Trauer um Hugo Chávez "Gott, nimm mein Leben, nicht das des Präsidenten"

In Venezuela wehen die Flaggen auf Halbmast, Zehntausende Anhänger beweinen den verstorbenen Präsidenten Chávez: "Ohne ihn sind wir nichts." Der Leichnam wird öffentlich aufgebahrt.

AP/dpa

Caracas - Für seine Anhänger war Venezuelas umstrittener Präsident Hugo Chávez mehr als ein Politiker, er galt ihnen als Heilsbringer. Am Dienstag ist er gestorben, am Mittwoch führte ein imposanter Trauerzug durch die Haupstadt Caracas. Zehntausende Chávez-Anhänger säumten die Straßen, um sich von ihrem Idol zu verabschieden - viele mit Tränen in den Augen.

"Mein Herz ist gebrochen, so als ob mein Vater oder mein Sohn gestorben wären", sagte eine Frau. Viele Chávez-Anhänger hielten Plakate mit dem Konterfei des 58-Jährigen in die Höhe. Auf ihnen stand der Schlachtruf "Vorwärts Comandante", "Wir sind alle Chávez" und "Der Kampf geht weiter!". Viele Menschen weinten, sangen die Nationalhymne oder und schwenkten venezolanische Flaggen.

Der mit Fahnen geschmückte Sarg von Chávez wurde vom Krankenhaus, in dem er am Dienstag starb, zur Militärakademie gebracht, wo er aufgebahrt wurde. An der Prozession nahmen auch Vizepräsident Nicolás Maduro und Boliviens Präsident Evo Morales teil.

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Hugo Chávez: Lateinamerikas letzter Revolutionär
Auch in anderen Städten versammelten sich die Anhänger des verstorbenen Politikers. In seinem Geburtsort Sabaneta im Nordwesten des Landes klagte eine ältere Frau laut CNN: "Gott, nimm mein Leben, aber nicht das des Präsidenten." Chávez sei der einzige Präsident, der den Menschen geholfen habe: "Ohne ihn sind wir nichts."

Am Freitag ist ein großes Staatsbegräbnis mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs geplant - unter anderem mit dem iranischen Staatschef Mahmud Ahmadinedschad und Weißrusslands Präsidenten Alexander Lukaschenko. Viele würdigten den Venezolaner bereits in Kondolenzschreiben.

Sieben Tage Staatstrauer hat die Regierung angeordnet, um dem Mann die letzte Ehre zu erweisen, der den lateinamerikanischen Staat seit seinem Amtsantritt 1999 mit dem "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" grundlegend verändern wollte. Chávez hinterließ dabei ein gespaltenes Land: Bei der ärmeren Bevölkerung kam seine Umverteilungspolitik an, Kritiker warfen ihm autokratische Züge und eine verfehlte Wirtschaftspolitik vor.

Nach dem Tod des Staatschefs werden Neuwahlen fällig, die binnen 30 Tagen ausgerufen werden müssen. Bis dahin übernimmt Vizepräsident Nicolás Maduro, den Chávez schon während seiner Klinikaufenthalte als Nachfolger auserkoren hatte, die Amtsgeschäfte. Im bevorstehenden Wahlkampf soll Maduro als Spitzenkandidat der Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV) ins Rennen gehen. Für die Opposition wird wohl Henrique Capriles einen neuen Anlauf unternehmen. Der Gouverneur von Miranda war Chávez bei der Wahl im Oktober 2012 unterlegen. Radonski sagte mit Blick auf Chávez: "Wir waren Gegner, nie Feinde."

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kgp/dpa/AFP

insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
hyronimus62 07.03.2013
1.
Also die hier aufgeführten Zitate würde ich alle unterschreiben
angst+money 07.03.2013
2.
Nur mit konsequenter Klientelpolitik bekommt man solche Fans. Als echter Demokrat wäre er wohl weniger beliebt gewesen - das aber bei mehr Menschen.
Sabi 07.03.2013
3. Lenin
Warum nicht à la Lenin einbalsamieren, für alle Ewigkeit und als Pilgerstätte ausbauen - denn die Hoffnung von Millionen Menschen hängt davon ab ?
Tomaire 07.03.2013
4. Totalitärer Sozialist
Aber das linke Auge wird bei sowas ja gern mal zugedrückt. Wie stand´s nochmal um die Wirtschaftsdaten dort?
Fackel 07.03.2013
5. es wurde auch
"getrauert" als Stalin tot war. In Nordkorea haben wir es vor kurzem auch gesehen. Ich denke es sind auch viele Freudentränen dabei und bei dem einen oder anderen auch Verzweiflung dass der Selbstbedienungsladen "Clique, Freunde und Familie Chavez" vielleicht auf immer zu ist.
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