Sri Lanka Viele Tote bei Anschlag auf Touristenhochburg

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Marinebasis in der srilankischen Touristenstadt Galle sind mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen - darunter ein Zivilist und ein Soldat. Touristen kamen nicht zu Schaden. Das Auswärtige Amt rät zu besonderer Vorsicht.


Colombo - Erstmals seit fast zehn Jahren haben die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) wieder ein Ziel in einer Touristenhochburg angegriffen. Bei dem Selbstmordanschlag auf eine Marinebasis in Galle im touristischen Süden der Insel wurden heute nach Armeeangaben mindestens 17 Menschen getötet. Ein Marinesprecher sagte, 15 LTTE-Extremisten, ein Soldat und ein Zivilist seien ums Leben gekommen. 26 Menschen seien verletzt worden. Touristen kamen nicht zu Schaden.

Der Marinesprecher sagte, fünf als Fischtrawler getarnte Boote der LTTE hätten heute versucht, in den Hafen von Galle einzudringen. Drei Boote seien von der Marine versenkt worden, zwei seien im Hafen von Rebellen zur Explosion gebracht worden. Der LTTE-nahe Internetdienst Tamilnet meldete, es habe sich um 15 Angreifer auf den Booten gehandelt, 22 Soldaten seien verletzt worden. Aus zwei Booten heraus seien Angreifer an Land gegangen und hätten die Marinebasis mit Panzerfäusten beschossen. Es sei zu einem zweistündigen Feuergefecht gekommen.

Die Marinebasis liegt am Stadtrand und nicht in der Nähe von Hotels. Galle ist ein beliebtes Reiseziel bei westlichen Ausländern.

Die Extremisten verüben ihre Angriffe und Anschläge gewöhnlich im Norden und Osten Sri Lankas. Galle im Süden liegt im Touristengebiet, das vor knapp zwei Jahren von dem verheerenden Tsunami im Indischen Ozean betroffen war. Die Stadt ist weit entfernt von den Rebellen-Hochburgen.

Galle und die umliegende Region ist auch bei deutschen Urlaubern beliebt. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, es prüfe die Situation vor Ort und eine Aktualisierung seines Reisehinweises für Sri Lanka. Das Ministerium rät derzeit dringend von Reisen in die nördlichen, östlichen und südöstlichen Landesteile ab und fordert alle Deutschen auf, diese Gebiete zu verlassen. Auch in den übrigen Landesteilen sollen Reisende wachsam sein. Wegen der Gefahr von Anschlägen sollen militärische Einrichtungen und Militärkonvois gemieden werden.

Der Reiseanbieter TUI nahm Galle aus dem Ausflugsprogramm und strich die Stadt bei Rundreisen. Man biete zudem kostenlose Umbuchungen bis zum 1. November 2006 an, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Eine Sprecherin von Europas zweitgrößtem Reisekonzern Thomas Cook sagte, keiner der derzeit 324 Gäste aus Deutschland in Sri Lanka wolle seinen Urlaub abbrechen.

Eine Sprecherin der Reiseveranstalter Dertour und Meier's Weltreisen sagte, die beiden Rewe-Veranstalter böten bei Reisen nach Sri Lanka kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen bis zum Abreisetag 31. Oktober an, allerdings unter der Voraussetzung, dass Hotels und Fluggesellschaften sich ebenfalls kulant zeigten.

Nach dem Anschlag kam es zu Panik und Ausschreitungen in Galle. Tamilnet berichtete, singhalesische Aufrührer hätten Läden tamilischer Händler angegriffen. Die indische Nachrichtenagentur PTI meldete unter Berufung auf die Polizei in Galle, drei Randalierer seien angeschossen worden. Die Behörden verhängten eine Ausgangssperre über die Stadt. Die Schnellstraße von der Hauptstadt Colombo in den Süden der Insel wurde gesperrt. Die Polizei versicherte, die Lage sei unter Kontrolle.

Unmittelbar nach dem Anschlag flog die Luftwaffe Bombenangriffe auf LTTE-kontrolliertes Gebiet. Die LTTE teilte mit, bei dem Bombardement im Nordosten seien eine Frau getötet und zwei Menschen verletzt worden, darunter ein zehn Jahre altes Kind. Die LTTE kämpfen seit mehr als 20 Jahren für mehr Selbstbestimmung im Norden und Osten der Insel.

Ende des Monats sind Friedensgespräche in Genf zwischen den Konfliktparteien geplant. Regierungssprecher Keheliya Rambukwella sagte heute, die Regierung halte trotz des Anschlags an den Gesprächen fest.

Beide Seiten hatten bereits Anfang 2002 einen Waffenstillstand vereinbart. Erst am Montag waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen Buskonvoi der Marine mehr als 100 Menschen getötet worden. In dem Konflikt sind mehr als 65.000 Menschen ums Leben gekommen.

hen/dpa/Reuters



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