Sri Lanka Rebellen wollen im Kampf um Wasser einlenken

Seit knapp drei Wochen blockiert die Rebellengruppe LTTE in Sri Lanka ein Wasserreservoir - mit fatalen Folgen. Die Regierung reagierte auf die Wassersperre mit einer Militäroffensive, die Dutzende Menschen das Leben kostete. Jetzt gaben die Rebellen bekannt, sie wollten die Blockade aufheben.


Colombo - Die Schleusentore seien wieder geöffnet worden, sagte Rebellensprecher Daya Master der Gruppe Tamil Eleam (LTTE) am Dienstag. Die Öffnung sei trotz Artilleriebeschusses der Armee auf die von den Rebellen kontrollierte Region Mavilaru im Nordosten des Landes erfolgt, in der die Schleuse liegt. Von dem Wasserreservoir sind tausende singhalesische Siedler im Regierungsgebiet abhängig.

Nach den wochenlangen Auseinandersetzungen zwischen den "Befreiungstigern" und der Regierung in Colombo könnte die Ankündigung der LTTE ein wichtiges Signal des Einlenkens sein. Aber die Aufhebung der Wassersperre wurde offiziell nicht bestätigt. Das Verteidigungsministerium in Colombo teilte mit, es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Schleuse geöffnet worden sei. In den von der Blockade betroffenen Dörfern gebe es nach wie vor kein Wasser. Das Schließen der Schleuse am 20. Juli hatte die heftigsten Kämpfe seit dem Anfang 2002 vereinbarten Waffenstillstandsabkommen ausgelöst. Dutzende Menschen starben.

Auch nach der Ankündigung der Rebellen, die Blockade aufzuheben, setzten die Streitkräfte nach Angaben der LTTE ihre Angriffe fort. Bei einem der LTTE zugeschriebenen Bombenanschlag in der Hauptstadt Colombo wurden zwei Menschen getötet, darunter ein drei Jahre altes Mädchen. Ziel des Anschlags war offenbar ein früherer Abgeordneter der Demokratischen Volkspartei Eelam (EPDP), die sich vom bewaffneten Kampf der tamilischen Rebellen distanziert hat und als deren erbitterter Gegner gilt. Der ehemalige Parlamentarier wurde bei der Explosion verletzt.

Zwei weitere Leichen von Tsunami-Helfern entdeckt

Im Nordosten Sri Lankas wurden unterdessen die Leichen von zwei weiteren Mitarbeitern der französischen Hilfsorganisation "Aktion gegen Hunger" entdeckt. Bereits am Freitag waren dort 15 Mitarbeiter der Organisation erschossen aufgefunden worden. Die Organisation " Aktion gegen Hunger" teilte mit, die Leichen ihrer beiden Mitarbeiter seien am Montagabend in einem Auto in der Küstenstadt Muttur gefunden worden. Sie seien offenbar auf der Flucht getötet worden. In der Gegend liefern sich Regierungstruppen und tamilische Rebellen heftige Gefechte.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton, Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für den Wiederaufbau nach dem Tsunami, zeigte sich bestürzt über den Tod der Helfer. Er forderte die Behörden auf, alles zur Aufklärung des Vorfalls zu unternehmen. Die Regierung Sri Lankas leitete eine Untersuchung des Mordes an den 17 Helfern ein. Die Verantwortlichen würden "unabhängig von ihrer Stellung" bestraft.

Die "Befreiungstiger" beschuldigen die Armee des Mordes an den vornehmlich tamilischen Helfern. Das Verteidigungsministerium weist das zurück. Der Mord an den Helfern wurde international verurteilt. Uno-Nothilfekoordinator Jan Egeland teilte mit, der Angriff auf Helfer sei beispiellos in der Geschichte des Konflikts in Sri Lanka und könnte ernste Konsequenzen für die Arbeit von Hilfsorganisationen dort haben.

fok/ap/dpa



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