Sri Lanka Regierung für Massaker verantwortlich

Für die Ermordung von 17 Tsunami-Katastrophenhelfern ist nach Einschätzung internationaler Beobachter die Regierung Sri Lankas verantwortlich. Offizielle Sicherheitskräfte hätten die Männer mit Kopfschüssen getötet.


Colombo – Das Massaker an den einheimischen Mitarbeitern der französischen Hilfsorganisation "Aktion gegen Hunger" hatte sich Anfang August nach Tagen heftiger Kämpfe im Norden Sri Lankas ereignet. Skandinavische und schwedische Beobachter haben den Vorfall untersucht, ihr Fazit: Offizielle Sicherheitskräfte waren in die Ermordung verwickelt. Der Vorfall sei eine schwere Verletzung des Waffenstillstands-Abkommens durch die Sicherheitskräfte.

Der Chef der Mission, Ulf Henricsson, habe vertrauliche Gespräche mit "höchst zuverlässigen Quellen" über die Verantwortlichen für die Morde gehabt, erklärte die Beobachtergruppe. Die Informationen hätten keine Widersprüche ergeben, und die Sicherheitskräfte würden übereinstimmend als Verantwortliche gesehen. Zudem seien sie zur Zeit der Taten in dem Ort des Massakers, Muttur, gewesen, weshalb es höchst unwahrscheinlich sei, dass andere Gruppen dafür in Frage kämen. Die Regierung äußerte sich zunächst nicht zu der Erklärung.

Nach den Morden hatten sich zunächst die Rebellen und die Regierung gegenseitig dafür verantwortlich gemacht. Die meisten Helfer waren mit Kopfschüssen getötet worden.

Tamilen drohen mit Ende des Waffenstillstands

Norwegen hatte 2002 einen Waffenstillstand zwischen Tamilien-Rebellaen und der Regierung vermittelt, der von beiden Seiten jedoch kaum noch respektiert wird. In dem Konflikt starben seit 1972 insgesamt mehr als 60.000 Menschen; allein seit dem Wiedereinsetzen der Kämpfe im Dezember vergangenen Jahres waren es mehr als 1500. Seit fünf Wochen rollt wieder eine Welle der Gewalt über den Inselstaat.

Diese Woche starben in der Stadt Sampur im Osten der Insel nach Armeeangaben 13 Soldaten, 79 weitere seien verletzt. Die tamilischen Rebellen drohten mit einer vollständigen Aufkündigung der Feuerpause. "Falls die Aggression des Militärs anhält, würde das zu einem Ende der Waffenstillstandsvereinbarung vom Februar 2002 führen", zitierte eine tamilen-freundliche Internetseite den Sprecher der Bewegung. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in Sri Lanka seit April knapp 170.000 Menschen auf der Flucht.

agö/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.