Sri Lanka "Islamischer Staat" reklamiert Anschläge für sich

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat sich für die Anschläge in Sri Lanka verantwortlich erklärt. Beweise für die Tat erbrachte der IS nicht.

Colombo, Sri Lanka
Carl Court/ Getty Images

Colombo, Sri Lanka


Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat die Anschläge auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka für sich reklamiert. "Kämpfer des Islamischen Staats" seien für die Angriffe verantwortlich, heißt es in einer knappen Erklärung, die von Amaq, dem Propagandasprachrohr des IS verbreitet wurde. Der Anschlag habe sich demnach gegen Bürger der Anti-IS-Koalition und Christen in Sri Lanka gerichtet. Neben der Mitteilung gab es keinerlei Belege für die Tat.

Bei der Anschlagsserie auf insgesamt drei Fünf-Sterne-Hotels und auf drei Kirchen waren am Ostersonntag mehr als 320 Menschen getötet worden. Es gab mehr als 500 Verletzte. Erste Ermittlungsergebnisse deuten laut Regierung auf einen Racheakt für den Angriff auf zwei Moscheen in Neuseeland hin. Mitte März hatte ein australischer Rechtsextremist in Christchurch 50 Menschen getötet.

Die Echtheit der Bekennernachricht ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Sie erfolgte aber über die üblichen Kanäle in den sozialen Netzwerken, in denen der IS auch bereits in der Vergangenheit Anschläge für sich reklamiert hat. Der IS gilt in seinem Stammgebiet in Syrien und dem Irak als besiegt. Experten warnen aber weiterhin vor der Gefahr von Anschlägen durch die Extremisten.

Zwei Brüder aus Sri Lanka sollen Anschläge auf Hotels verübt haben

Aus Polizeikreisen hieß es laut Nachrichtenagentur AFP, für die Selbstmordanschläge auf die beiden Hotels in Colombo seien zwei muslimische Brüder aus Sri Lanka verantwortlich. Die Söhne eines wohlhabenden Gewürzhändlers hätten sich als Gäste ausgegeben und sich in den Hotels Shangri-La und Cinnamon Grand in die Luft gesprengt.

Ein Ermittler sagte, die Brüder seien beide Ende zwanzig gewesen und hätten innerhalb ihrer Familie eine "Terrorzelle" gebildet. Sie seien führende Mitglieder der Islamistengruppe National Thowheed Jamaath (NTJ), die von der Regierung für die Anschläge verantwortlich gemacht wird.

Weiter hieß es, ein Anschlag auf ein viertes Hotel sei geplant gewesen, aber gescheitert. Ob die Bombe dort absichtlich nicht gezündet wurde oder nicht funktionierte, war zunächst unklar.

mfh/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.