Stichwahl in Frankreich Showdown für Superstar Ségolène

Rap-Stars, Prominente und Zehntausende Fans haben Frankreichs sozialistische Spitzenkandidatin Royal mit einer Jubel-Party gefeiert. Heute Abend wird es ernst: Sie trifft den konservativen Kontrahenten Sarkozy zum Fernsehduell - noch ist die Stichwahl am Sonntag nicht entschieden.

Von , Paris


Die Schlussfeier des konservativen Kandidaten Nicolas Sarkozy fand im Saal statt. Sozialistin Ségolène Royal lud ins Stadium von Charléty am Südrand von Paris - und es kamen Zehntausende. 40.000 Fans auf den Rängen und im Oval der Arena und laut Veranstalter 20.000 Ségo-Fans auf dem Boulevard davor. Unter ihnen: Jugendliche aus den Vorstädten der Metropole, Jungsozialisten in ihren roten T-Shirts, ergraute Genossen mit dem Aufkleber, der die eigentliche Botschaft des Abends zusammenfasste: "Stoppt Sarko".

Während der Kandidat der konservativen UMP am 1. Mai, dem Kampftag der Arbeiterklasse, durch die Bretagne tourte, um seine Volksnähe unter Beweis zu stellen, demonstrierte das Volk am späten Abend in Charléty Nähe zur sozialistischen Spitzenkandidatin.

Die Fans wedelten mit den Wimpeln der Sozialisten, hielten Transparente hoch ("Ségolène Présidente") - und sahen auf einen Bühnenhintergrund aus einer gigantischen Trikolore. Dazu rhythmisches Klatschen und Beifall für die angesagtesten Bands von Frankreichs Rap-Szene: Jacques Delpèche mit seinen Hits, die Gruppe Têtes Raides mit elektrisierendem Polit-Pop, Grand Corps Malade mit seinen Stanzas und dem Bekenntnis: "Ich hoffe. Deswegen bin ich bei Euch, heute in Charléty."

Mutmachen für die Fernsehdebatte mit Sarkozy

Am Mittwochabend werden Sarkozy und Royal in einer Fernsehdebatte aufeinandertreffen. Ein Ereignis, das die Vorentscheidung für der Stichwahl am Sonntag bringen könnte, und so wurde die Sozialistin in Charléty noch einmal leidenschaftlich-liebevoll gefeiert. "Für uns ist sie es" - das war das Motto: Moralische Unterstützung für die Kandidatin, die vier Tage vor der Abstimmung laut Umfragen weiter zwei bis drei Prozentpunkte hinter Sarkozy zurückliegt.

Noch ist nichts entschieden. Jetzt kommt es auf jede Bewegung, jeden Satz an an. Nach dem ersten Wahlgang vom 22. April hatte Royal zunächst versucht, die politische Mitte des beim ersten Wahlgang ausgeschiedenen Zentristen Francois Bayrou hinter sich zu bringen. In Charléty versuchte sie als Wortführerin der gesamten Linken aufzutreten, für ein "Frankreich der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit".

Die Stimmen der Linken sind für Royals Sieg entscheidend. Denn die Gewerkschaften, die bei 250 Kundgebungen in ganz Frankreich den traditionellen "Kampftag der Arbeiterklasse" begingen, streiten über die Unterstützung für die Sozialistin. Die kommunistische CGT reihte sich in die Anti-Sarko-Front ein und bezieht klar Stellung. Doch die sozialdemokratisch orientierte CFDT und die unabhängige "Force Ouvrière" reklamieren für sich politische Neutralität.

"Herr Sarkozy ist nicht der General De Gaulle"

An ihre Adresse wandte sich Royal, als sie an die Geschichte der Arbeiterbewegung erinnerte: "Wir sind hier am 1.Mai nicht aus Zufall", sagte Royal. "Dieser Tag hat für alle Arbeiter weltweit eine Bedeutung beim Kampf Rechte und Würde." Ihre Botschaft an die Linken, die Globalisierungsgegner, die Grünen: "Das Leben ist wichtiger als das Kapital" - ein Zitat aus dem Wortschatz der Trotzkisten.

Ségolène Superstar: In weißer Jacke und roter Bluse bedankte sich die Kandidatin bei ihren Anhängern. "Für Euch und mit Euch habe ich gekämpft", sagte sie. "Ich habe gezaudert, aber dank eurer Unterstützung die Kraft wiedergefunden." Tausendfach schallte aus dem Publikum zurück: "Auf der Zielgraden zur Wahl am Sonntag!", und: "Wir werden siegen!"

Royal bekannte sich zu einer solidarischen Nation. "In dem Frankreich, das ich will, ist Platz für alle. Ich will nicht den Sieg einer Partei über die andere Partei - ich will den Sieg aller Franzosen, ich will Frankreich als Präsidentin."

"Manche versuchen ihre Bilanz zu schönen", sagte sie mit unverhohlenem Seitenhieb auf ihren Kontrahenten Sarkozy und warnte vor den sozialen Folgen, sollte er in den Élysee-Palast einziehen. "Ich will den sozialen Frieden für mein Land." Seine "Brutalität" könne den Bürgerfrieden gefährden.

Sie griff die Politik des Konservativen an: Ausgrenzend und diskriminierend sei sie. Mit mokantem Ton sprach sie über den historischen Anspruch ihres Konkurrenten: "Herr Sarkozy ist nicht der General De Gaulle."

Ihr Schlussappell brachte die leicht gelichteten Rängen noch mal auf die Beine: "Wollt ihr ein Frankreich der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit?", fragte Royal und forderte: "Enttäuschen wir die Welt nicht! Habt den Wagemut, damit eine Frau an die Spitze Frankreichs stehen wird!"



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