Bruder des ehemaligen Präsidenten Ex-Militärchef erklärt sich in Sri Lanka zum Wahlsieger

Gotabhaya Rajapaksa hat sich bei der Präsidentschaftswahl in Sri Lanka gegen seinen Herausforderer durchgesetzt. Der Oppositionspolitiker ist der Bruder des umstrittenen Ex-Präsidenten.

Gotabhaya Rajapaksa hat sich zum Sieger der Wahl in Sri Lanka erklärt
Jewel Samad/ AFP

Gotabhaya Rajapaksa hat sich zum Sieger der Wahl in Sri Lanka erklärt


Sri Lankas ehemaliger Militärchef Gotabhaya Rajapaksa hat den Sieg bei der Präsidentschaftswahl für sich beansprucht. "Es ist ein klarer Sieg", sagte sein Sprecher. Rajapaksa werde morgen oder übermorgen vereidigt. Der 70-Jährige lag nach Auszählung von fast sechs Millionen Stimmen bei 49,6 Prozent, Sajith Premadasa von der Regierungspartei UNP bei 44,4 Prozent. Premadasa räumte seine Niederlage ein.

Beobachter hatten ein enges Rennen zwischen Premadasa und dem Oppositionskandidaten Rajapaksa erwartet, dessen umstrittener Bruder Mahinda das Land von 2005 bis 2015 autoritär regierte. Kritiker sahen in Rajapaksas Kandidatur den Versuch, den Ex-Präsidenten wieder an die Macht zu bringen.

Premadasa gratulierte seinem Kontrahenten zum Wahlsieg. "Es ist mir eine Ehre, die Entscheidung des Volkes anzuerkennen", sagte er.

Kandidat Sajith Premadasa: "Es ist mir eine Ehre, die Entscheidung des Volkes anzuerkennen"
Ishara S. Kodikara /AFP

Kandidat Sajith Premadasa: "Es ist mir eine Ehre, die Entscheidung des Volkes anzuerkennen"

Für die Absicherung des Wahlgangs in dem südasiatischen Inselstaat wurden rund 85.000 Polizisten mobilisiert. Zur Wahl aufgerufen waren fast 16 Millionen Wahlberechtigte. Überschattet wurde die Wahl am Samstag von gewalttätigen Zwischenfällen. Ein Bus-Konvoi mit Wählern der muslimischen Minderheit wurde nach Polizeiangaben beschossen und mit Steinen beworfen. In der Tamilen-Hochburg Jaffna im Norden des Landes wurden zudem zehn Männer festgenommen, die nach Einschätzung der Polizei "Ärger machen wollten".

Spannungen zwischen buddhistischen Singhalesen und muslimischer Minderheit

Im April war das Urlauberparadies Sri Lanka von Anschlägen islamischer Fundamentalisten erschüttert worden, bei denen 258 Menschen getötet wurden.

In der Folge wurden mehr als hundert Verdächtige festgenommen. Festnahmen gab es nach Angaben der Armee Sri Lankas auch in Saudi-Arabien und Katar. Die Regierung des Inselstaates macht zwar die Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) für die Anschläge verantwortlich, glaubt aber, dass sie Unterstützung aus dem Ausland hatte. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Anschläge für sich (Lesen Sie hier eine Analyse zu den Anschlägen in Sri Lanka).

Nach den Anschlägen war es zu Unruhen gekommen. Die überwiegend buddhistischen Singhalesen stellen die Mehrheit der Bevölkerung. Es hatte bereits seit einiger Zeit Spannungen und Gewalt zwischen Singhalesen und der muslimischen Minderheit gegeben - diese macht rund zehn Prozent der knapp 21 Millionen Sri Lanker aus.

bam/AFP



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