Start der US-Vorwahlen Iowa und die sieben Zwerge

In der eisigen Einöde Iowas beginnt am 3. Januar der Vorwahlmarathon der US-Republikaner. Sieben Konservative bewerben sich um die Präsidentschaftskandidatur - keiner gilt als echter Favorit. Umso erbitterter ist ihr Kampf um Aufmerksamkeit.

AP

Von , New York


Der Rechtsanwalt Rick Santorum lebt in einer 500-Quadratmeter-Villa in Leesburg/Virginia, eine Autostunde nordwestlich von Washington. Trotzdem bereitet dem Republikaner und Ex-Kongressabgeordneten zurzeit nichts mehr Freude als die Fasanenjagd im fernen Iowa.

Behauptet er jedenfalls und quälte sich also zwischen den Jahren über die Winterfelder bei Des Moines, ausstaffiert mit heimischer Jagd-Couture: orangefarbener Signalponcho, Mütze der Waffenlobby NRA, Schrotflinte. Im Schlepptau hatte er seinen 20-jährigen Sohn John, dem er zu Weihnachten extra sein eigenes Gewehr geschenkt hatte, sowie den ortsansässigen Republikaner-Paten Steve King, dessen Segen er dergestalt zu erkaufen hoffte.

"Nur eins ist noch schöner, als einen Vogel abzuschießen", sprach Santorum, der im Vorwahlrennen der Republikaner in Iowa nach einer neuen Time-CNN-Umfrage derzeit auf dem dritten Platz liegt. "Zuzuschauen, wie dein Sohn einen Vogel abschießt." Der Kandidat selbst erlegte am Ende vier Fasane - "clean kills", wie er prahlte.

Den Segen Steve Kings bekam er freilich nicht: "Ich will erst", grantelte King nach dem Ausflug, "dass mein Kopf und mein Herz zueinander finden".

Um die Köpfe und Herzen der Einwohner von Iowa buhlt gerade schließlich nicht nur Santorum. Auch Mitt Romney, Newt Gingrich, Ron Paul, Rick Perry und Michele Bachmann tingeln seit Wochen fast unentwegt durch den Maisstaat, auf der Treibjagd nach Vorwahlstimmen und der Chance, im November gegen Präsident Barack Obama anzutreten. Nur der siebte Republikaner im Bunde, Jon Huntsman, erspart sich Iowa und konzentriert sich jetzt schon auf den nächsten Vorwahlstaat New Hampshire.

Der Countdown läuft

Am 3. Januar lädt Iowa zur traditionell ersten von insgesamt 50 US-Vorwahlen - Beginn des langen Marsches zur offiziellen Nominierung des Kandidaten auf dem Parteitag in Tampa, satte acht Monate später.

Also hetzen sie in ihren mit Slogans bemalten Luxusbussen ("Glaube, Jobs und Freiheit") über die Dörfer, um zu beweisen, dass sie die konservativsten Konservativen sind. Auch haben sie Abermillionen Dollar in TV-Spots versenkt, finanziert von sogenannten "außenstehenden" Interessengruppen, um sich gegenseitig niederzumachen, noch bevor es richtig losgeht.

Dennoch bleibt der Ausgang dieser ersten Etappe des Vorwahlmarathons wohl bis zur letzten Minute offen. Denn trotz massiver Kandidatenbeschallung haben sich viele Einwohner Iowas bisher nicht entscheiden wollen. Sie kokettieren mit ihrer angeblichen Rolle als Königsmacher:

  • Küren sie Romney, den Mormonen, den aktuellen Umfrage-Spitzenreiter, mit dem sich die christlich-konservativen Fußsoldaten nicht anfreunden mögen, der aber das meiste Geld und die beste Polit-Maschinerie hat?
  • Oder Paul, auf den zweiten Umfrageplatz abgesackt, mit seinen wirren Verschwörungsszenarien, dem allerdings der rassistische Sumpf zum Verhängnis werden könnte, der sich neuerdings am Rande seiner begeisterten Fangemeinde ausbreitet?
  • Oder Gingrich, den selbstgefälligen Intellektuellen, dessen kürzliches Umfragehoch inzwischen soweit abgeflaut ist, dass er nur noch auf dem vierten Platz liegt - dank Romneys erbarmungsloser Attacken und der eigenen, arg durchwachsenen Vergangenheit?
  • Oder doch einen der vier anderen, die zumindest in Iowa längst als abgehalftert gelten, sich aber doch Chancen ausrechnen?

