Prozess gegen Punkband Staatsanwalt fordert drei Jahre Haft für Pussy Riot

Im umstrittenen Moskauer Prozess gegen die Punkband Pussy Riot hat die Staatsanwaltschaft einen Schuldspruch gefordert: Drei Jahre Haft verlangte der Ankläger für die drei Frauen - wegen Rowdytums aus religiösem Hass.


Moskau - Das Verfahren gegen die drei Musikerinnen der Punkband Pussy Riot nähert sich seinem Ende: Der Staatsanwalt Alexej Nikiforow forderte für die drei Angeklagten jeweils drei Jahre Haft wegen Rowdytums aus religiösem Hass. Die Frauen hätten die Gefühle von Gläubigen absichtlich und grob verletzt, sagte der Staatsanwalt am Dienstag vor dem Chamowniki-Gericht. Ihre Handlungen belegten "eindeutig religiösen Hass und Feindseligkeit".

Mit dem beantragten Strafmaß blieb die Anklage unter der Höchststrafe von sieben Jahren Lagerhaft. Die Schuld von Maria Aljochina, 24 Jahre, Nadeschda Tolokonnikowa, 22 Jahre, und Jekaterina Samuzewitsch, 29 Jahre, sei erwiesen, sagte der Staatsanwalt bei der live im Internet übertragenen Sitzung.

Den Punk-Rockerinnen wird vorgeworfen, Ende Februar die orthodoxe Christ-Erlöser-Kathedrale gestürmt und Wladimir Putin von der Kanzel herab verunglimpft zu haben. Das Vorgehen der russischenBehörden, insbesondere die seit Monaten andauernde Inhaftierung der Frauen, ist international scharf kritisiert worden. Der russische Präsident Putin hatte zuletzt angemahnt, die Frauen dafür nicht zu hart zu bestrafen.

Die Musikerinnen, zwei von ihnen Mütter kleiner Kinder, hatten die Vorwürfe als absurd und unrechtmäßig zurückgewiesen. Sie hätten die Gefühle russisch-orthodoxer Christen mit der Aktion am 21. Februar nicht verletzen wollen.

Augenzeugen berichteten am Dienstag von extremen Sicherheitsvorkehrungen vor dem Gebäude. Richterin Marina Syrowa hatte am Vorabend nach einer Woche die Beweisaufnahme beendet.

Die jungen Frauen, die im Gericht in einem Kasten aus Plexiglas ausharren müssen, beschweren sich seit dem Prozessbeginn am Montag über zu wenig Schlaf und Essen sowie fehlende Pausen. Menschenrechtler und unabhängige Juristen sowie die russische Opposition sprechen von einem beispiellosen Justizskandal in der jüngeren Geschichte des Landes. Der Prozess stehe für politisch-religiöse Willkür wie im Mittelalter, hieß es in Kommentaren. Die Frauen sind von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International als politische Gefangene anerkannt.

heb/dpa/Reuters

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roskipper 07.08.2012
1. Milde Strafe
Das hat Zar Putin so angeordnet. Anstatt 7 jahre nur 3, damit er im Abendland im Lupenreinen Demokratielicht besser da steht.
BiffBoffo 07.08.2012
2. Strafliste
4,5 Jahre für Kindermord 4 Jahre für Filme ins Netz gestellt 3 Jahre für eine Ordnungswidrigkeit Bitte suchen sie den Fehler.
Dumpfmuff3000 07.08.2012
3. xx
Zitat von sysopDPAIm umstrittenen Moskauer Prozess gegen die Punkband Pussy Riot hat die Staatsanwaltschaft einen Schuldspruch gefordert: Drei Jahre Haft verlangte der Ankläger für die drei Frauen - wegen Rowdytums aus religiösem Hass. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,848656,00.html
So viel zur Rechtsstaatlichkeit in Rußland. In einem Rechtsstaat wäre das allenfalls eine Ordnungswidrigkeit gewesen. In Rußland: Drei Jahre Knast für das öffentliche Singen eines Liedes, in dem weder zur Gewalt aufgerufen noch irgendwer beleidigt oder sonstwas wird. Man kann nur hoffen, daß das die Bevölkerung nich thinnimmt, wenn solch ein Urteil tatsächlich gefällt wird.
abc-xyz 07.08.2012
4. "Religiöser Hass"
Ist mit "religiösem Hass" die Orthodoxe Kirche oder Putin gemeint?
Kurt2.1 07.08.2012
5. drakonisch
Zitat von sysopDPAIm umstrittenen Moskauer Prozess gegen die Punkband Pussy Riot hat die Staatsanwaltschaft einen Schuldspruch gefordert: Drei Jahre Haft verlangte der Ankläger für die drei Frauen - wegen Rowdytums aus religiösem Hass. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,848656,00.html
Derartig drakonisch mit diesen 3 Frauen zu verfahren, ist unmenschlich und ein Rückfall in kommunistische Zeiten. Putins Bitte um schonenden Umgang mit den Angeklagten ist ein Hohn. Wenn man überhaupt etwas aus diesem ganzen ekeligen Schmierentheater mitnehmen kann, ist das der Einblick in die geistige und reichlich wirre Haltung russischer, s.g. religiöser "Würdenträger".
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