgeführt werden, hieß es in der Warnung.

Zahl der Opfer nach unten korrigiert

Bei den Anschlägen auf drei Fünfsternehotels und drei christliche Kirchen sowie bei zwei weiteren Explosionen waren am Ostersonntag nach offiziellen Angaben 253 Menschen getötet und über 500 weitere verletzt worden.

Ein Anschlag auf ein viertes Hotel in der Hauptstadt Colombo schlug fehl. Die Sicherheitskräfte verfolgten den Angreifer bis zu einem Gästehaus, wo er sich in die Luft sprengte und zwei Menschen mit sich in den Tod riss.Bei der Durchsuchung eines weiteren Gebäudes töteten zwei Selbstmordattentäter - ein Mann und eine Frau - sich selbst und drei Polizisten. Unter den Opfern sind auch Dutzende ausländische Touristen sowie mindestens 45 Kinder. Später wurden weitere Bomben und Zünder gefunden.

Die Behörden in Sri Lanka hatten die Zahl der Opfer von 359 auf 253 nach den Autopsien nach unten korrigiert. Schwer verstümmelte Leichen waren demnach kurz nach den Explosionen am Sonntag doppelt gezählt worden.

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Anschlag mit etwa 250 Toten: So sinnlos

Die Behörden in Colombo machen die einheimische Islamistengruppe National Thowheed Jamaath (NTJ) für die Anschläge verantwortlich, gehen aber davon aus, dass sie ausländische Unterstützung gehabt haben muss. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Tat für sich.

Regierung unter Druck - Muslime fürchten Racheakte

Sri Lankas Sicherheitsbehörden nahmen bislang 75 Verdächtige fest. An der Suche nach weiteren Tätern und Hintermännern beteiligten sich Tausende Soldaten von Armee, Marine und Luftwaffe. Am Donnerstag wurde ihre Zahl nochmals um über 3000 aufgestockt. Gleichzeitig wurden alle Drohnenflüge verboten und Pläne verschoben, während der Nebensaison ab Mai die Visapflicht für 39 Staaten aufzuheben.

Regierung und Behörden stehen unter großem Druck, da es im Vorfeld der blutigen Anschläge konkrete Hinweise und Warnungen gegeben hatte. Vizeverteidigungsminister Ruwan Wijewardene sprach am Mittwoch von schwerwiegenden Versäumnissen der Sicherheitsbehörden, da die Informationen nicht weitergegeben worden seien. Unter anderem Präsident Maithripala Sirisena versichert, nicht informiert gewesen zu sein, obwohl er auch Verteidigungsminister und Minister für Recht und Ordnung ist.

Aus Angst vor Racheakten und Einschüchterungen haben unterdessen Hunderte Muslime in Moscheen und einer Polizeistation Schutz gesucht. In Negombo im Westen des Landes, wo am Ostersonntag mehr als hundert Christen in einer Kirche getötet worden waren, hätten zahlreiche Muslime ihre Unterkünfte räumen müssen, weil die Eigentümer Vergeltungsaktionen auf ihren Grundstücken fürchteten, sagte Ruki Fernando von der Menschenrechtsgruppe Inform.

höh/AFP

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