Anschläge in Sri Lanka Zwei Attentäter waren offenbar Söhne eines reichen Unternehmers

Nach den Anschlägen am Ostersonntag in Sri Lanka berichten mehrere Medien über die Identität zweier Angreifer. Es soll sich um Söhne eines der wohlhabendsten Geschäftsmänner des Landes handeln.

Ermittler in Sri Lanka am Schauplatz eines der Anschläge
Thomas Peter / REUTERS

Ermittler in Sri Lanka am Schauplatz eines der Anschläge


Zwei der Attentäter, die sich am Ostersonntag in Sri Lanka in die Luft sprengten, sollen Söhne eines angesehenen Geschäftsmanns sein. Das berichten die "New York Times", die Nachrichtenagentur Reuters sowie indische Medien.

Demnach nahm die Polizei Mohammed Yusuf I. in Gewahrsam, einen der reichsten Gewürzhändler des Landes. Laut Reuters handelt es sich bei einem der Angreifer um seinen Sohn Inshaf I., den 33-jährigen Besitzer einer Kupferfabrik. Dessen jüngerer Bruder, Ilham I., gehörte demnach ebenfalls zu den Selbstmordattentätern vom Ostersonntag.

Mindestens sieben sri-lankische Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu zeitgleich in drei Kirchen in mehreren Städten sowie drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen in einem kleinen Hotel und einer Wohngegend in Vororten Colombos. Ein weiterer Anschlag auf ein Fünf-Sterne-Hotel scheiterte. Die Zahl der Toten lag nach Polizeiangaben vom Mittwoch bei 359.

Behörden nehmen mehrere Dutzend Verdächtige in Gewahrsam

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat die Selbstmordanschläge für sich reklamiert. Die Echtheit der Nachricht ließ sich nicht unabhängig überprüfen. Sri Lankas Behörden machen eine einheimische Islamistengruppe verantwortlich, die aber Hilfe aus dem Ausland gehabt haben soll. Nach Einschätzung der Regierung waren die Taten als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht.

In der Nacht zum Donnerstag nahm die Polizei weitere 16 Verdächtige im Zusammenhang mit den Anschlägen fest. Insgesamt befinden sich nach jüngsten Behördenangaben nun 76 Verdächtige in Gewahrsam. Zudem wurden mehrere Fahrzeuge beschlagnahmt und neue Sicherheitsvorkehrungen erlassen, darunter ein Flugverbot für Drohnen. Unterstützt werden die einheimischen Ermittler von eigens angereisten Teams der US-Bundespolizei FBI und Interpol.

Angehörige trauern um eines der Terroropfer
Athit Perawongmetha/ REUTERS

Angehörige trauern um eines der Terroropfer

Der Unternehmer I. wird derzeit vernommen. Sein älterer Sohn Inshaf sprengte sich laut Reuters am Frühstücksbüfett eines der Luxushotels in die Luft. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf eine der Familie nahestehende Quelle.

Bei der Frage, wo der jüngere Sohn, Ilham I., seinen Anschlag verübte, weichen die Berichte voneinander ab. Laut Reuters zündete der 31-Jährige während einer Polizeirazzia in der Villa der Familie eine Bombe und tötete dabei sich selbst, seine Frau und seine drei Kinder. Auch hier beruft sich die Nachrichtenagentur auf dieselbe Quelle aus dem Umfeld der Familie.

Die "New York Times" berichtet hingegen, Ilham I. habe zu jenen Attentätern gehört, die Anschläge auf die Kirchen und Hotels verübt hätten. Während der Razzia in der Villa der Familie habe sich hingegen eine Frau in die Luft gesprengt und dabei zwei ihrer Kinder sowie mehrere Polizisten getötet. Bei der Frau handele es sich sehr wahrscheinlich um die Ehefrau eines der beiden Brüder, berichtet die Zeitung unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten indischen Beamten. Indiens Geheimdienste hatten Behörden in Sri Lanka vor möglicherweise bevorstehenden Anschlägen gewarnt.

Mehrzahl der Angreifer wuchs in privilegierten Verhältnissen auf

Sri Lankas Behörden halten sich bisher mit Angaben über die Identität der Angreifer zurück. Sie verweisen darauf, dass dies ihre laufenden Ermittlungen behindern könne. Der Verteidigungsminister des Landes teilte zuletzt jedoch mit, dass die Mehrzahl der Attentäter gebildet war und Familien der Mittel- beziehungsweise Oberschicht entstammten.

Bei Mohammed Yusuf I. handelt es sich um eine in sri-lankischen Geschäftskreisen gefeierte Figur mit guten Kontakten in die Politik. Eine der Parteien des Landes plante laut "New York Times", den Gewürzhändler für einen Parlamentsposten zu nominieren, errang bei der Wahl jedoch nicht genug Sitze dafür.

Unklar ist, welche Rolle der Geschäftsmann in den Ermittlungen spielt. Auch ist bisher nicht bekannt, ob er von den Aktivitäten seiner Söhne wusste. Eine der Führungsfiguren der Partei, die I. nominieren wollte, mutmaßte gegenüber der "New York Times", dass I. wohl nichts wusste: "Es gibt Dinge, die Söhne tun, von denen Väter nichts wissen."

asa



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