Staatsmann Früherer Präsident Nordzyperns Denktasch ist tot

Der Politiker Rauf Denktasch galt als Kämpfernatur. Der frühere Präsident Nordzyperns setzte sich lange Jahre für die Belange seiner Volksgruppe ein. Jetzt ist er im Alter von 88 Jahren gestorben. 
Denktasch im April 2004: Der Politiker amtierte 20 Jahre lang als Präsident Nordzyperns

Denktasch im April 2004: Der Politiker amtierte 20 Jahre lang als Präsident Nordzyperns

Foto: TARIK TINAZAY/ AFP

Nikosia - Der frühere türkisch-zyprische Volksgruppenführer Rauf Denktasch ist am Freitagabend nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben. Das teilte sein Sohn Serdar Denktasch in einer Klinik in Nordzypern mit, in die sein Vater am Dienstag zum wiederholten Male eingeliefert worden war.

"Er hatte die Seele eines Kämpfers", sagte Serdar Denktasch laut Nachrichtenagentur Reuters im türkischen Staatsfernsehen. Denktasch lehnte lange Zeit kategorisch einen föderativen Staat auf der Mittelmeerinsel ab und galt als harter Unterhändler in der Zypern-Frage.

Jahrzehntelang war der unter Verhandlungspartnern trotz seiner starren Haltung als jovial geschätzte Denktasch das Gesicht der türkischen Zyprer. Rund ein Jahr nach der türkischen Okkupation des Nordteils der Insel gründete Denktasch 1975 im Kampf gegen ultranationalistische Zypern-Griechen die Türkische Republik Nordzypern, die er 1983 offiziell ausrief.

Als Präsident der weltweit nur von Ankara anerkannten Türkischen Republik Nordzypern amtierte er, drei Mal wiedergewählt, von 1985 bis 2005. Danach zog er sich aus der Politik zurück, nachdem die Zyperntürken mit großer Mehrheit für den Plan des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan zur Wiedervereinigung der Insel stimmten.

Der in London ausgebildete Jurist startete seine politische Karriere 1948, als Zypern noch britische Kolonie war. Als griechische Zyprer ab 1950 nach Unabhängigkeit strebten, schloss er sich dem türkisch-zyprischen Widerstand an. Acht Jahre später quittierte er den Dienst in der britischen Inselverwaltung, arbeitete an einer Verfassung mit und wurde 1960 zum Vorsitzenden des türkischen Kommunalparlaments gewählt. Nach zweimaligem Exil in den sechziger Jahren in der Türkei kehrte er 1968 zurück und bereitete seine Machtübernahme vor, die in die Spaltung der Insel mündete.

bos/AFP/Reuters
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