Es ist ein bizarres Geplänkel: Alle starren auf Iowa, als sei es eine Art politischer Kaffeesatz, aus dem sich auf die nationale Befindlichkeit schließen lässt. Dabei sind die Ergebnisse keinesfalls vielsagend.

1980 gewann George Bush in Iowa, doch der Kandidat und spätere Präsident hieß Ronald Reagan. Und vor vier Jahren legte der Evangelikale Mike Huckabee in Iowa einen Überraschungssieg hin - nur um dann zwei Monate später geschlagen auszusteigen.

Klar ist nur die umgekehrte Regel: Wer in Iowa versagt, für den gibt es höchstwahrscheinlich auch anderswo wenig zu holen.

Dass es diesmal ein längeres Rennen werden könnte, liegt am System. Bei den Vorwahlen (je nach Staat "Primary" oder "Caucus" genannt) bestimmen die Landesparteien die Delegierten für die zentralen Wahlparteitage im Sommer. Der Kandidat, der bei den Vorwahlen die meisten Delegierten für sich verpflichten kann, wird auf dem Parteitag offiziell gekürt.

Erstmals berechnen die Republikaner die Delegierten in den meisten Staaten diesmal aber proportional: Sie werden je nach Ergebnis anteilig verteilt. Bisher konnte der republikanische Sieger in einem Staat automatisch alle Delegierten dieses Staates beanspruchen ("Winner-takes-all"-Prinzip), was für eine relativ schnelle Klärung gesorgt hatte.

Auch deshalb nehmen die Zweifel an Iowas historischer Vorreiterrolle zu. Der kleine Staat stellt nur 28 (1,2 Prozent) der insgesamt 2287 Parteitagsdelegierten, und diese werden am Caucus-Tag gar nicht mal bindend bestimmt - die tatsächliche Verteilung erfolgt erst bei einem Landesparteitag Mitte Juni.

Auch sonst ist Iowa alles andere als repräsentativ. Seine Bevölkerung ist älter als der US-Durchschnitt, dort leben zudem mehr Weiße. Ein ländlicher Agrarstaat - die Hauptstadt Des Moines hat knapp 200.000 Einwohner - der die Großstadtprobleme von New York, Chicago oder Los Angeles nicht kennt, also Armut, Rassenkonflikte, kaputte Infrastruktur.

Folglich interessieren diese Probleme die Wähler in Iowa wenig. Auch das Hauptwahlkampfthema für 2012 nicht, die Wirtschaftslage - die Rezession hat Iowa vergleichsweise unbeschadet gelassen.

Ähnliche Einwände gelten für die nächsten, frühen Vorwahlstaaten: New Hampshire (10. Januar), South Carolina (21. Januar), Florida (31. Januar). Erst später nimmt das Bild schärfere Konturen an - spätestens zum "Super Tuesday" am 6. März, wenn zehn Staaten auf einmal vorwählen, darunter Ohio und Massachusetts.

Schafft Romney den Polit-Spagat?

Am Ende wird alles sowieso nur auf eines hinauslaufen: Welcher Kandidat lässt sich der (konservativen, religiösen) Parteibasis am ehesten vermitteln - und hat doch zugleich die besten Aussichten in einem Kampf gegen Obama um die moderaten, weniger religiösen Wechselwähler, um die es im November geht?

Diese Rolle personifiziert Romney. In ihm sehen die Partei-Granden ihre einzige Chance, Obama zu schlagen - doch der Mormone ist der christlich-konservativen Basis nicht geheuer.

Also schlägt Romney härter zu als 2008, als er John McCain unterlag. Seine jetzigen TV-Spots - mit denen er sich vor allem auf Obama einschießt - strotzen vor Unwahrheiten und Verzerrungen. Trotzdem hat sich das "Des Moines Register", die einflussreichste Zeitung Iowas, für ihn ausgesprochen, und zwar ausgerechnet wegen seiner "Nüchternheit, Weisheit und Urteilskraft" - aber auch mangels wählbarer Alternativen.

