SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

23. April 2019, 10:56 Uhr

Vizeverteidigungsminister

Anschläge in Sri Lanka waren offenbar Racheaktion für Christchurch

Die Anschläge in Sri Lanka sollen nach ersten Erkenntnissen der Regierung eine Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch gewesen sein. Das sagte der Vizeverteidigungsminister.

Erste Ermittlungsergebnisse zu den verheerenden Anschlägen in Sri Lanka mit mindestens 310 Toten deuten laut Regierung auf eine "Vergeltung" für den Angriff auf zwei Moscheen in Neuseeland hin. "Die vorläufigen Untersuchungen haben enthüllt, dass das, was in Sri Lanka passiert ist, Vergeltung für den Angriff auf Muslime in Christchurch war", sagte Vizeverteidigungsminister Ruwan Wijewardene im Parlament.

Ein australischer Rechtsextremist hatte in Christchurch Mitte März 50 Menschen getötet. In Sri Lanka hatten Attentäter am Ostersonntag Sprengsätze an acht Orten gezündet. Binnen kurzer Zeit gab es Explosionen in drei Fünfsternehotels in der Metropole Colombo und in drei Kirchen in Colombo, im nahegelegenen Küstenort Negombo und in der Ostküstenstadt Batticaloa. Die Kirchen waren zu dem Zeitpunkt vollbesetzt mit Gläubigen, die die Ostermesse feierten.

Nach derzeitigem Kenntnisstand starben 310 Menschen, es gab mehr als 500 Verletzte. Unter den mehr als 30 getöteten Ausländern ist auch ein Deutschamerikaner, wie das Auswärtige Amt mitteilte.

Wijewardene machte zwei islamistische Gruppen für die Anschläge verantwortlich. Eine davon ist die Gruppe National Thowheed Jamaath (NTJ). Die Regierung in Sri Lanka ist davon überzeugt, dass die Attacken nur mit Unterstützung eines internationalen Netzwerks verübt werden konnten. Nach Polizeiangaben wurden bislang 40 Verdächtige festgenommen und verhört.

Staatspräsident Maithripala Sirisena hatte zuvor einen öffentlichen Notstand erklärt. Die zunächst nicht näher benannten Bestimmungen traten in der Nacht zum Dienstag in Kraft, der zu einem nationalen Trauertag erklärt wurde. Am Morgen wurden drei Schweigeminuten abgehalten. Zahlreiche Bestattungen waren geplant. In Negombo gab es eine Massenbeerdigung.

In der Nacht zum Dienstag hatte erneut eine Ausgangssperre gegolten. Um das Verbreiten von Gerüchten zu unterbinden, blieb der Zugang zu sozialen Medien gesperrt.

cte/dpa/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung