Sri Lanka Präsident erklärt Sieg über Tamilen-Rebellen

Ist es das Ende eines 25-jährigens Bürgerkriegs? Der Präsident Sri Lankas, Mahinda Rajapakse, hat die tamilischen Rebellenarmee LTTE für besiegt erklärt. "Ich werde in ein Land zurückkehren, das von den barbarischen Taten der LTTE total befreit ist", sagte Rajapakse in Jordanien.


Colombo - Nach mehr als 25 Jahren Bürgerkrieg und 70.000 Todesopfern hat die Regierung Sri Lankas den militärischen Sieg über die Tamilen-Rebellen erklärt. Viele Menschen in der Welt hätten die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) für unbesiegbar gehalten, sagte Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse am Samstag bei einem Staatsbesuch in Jordanien. Er sei stolz darauf zu verkünden, dass "meine Regierung, mit dem totalen Engagement der Streitkräfte, die LTTE in einer nie dagewesenen humanitären Operation endlich militärisch besiegt hat".

Tamilische Demonstranten in Berlin (am 24.4.2009): Bürgerkrieg seit mehr als 25 Jahren
DPA

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Rajapakse wird an diesem Sonntag in Colombo zurückerwartet. "Ich werde in ein Land zurückkehren, das von den barbarischen Taten der LTTE total befreit ist", sagte er. Am Samstagmorgen hatte das Verteidigungsministerium in Colombo mitgeteilt, die Armee habe den letzten Küstenstreifen unter Kontrolle der LTTE eingenommen und die verbleibenden Rebellen eingekesselt.

Nach Angaben des Militärs hielten sich LTTE-Chef Velupillai Prabhakaran und weitere Rebellen-Anführer noch im Kampfgebiet auf. Unklar blieb am Abend, ob Prabhakaran getötet oder gefasst wurde.

Die Tamilen - Volk der Tiger im Land der Löwen

Tamilen und Singhalesen (vom Sanskrit-Wort "Singha" für Löwe) in Sri Lanka stehen sich seit Jahrzehnten in einem immer wieder aufflammenden Bürgerkrieg gegenüber. Drei Viertel der insgesamt rund 20 Millionen Bewohner des Inselstaates an der Südspitze Indiens sind meist buddhistische Singhalesen. Die überwiegend hinduistischen Tamilen - etwa 3,8 Millionen Menschen - machen 18 Prozent aus.

Zwei Drittel von ihnen sind Jaffna-Tamilen (Ceylon-Tamilen) und leben im Norden und Osten des Landes, wo die Rebellen der "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) ihre Machtbasis hatten. Die übrigen Tamilen (Indien-Tamilen) sind Nachfahren indischer Teepflücker, die die britischen Kolonialherren ins Land holten und im zentralen Hochland ansiedelten. Die Briten vertieften die seit Jahrhunderten bestehenden Rivalitäten zwischen den Ethnien, indem sie die Tamilen bevorzugten.

Nach der Unabhängigkeit 1948 dominierten Singhalesen die Staatsführung. Diese stellten sich - unter Einrechnung der 60 Millionen Tamilen im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu - als bedrohte Minderheit in einer tamilisch dominierten Region dar. Singhalesische Nationalisten erinnern bis heute daran, dass jahrhundertelang Hindu-Eroberer aus Indien auf die Insel kamen, und feiern den buddhistischen König Dutthagami (161-137 v.Chr.) als Helden, weil er tamilische Besatzer vertrieb.

Von 1956 an benachteiligte der damalige Regierungschef Solomon Bandaranaike mit seiner Politik die Tamilen. Diese protestierten gegen die Unterdrückung ihrer Volksgruppe in Sri Lanka - Gewalt war die Folge. Nach einem Massaker an Soldaten kam es 1983 zu Pogromen gegen Tamilen. Der Bürgerkrieg begann, in dem bislang etwa 80.000 Menschen getötet wurden. Mehr als in in Irak, Afghanistan, Pakistan und dem Gazastreifen zusammen.

lub/dpa



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