Etwa Gingrich. Dessen vergangene Affären, sperrige Persönlichkeit und Überheblichkeit haben ihn aus Sicht vieler disqualifiziert. In Iowa punktete er zunächst mit vermeintlicher Sachkenntnis und zackigen Debattenauftritten, sackte dann aber zuletzt wieder ab.

Laut Umfragen liegt Paul in Iowa vorne

Einen ähnlichen Dämpfer muss nun auch Ron Paul fürchten, der in Iowa gerade vorne liegt. Sollte er tatsächlich gewinnen, hätte er zwar kaum Aussichten auf die Kandidatur im Herbst - könnte den anderen aber als Spielverderber und Stimmenfänger einen Strich durch die Rechnung machen.

Doch Pauls rasanter Aufstieg in Iowa dürfte im letzten Moment noch durch eine uralte Affäre gebremst werden, die die US-Medien neu ans Licht gezerrt haben: In den achtziger und neunziger Jahren kursierten unter seinem Namen Newsletter mit extremistischen, rassistischen und homophoben Inhalten.

Die "New York Times" enthüllte darüber hinaus jetzt, dass sich unter Pauls Wahlkampfhelfern auch Rechtsradikale befinden, etwa extreme Militia-Gruppen und die Neonazi-Vereinigung Stormfront ("Sturmfront"). Diese fühlen sich vor allem von Pauls Verschwörungstheorien gegen Washington und die Notenbank angezogen.

Noch reagiert Paul nonchalant. Wenn diese fragwürdigen Organisationen ihn unterstützten, na gut: Das heiße ja noch lange nicht, dass er selbst seinerseits "das unterstützt, was sie behaupten", sagte er der "New York Times".

In jüngsten Iowa-Umfragen hält sich Paul weiter oben. Vielleicht sollte er aber zur Sicherheit auch noch ein paar Fasane jagen.



