Sri Lanka Nach Attentat auf den Außenminister gilt der Ausnahmezustand

Nach dem tödlichen Attentat auf Sri Lankas Außenminister Kadirgamar hat das Land den Ausnahmezustand verhängt. Die Behörden verdächtigen die Rebellengruppe Tamil Eelam (LTTE), den Anschlag verübt zu haben. Der seit drei Jahren währende Waffenstillstand zwischen der LTTE und der Regierung wäre damit gefährdet.


 Opfer eines Attentats: der srilankische Außenminister Lakshman Kadirgamar
REUTERS

Opfer eines Attentats: der srilankische Außenminister Lakshman Kadirgamar

Colombo - Der Ausnahmezustand gelte für unbestimmte Zeit, sagte ein Sprecher der srilankischen Regierung. Er ermächtige die Polizei dazu, Verdächtige ohne richterlichen Beschluss für längere Zeit festzuhalten. Das Militär rief die Einwohner der Hauptstadt Colombo auf, in ihren Häusern zu bleiben.

Der 73-jährige Lakshman Kadirgamar war nach Angaben der Polizei von einem oder zwei Scharfschützen in der Nähe seines Hauses in Colombo niedergeschossen und zunächst schwer verletzt worden. Medienberichten zufolge wurde er auch im Kopf getroffen. Die Polizei erklärte, er sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Er sei zwar noch operiert worden, dann aber doch gestorben. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand.

Vor rund zwei Wochen waren nach Polizeiangaben zwei LTTE-Mitglieder festgenommen worden, die das Haus des Ministers filmten. Der Minister galt als Feind der LTTE.

Das Attentat kommt zu einer Zeit, da die Spannungen zwischen der Regierung in Colombo und den tamilischen Rebellen wieder steigen. Kadirgamar hatte sich seit Jahren dafür eingesetzt, die Befreiungstiger von Tamil Eelam zur Terrororganisationzu erklären. Fünf Länder, darunter die USA und Großbritannien, haben dies getan.

Ein LTTE-Sprecher hatte der Regierung in Colombo erst am Donnerstag vorgeworfen, sie schüre die Gewalt, indem sie paramilitärische Gruppen unterstütze, die die Rebellen angriffen. Die LTTE kämpft seit 1983 für ein selbstständiges Land der Tamilen im Norden und Osten Sri Lankas. Seit 2002 herrscht eine Waffenruhe. Die Gespräche über einen Frieden kommen aber nicht voran, da die Regierung die von der LTTE geforderte größere Autonomie ablehnt.

Hoffnungen, die Flutkatastrophe mit zahlreichen Toten Ende vergangenen Jahres würde die Konfliktparteien an einen Tisch zwingen, erfüllten sich nicht. Bei der Tsunami-Flutkatastrophe starben fast 40 000 Menschen auf der Insel, die als Urlaubsparadies gilt. Vor der Waffenruhe hatte ein 20 Jahre andauernder Bürgerkrieg in Sri Lanka rund 69 000 Menschen das Leben gekostet.



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