Anschläge am Ostersonntag Die Suche nach Hintermännern in Sri Lanka

Bei der Anschlagsserie in Sri Lanka starben 310 Menschen. Die Regierung hat den Notstand erklärt, 40 Verdächtige wurden bislang festgenommen. Der Uno-Sicherheitsrat verurteilte die Attentate.

Soldat hält Wache bei Beerdigung in Negombo, Sri Lanka
Jewel SAMAD/ AFP

Soldat hält Wache bei Beerdigung in Negombo, Sri Lanka


In Sri Lanka sind nach den verheerenden Selbstmordanschlägen auf Kirchen und Luxushotels in der Nacht zum Dienstag Notstandsbestimmungen in Kraft getreten. Staatspräsident Maithripala Sirisena verhängte sie, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu bewahren sowie die Versorgung mit Waren und Dienstleistungen für die Bürger sicherzustellen, hieß es in einer Erklärung des Präsidenten. Mit den Regelungen erhalten Sicherheitsbehörden erweiterte Befugnisse, etwa für Durchsuchungen und zur Festnahme.

REUTERS

Durch die Explosionen an acht Orten am Ostersonntag starben 310 Menschen, es gab mehr als 500 Verletzte. Unter den mehr als 30 getöteten Ausländern ist auch ein Deutsch-Amerikaner, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Weitere deutsche Opfer gebe es nach derzeitigen Erkenntnissen nicht, sagte eine Sprecherin. 14 Ausländer werden nach Angaben des Außenministeriums Sri Lankas noch vermisst.

Hinter den Anschlägen steckt nach Einschätzung der Regierung eine einheimische islamistische Gruppe. Die Regierung ist jedoch überzeugt, dass die verdächtigte Gruppe National Thowheed Jamaath (NTJ) die Attacken nur mit Unterstützung eines internationalen Netzwerks verübt haben kann.

Fotostrecke

15  Bilder
Anschlag mit etwa 250 Toten: So sinnlos

Der Uno-Sicherheitsrat verurteilte die Anschlagsserie in Sri Lanka auf das Schärfste. Zugleich sprach er den Familien der Opfer der "abscheulichen und feigen" Anschläge tief empfundenes Mitgefühl aus, wie es in einer Mitteilung des Uno-Gremiums hieß.

FBI bietet Unterstützung an

Sri Lankas Staatspräsident Sirisena berief ein dreiköpfiges Untersuchungsteam ein. Dieses soll die Anschlagsserie untersuchen und in zwei Wochen einen ersten Bericht vorlegen. Die internationale Polizeiorganisation Interpol kündigte an, Spezialisten mit Expertise in den Bereichen Tatortuntersuchung, Sprengstoff, Terrorismusbekämpfung und Opferidentifizierung zu schicken. Einem Bericht der "Washington Post" zufolge entsandte auch die US-Bundespolizei FBI Ermittler nach Sri Lanka und bot offiziell Unterstützung an, etwa bei Laboruntersuchung von Sprengstoffresten. Die Zeitung beruft sich auf Ermittlerkreise.

Nach den Worten von Kabinettssprecher Rajitha Senaratne gab es vor den Attacken Hinweise auf Anschlagspläne. Ausländische Geheimdienste hätten bereits am 4. April über mögliche Selbstmordanschläge auf Kirchen und Touristenziele in Sri Lanka informiert. "Wir tragen die Verantwortung, es tut uns sehr leid", sagte Senaratne im Namen der Regierung. "Wir glauben nicht, dass diese Angriffe von einer Gruppe von Menschen verübt wurden, die auf dieses Land begrenzt waren", sagte er. "Es gab ein internationales Netzwerk, ohne das diese Angriffe nicht gelungen wären." Nach Polizeiangaben wurden 40 Verdächtige festgenommen und verhört.

Die meisten Opfer hatte es bei den Anschlägen in den Kirchen gegeben, als gerade Ostergottesdienste stattfanden. In dem Inselstaat sind etwa sieben Prozent der 20 Millionen Einwohner Christen. Politiker von CDU, FDP und Grünen beklagen vor dem Hintergrund der Anschläge die gewachsene Bedrohung christlicher Minderheiten in vielen Staaten.

cte/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.