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28. Dezember 2011, 07:11 Uhr

Staatsbegräbnis

Nordkorea nimmt Abschied von Kim Jong Il

Mit großem Pomp haben in Nordkorea die Beisetzungsfeierlichkeiten für Kim Jong Il begonnen. Das Staatsfernsehen zeigt Bilder, auf denen ein Fahrzeug mit dem Sarg des verstorbenen Machthabers durch die Hauptstadt Pjöngjang fährt - Nachfolger Kim Jong Un marschiert an der Spitze des Trauerzugs.

Seoul - Zehntausende Menschen geben dem verstorbenen nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il das letzte Geleit. Das nordkoreanische Staatsfernsehen zeigte am Mittwoch Bilder von Menschenmassen, die im Schnee standen, während das Fahrzeug mit dem Sarg Kims durch die Hauptstadt Pjöngjang an ihnen vorbeifuhr. Zahllose Soldaten standen entlang der Strecke. Auf den Bildern waren weinende Menschen zu sehen.

Kims Sohn und Nachfolger Kim Jong Un marschierte an der Spitze der Trauerzeremonie neben dem Leichenwagen her. Ihm voraus fuhr ein Fahrzeug mit einem großen Porträt Kim Jong Ils.

Die Beisetzungsfeierlichkeiten hatten im Kumsusan-Mausoleum begonnen, wo Kim Jong Il nach seinem Tod in einem Glassarg aufgebahrt worden war. Von dem Mausoleum setzte sich der Trauerkorso langsam Richtung Innenstadt in Bewegung. An der Spitze fuhr ein Wagen mit einem Riesenporträt des lächelnden Kims.

Beobachter im benachbarten Südkorea erwarteten, dass das Regime in Nordkorea Hunderttausende Menschen für das letzte Geleit in Pjöngjang mobilisieren wird.

Kim Jong Il, der nach dem Tod seines Vaters Kim Il Sung das Land seit 1994 mit eiserner Faust regierte, verstarb nach Angaben nordkoreanischer Medien am 17. Dezember im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt. Sein jüngster Sohn Kim Jong Un wurde von den Staatsmedien bereits zum "obersten Führer" der Partei, des Staats und der Streitkräfte ausgerufen.

1994 wurde der Trauerzug für Kim Il Sung von einem großen Porträt des Verstorbenen angeführt. Ihm folgte der in eine Flagge gehüllte Sarg auf einem Leichenwagen. Die Prozession durch die Hauptstadt dauerte mehrere Stunden und führte vom Kumsusan-Palast zum zentralen Kim-Il-Sung-Platz. Dieser wurde zweimal umrundet, bevor der Zug zum Kumsusan-Palast zurückkehrte.

Völlig offen ist, wie sich Nordkorea nach dem Machtwechsel im Atomkonflikt verhalten wird. Nach Einschätzung von Experten kann das Land früher als bisher erwartet eine Atomrakete einsatzfähig machen. Es werde wahrscheinlich nur noch ein bis zwei Jahre dauern, bis der kommunistische Staat einen nuklearen Raketensprengkopf einsatzbereit habe, schreibt der ehemalige Top-Experte eines überparteilichen Forschungsdienstes des US-Kongresses, Larry Niksch, in einem jüngst veröffentlichten Papier. Bislang galt eine Zeitspanne von fünf Jahren als realistisch.

hen/dpa/dapd/Reuters

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