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Seite 1
FallVomGlaubenAb 29.12.2011
1.
Zitat von sysopIn der eisigen Einöde Iowas beginnt am 3. Januar der Vorwahlmarathon der US-Republikaner. Sieben Konservative bewerben sich um die Präsidentschaftskandidatur - keiner gilt als echter Favorit. Umso erbitterter ist ihr Kampf um Aufmerksamkeit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806182,00.html
Ron Paul steht in den Umfragen immer noch auf Platz 1. Sehr schön zu sehen wie selbst der Spiegel in der Schmierenkampagne mitmacht. Freue mich schon auf einen herrlichen Sieg Pauls, der in den Usa einige Anhänger hat.
cosmo72 29.12.2011
2. Der Autor
Zitat von sysopIn der eisigen Einöde Iowas beginnt am 3. Januar der Vorwahlmarathon der US-Republikaner. Sieben Konservative bewerben sich um die Präsidentschaftskandidatur - keiner gilt als echter Favorit. Umso erbitterter ist ihr Kampf um Aufmerksamkeit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806182,00.html
Der Autor outet sich als ahnungsloses Sprachröhrchen der Transatlantiker und Bilderberger mit dem, was er über Ron Paul an lange widerlegten Unrichtigkeiten verbreitet. Ron Paul ist gegen Krieg aus Kommerz, was hier wohl mit Verschwörungstheorien seitens Paul beschrieben oder hergegaukelt werden soll ist die offizielle Lehre der CIA zum Blowback: http://www.youtube.com/watch?v=g1SYWi2GYWI Aber gut was macht man nicht für ein paar Kröten ... Journalismus beim Spiegel ist selten geworden - und Herr Pitzke gehört da nicht zum Kreis der Liefernden. http://www.youtube.com/watch?v=FvWrTA3KvUQ
Medianet 29.12.2011
3. Armes land
Zitat von sysopIn der eisigen Einöde Iowas beginnt am 3. Januar der Vorwahlmarathon der US-Republikaner. Sieben Konservative bewerben sich um die Präsidentschaftskandidatur - keiner gilt als echter Favorit. Umso erbitterter ist ihr Kampf um Aufmerksamkeit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806182,00.html
Die republikanischen Politiker der USA outen sich mehr und mehr als ein völlig irre Bande machtgeiler Typen, die mit teilweise völlig durchgeknallten Ansichten und pseudoreligiöser Verblendung beim Wähler punkten wollen. Viel erschreckender als diese "geistige Elite" sind jedoch die Massen von Wählern, die darauf einsteigen. Die wiedergeborenen, erzkonservativen Spinner im Westen und die islamistischen Fanatiker im Süden und Osten...armes Europa
feathersmcgraw 29.12.2011
4. Begriffsprobleme
Zitat von cosmo72Der Autor outet sich als ahnungsloses Sprachröhrchen der Transatlantiker und Bilderberger mit dem, was er über Ron Paul an lange widerlegten Unrichtigkeiten verbreitet. Ron Paul ist gegen Krieg aus Kommerz, was hier wohl mit Verschwörungstheorien seitens Paul beschrieben oder hergegaukelt werden soll ist die offizielle Lehre der CIA zum Blowback: http://www.youtube.com/watch?v=g1SYWi2GYWI Aber gut was macht man nicht für ein paar Kröten ... Journalismus beim Spiegel ist selten geworden - und Herr Pitzke gehört da nicht zum Kreis der Liefernden. http://www.youtube.com/watch?v=FvWrTA3KvUQ
Aus einem Newsletter zu zitieren den der Herr Paul laut eigenen Angaben selbst geschrieben hat und der rassistisch ist stellt noch keine Schmierenkampagne da. Die anderen Kandidaten haben so eine strenge Beobachtung durch die Medien halt schon hinter sich. Die hiesigen Freunde des Herrn Paul (das wundert mich auch schon dass es die gibt) beklagen sich jetzt genau wie die in den USA: Erst wurde er ignoriert, und jetzt sind alle so unfaaaair. Das lustige an Ron Paul ist dass er an einigen Stellen total sinnvolle Sachen sagt, und anderswo rassistisch/schwulenfeindlich/irrsinnig ist. Er ist der Kandidat mit den besten Ideen zur Aussenpolitik (woran eine republikanische Kandidatur auch scheitern wird) aber seine Ideen zum Markt sind teilweise einfach nur haarsträubend. Und mit seinen komischen Verschwörungstheorien und rassistischen Ideen zieht er eben auch Nazis und sonstige Freaks an.
mmnrw 29.12.2011
5. Frontrunner Ron Paul
Zitat von sysopIn der eisigen Einöde Iowas beginnt am 3. Januar der Vorwahlmarathon der US-Republikaner. Sieben Konservative bewerben sich um die Präsidentschaftskandidatur - keiner gilt als echter Favorit. Umso erbitterter ist ihr Kampf um Aufmerksamkeit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806182,00.html
Es war ja einfach klar, dass die "newsletter" wieder hervorgeholt werden...Heute gab es dazu bei weltonline einen geradezu unfassbar polemischen Artikel. Na, ja. Ist schon höchst seltsam, dass genau diese Vorwürfe schon 2008 (auch Unterstützung durch "Militias") umfassend beleuchtet wurden und Dr. Paul trotzdem ohne wütenden "Rassisten"-Aufschrei der Presse weitere zweimal in den Kongress gewählt wurde, zum Vorsitzenden eines Unterausschusses (zuständig für die FED) des Kongresses berufen wurde, Bücher auf Platz 1 der US-Bestsellerliste hatte, immer mehr begeisterte und heterogene Anhänger gewonnen hat etc. Aber nun da der Sieg in Iowa bevorsteht, muss nun wieder die "Rassisten-Keule" kommen. Zudem ist es auch wieder bezeichnend, dass SPON nunmehr suggerieren will, Dr. Paul sei bei CNN auf Platz 2 "gerutscht". In der letzten Iowa Umfrage von CNN war Ron Paul auch schon auf Platz 2, hat sich nunmehr aber noch gesteigert. In sämtlichen anderen Umfragen liegt er vorn. Auch wenn es SPON nicht gefällt. Wenn Dr. Paul Iowa gewinnt wird dann die Schmierenkampagne erst richtig losgehen. Natürlich gleichzeitig mit der Betonung, dass dieser Sieg rein gar nichts bedeutet. Die von Newt Gingrich zuletzt bei CNN geäußerte Einstellung er würde Ron Paul im Falle seiner Nominierung (natürlich mit dem Zusatz "It Won't happen") nicht unterstützen und kein anständiger Amerikaner könne letztlich für Dr. Paul stimmen, wird den guten alten Newt zum Glück in den Umfragen demnächst noch viel weiter runterziehen.
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