Staatsstreich in Honduras Machtkampf über den Wolken

Stundenlang kreiste sein Jet über der Hauptstadt, dann gab Manuel Zelaya auf: Der gestürzte Präsident von Honduras scheiterte beim Versuch, in seine mittelamerikanische Heimat zurückzukehren. Ein Erfolg für die Übergangsregierung - doch Zelaya will es schon bald erneut probieren.

Von Tobias Käufer, Bogotá


Dutzende Armeefahrzeuge haben auf der 1863 Meter langen Landebahn Stellung bezogen. Eine Landung auf dem honduranischen Flughafen Toncontin ist unmöglich, der Jet von Manuel Zelaya muss abdrehen. Ein Dämpfer nicht nur für den entmachteten Präsidenten von Honduras - auch für die Nachbarstaaten bedeutet der gescheiterte Rückkehrversuch eine Niederlage. Denn neben Zelaya waren einige Botschafter lateinamerikanischer Staaten an Bord der venezolanischen Maschine.

Doch selbst wenn die Crew eine Lücke in der Fahrzeugkette ausgemacht hätte - eine Landung hätte wohl unweigerlich zu einer Festnahme des entmachteten Präsidenten geführt. Der sichtlich enttäuschte Zelaya kündigte in einem Interview mit dem venezolanischen TV-Sender Telesur an, in den nächsten Tagen erneut einen Versuch zu unternehmen, in seine Heimat zurückzukehren.

Der Machtkampf über den Wolken des mittelamerikanischen Landes hatte sich im Laufe des Sonntags weiter dramatisch zugespitzt. Trotz des von der Regierung des Übergangspräsidenten Roberto Micheletti ausgesprochenen Landeverbots und der Bitte des einflussreichen honduranischen Kardinals Oscar Rodriguez, auf eine Rückkehr zum aktuellen Zeitpunkt zu verzichten, hatte Manuel Zelaya seine Ankündigung wahrgemacht. Von Washington aus war er in einem aus Venezuela bereitgestellten Jet in Richtung Honduras gestartet.

Die honduranischen Tageszeitungen berichteten in Live-Tickern über den Verbleib der Maschine. Der Direktor des nationalen Luftfahrtamtes, Alfredo San Martín, gab fast im Minutentakt Auskunft über den Kurs, den der Zelaya-Jet eingeschlagen hatte.

Tausende Zelaya-Anhänger versammelten sich derweil unmittelbar vor dem Flughafen Toncontin, der in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt Tegucigalpa liegt, um für den vor Wochenfrist aus dem Amt entfernten Präsidenten zu demonstrieren. Als die Menschenmenge zu nah an das Flughafengelände zu gelangen schien, setzten die Sicherheitskräfte Tränengasgranaten ein. Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen gab es nach Medienberichten auch zwei Todesopfer sowie einige Verletzte. Augenzeugen berichteten über den Einsatz von Schusswaffen der Sicherheitskräfte.

Als Zelaya die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens erkannte, drehte der Jet ab. Zunächst meldeten verschiedene regionale TV-Sender, das Flugzeug würde in Nicaraguas Hauptstadt Managua landen. Doch Zelaya entschied sich auf seiner Odyssee im Himmel über Mittelamerika schließlich für einen Flug nach El Salvador. In der Nacht zeigte der TV-Sender Telesur Bilder von der Landung auf dem Internationalen Flughafen der Hauptstadt San Salvador.

Wenige Minuten später präsentierte sich Zelaya mit seinem riesigen Cowboyhut an der Seite der argentinischen Präsidentin Cristina Kirchner, Ecuadors Staatschef Rafael Correa, El Salvadors Regierungschef Mauricio Funes sowie Paraguays Staatspräsident Fernando Lugo. Auf einer spontanen Pressekonferenz erhob Zelaya schwere Vorwürfe gegen die aktuellen Machthaber in seiner Heimat und sprach von einem "unnötigen Inferno", das Micheletti zu verantworten habe. Er kündigte an, die Verantwortlichen vor internationale Gerichte stellen zu wollen und forderte, dass "diese Kriminellen schnell verschwinden müssten."

Für den Übergangspräsidenten Roberto Micheletti, der sich am Sonntag auf einer eigenen Pressekonferenz betont gelassen gab, ist die missglückte Rückkehr Zelayas nach Honduras ein Teilerfolg im bizarren Machtkampf mit seinem Vorgänger. Nachdem am Vortag die einflussreiche katholische Kirche die Entmachtung Zelayas durch den Nationalkongress als verfassungskonform billigte, zeigte sich am Sonntag, dass die von der internationalen Staatengemeinschaft nicht anerkannte Regierung offenbar die Armee und Sicherheitskräfte auf ihrer Seite weiß.

Zudem zeigten sich einige Zelaya-Anhänger enttäuscht, dass trotz der Aufrufe Zelayas aus dem Exil vergleichsweise wenig Sympathisanten am Flughafen erschienen waren. Beobachter machten dafür aber auch die Angst vor möglichen gewalttätigen Ausschreitungen sowie Verhaftungen durch die Polizei verantwortlich.

insgesamt 977 Beiträge
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Seite 1
kevin i. 30.06.2009
1.
Zitat von sysopSorgenvoll blickt die Welt auf Honduras: Uno-Generalsekretär Ban fordert die Wiedereinsetzung von Präsident Zelaya, Washington erwägt einen Stopp der US-Hilfen. Soll die Uno in Honduras eingreifen?
Natuerlich sollte jemand in Honduras eingreifen. Wie kann man einen Militaerputsch dulden ?
tom gardner 30.06.2009
2.
Zitat von sysopSorgenvoll blickt die Welt auf Honduras: Uno-Generalsekretär Ban fordert die Wiedereinsetzung von Präsident Zelaya, Washington erwägt einen Stopp der US-Hilfen. Soll die Uno in Honduras eingreifen?
vielleicht koennte jemand von der uno mal bei der us army school of the americas (http://de.wikipedia.org/wiki/Western_Hemisphere_Institute_for_Security_Cooperation) in georgia anrufen. die haben bestimmt eine idee, wie man ihren ehemaligen absolventen und jetzigen chef-putschisten general romeo vasquez zur raeson bringt.
fx33 30.06.2009
3.
Am besten schickt man die Nato hin, die hat doch Erfahrung im Niederbomben. Außerdem wird die Freiheit Deutschlands auch in Mittelamerika verteidigt.
bicyclerepairmen 30.06.2009
4.
Zitat von fx33Am besten schickt man die Nato hin, die hat doch Erfahrung im Niederbomben. Außerdem wird die Freiheit Deutschlands auch in Mittelamerika verteidigt.
Wenn überhaupt wären es die "Bananen Deutschlands" die es dort zu verteidigen gilt. Aber das hat ja Jahrzehntelang ein amerikanische Unternehmen für uns recht erfolgreich dort durchgeführt.
fx33 30.06.2009
5.
Zitat von bicyclerepairmenWenn überhaupt wären es die "Bananen Deutschlands" die es dort zu verteidigen gilt. Aber das hat ja Jahrzehntelang ein amerikanische Unternehmen für uns recht erfolgreich dort durchgeführt.
Bananen sind Freiheit, wie uns die jüngere deutsche Geschichte unmißverständlich geleert hat. Am Hinukusch wachsen keine Bananen. Wird dort das "Heroin Deutschlands" verteidigt?
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