Sri Lanka Polizei entdeckt weitere Sprengsätze und Zünder für Bomben

Die Attentate in Sri Lanka hätten noch schwerwiegendere Folgen haben können. Sicherheitskräfte stoßen noch immer auf Zünder und Sprengsätze. Eines der Todesopfer hatte einen deutschen Pass.

Sicherheitskräfte an einem der Anschlagsziele auf Sri Lanka
Dinuka Liyanawatte/ Reuters

Sicherheitskräfte an einem der Anschlagsziele auf Sri Lanka


Einen Tag nach der Anschlagsserie in Sri Lanka scheint die Gefahr nicht komplett gebannt. Polizei und weitere Sicherheitskräfte stoßen immer wieder auf Sprengsätze und Zünder für Bomben.

Eine Autobombe soll nach Angaben eines Reuters-Reporters detoniert sein, als Sicherheitskräfte versuchten, sie zu entschärfen. Das Fahrzeug stand demnach ganz in der Nähe der Kirche, die am Sonntag Ziel der Anschläge war. Nach bisherigen Erkenntnissen ist dabei niemand verletzt worden.

Video zeigt Detonation der Autobombe am Montag:

REUTERS

Insgesamt hatte es am Sonntag mindestens acht Detonationen gegeben, darunter drei in Kirchen und drei weitere in Luxushotels. Die Explosionen ereigneten sich fast zeitgleich.

Eines der Opfer soll laut dpa neben dem US-amerikanischen auch einen deutschen Pass gehabt haben. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf Angaben des Auswärtigen Amts. Weitere Opfer aus Deutschland gebe es, soweit bisher bekannt, nicht. Laut Bundesaußenminister Heiko Maas(SPD) bemüht sich die deutsche Botschaft vor Ort um Aufklärung. Mehrere Reisveranstalter gaben indes bekannt, dass ihre Urlauber aus Deutschland unverletzt geblieben sind.

"Wir haben alle Gäste erreichen können, sie sind wohlauf", teilten die Veranstalter Tui und DERtour mit. DER Touristik betreut derzeit nach eigenen Angaben eine knappe vierstellige Zahl von Gästen auf Sri Lanka. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt hat auch einige Hotels im Angebot, die zum Anschlagsziel wurden. Tui hat nach eigenen Angaben die gut 150 Urlauber auf Sri Lanka telefonisch erreicht. Alle wollten ihren Urlaub fortsetzen.

Der ReiseveranstalterThomas Cook hatte am Sonntag mitgeteilt, keine Gäste in den betroffenen Hotels zu haben. Der Reiseveranstalter rechnet jedoch weiterhin mit erheblichen Einschränkungen für Touristen.

Behörden sol len schon vor Tagen gewarnt worden sein

Sicherheitskräfte in Sri Lanka fahnden unterdessen im ganzen Land nach den Drahtziehern der Anschläge. An einer zentralen Busstation in Colombo wurden 87 Zünder für Bomben entdeckt. Präsident Maithripala Sirisena kündigte an, den Ausnahmezustand über das Land zu verhängen. Dieser soll von Mitternacht an gelten.

Die Regierung von Sri Lanka machte am Montag die einheimische Islamistengruppe National Thowheed Jamaath (NTJ) für die Attentate verantwortlich. In einem Schreiben an führende Sicherheitsvertreter hatte Sri Lankas Polizeichef Pujuth Jayasundara bereits am 11. April vor Plänen der NTJ gewarnt, Anschläge auf Kirchen und die indische Botschaft zu verüben. Er berief sich dabei auf einen "ausländischen Geheimdienst".

Bislang ist über die Gruppierung nur wenig bekannt. Im vergangenen Jahr wurde sie verdächtigt, für die Beschädigung buddhistischer Statuen verantwortlich zu sein. Die Behörden glauben allerdings nicht, dass eine kleine Organisation wie die NTJ allein derartig verheerende, koordinierte Angriffe verüben kann. Deshalb werde geprüft, ob die Gruppe "internationale Unterstützung" hatte, welche anderen Verbindungen bestehen und wie sie zu den Sprengsätzen für die Selbstmordattentate kam.

Bis Montag stieg die Zahl der Todesopfer auf 290, mehr als 500 Menschen wurden verletzt. Viele der Opfer sind Katholiken - es waren die bisher schwersten Anschläge in Sri Lanka auf die Minderheit, die sieben Prozent der Bevölkerung ausmacht. Mindestens 37 der Opfer sind Ausländer. Ein dänischer Milliardär verlor durch die Anschläge drei seiner vier Kinder.

koe/dpa/Reuters

insgesamt 20 Beiträge
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Sonia 22.04.2019
1. Wahnsinn
so ein schreckliches Verbrechen, so militärisch fast perfekt organisiert und niemand bemerkte was?Alles weist bis jetzt auf einen islamistischen Anschlag hin. Es wird Zeit mal über Terror gegen Christen und Juden mehr zu reden. Bei uns wird ja so getan, als sei Antisemitismus, Verächtlichmachung von Christen kaum der Rede wert bzw. das gehe von Rechten aus.
j.c78. 22.04.2019
2. Unfassbar
welcher Gott soll das Töten betender Kinder rechtfertigen? Traurig, dass die Ideen der Aufklärung zunehmend verloren gehen. Auch bei uns wächst religiöse Intoleranz. Auf einmal ist wieder die freie Meinungsäußerung, die künstlerische Freiheit und sogar die Freiheit der Wissenschaft gefährdet... bloß weil eine Handvoll Idioten glaubt, dass alle Menschen wie im Mittelalter leben sollten...
peter-11 22.04.2019
3. Beileid und nachdenklich
da gibt es noch nicht soviel zu diskutieren. Nachdenklich stimmt allerdings, dass der Polizeichef schon am 11.4. gewarnt hatte und sich trotzdem noch ein Attentat von diesem Ausmaß ereignen kann.
Freidenker10 22.04.2019
4. Sonia
Es wird noch nicht mal erwähnt dass es sich um muslimische Terroristen handelt, wobei sich das mittlerweile ja jeder denken kann! Bin selbst gerade in Kairo und erlebe die Ablehnung von "Westlern" hautnah. Bin sehr traurig über diese Anschläge die einen weiteren Graben ziehen werden. Brutal ist der Verlust von 3 Kindern eines Dänen, diesen Schiksalsschlag kann ich nicht mal erahnen! Viel Kraft für die Hinterbliebenen!
Galleg 22.04.2019
5. so traurig für dieses Land
Ich selber war vor 3 Jahren mit dem Rucksack in diesem wunderschönen Land unterwegs insbesondere im Bürgerkrieg gebeutelten Norden und ich habe selten so freundliche und aufgeschlossende Menschen getroffen wie in Sri Lanka. Alle dort haben mir erzählt wir froh sie sind das der Krieg vorbei ist und sie sich langsam eine Zukunft in ihrer Heimat aufbauen können. daher macht mich diese Anschlagserie so immens traurig. daher reisen sie nach Sri Lanka wenn sie an einem wunderschönen (kulturell als auch landschaftlich) Land mit extrem freundlichen Menschen und absolut genialen essen interessiert sind. Die Mensch dort verdienen es !
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