Stichwort Uran-Munition


Hamburg - Im Kosovokrieg 1999 haben A-10-Kampfflugzeuge der USA etwa 31.000 Granaten mit abgereichertem Uran abgefeuert. Vorteil aus der Sicht der Militärs: Die harten Geschosse können mühelos auch dicksten Panzerstahl durchschlagen. Kritiker vertreten seit langem die Auffassung, Reste der Uran-238-Ummantelung seien Zeitbomben, die die Gesundheit vieler Menschen bedrohten.

Abgereichertes Uran ("depleted uranium", DU) ist ein Abfallprodukt aus der Urananreicherung von Brennelementen für Kraftwerke. Es ist bedeutend weniger radioaktiv als Natururan. DU-Waffen zertrümmern wegen ihrer hohen Dichte (bis zu drei Mal schwerer als Stahl) nicht nur gepanzerte Fahrzeuge, sie sind auch verhältnismäßig billig. Die Munition gibt es in Kalibern verschiedener Größe, wobei die großen von Panzern oder Flugzeugen, die kleinsten aus Gewehren abgefeuert werden.

Die Wirkung von abgereichertem Uran auf den menschlichen Organismus wird unterschiedlich bewertet. So verweisen etwa Militärs darauf, dass die Alpha-Strahlung von Uran 238 nur auf kurze Distanz wirke und gar nicht von außen durch die Haut eindringen könne. Kritiker warnen, dass die Urangeschosse beim Aufprall Feinstaub freisetzen, der über die Atemwege in den Körper gelangen könne und Krebs erregend sei. Auch könnten kleinste Partikel durch Wunden in den Körper gelangen und ihn durch ihre giftigen ebenso wie durch ihre radioaktiven Eigenschaften schädigen. Damit wären beispielsweise Soldaten gefährdet, die ohne Schutzmaßnahmen die mit Uran-Munition abgeschossenen Panzer untersuchen und bergen. Al erste Symptome gelten Nierenschäden, da Uran über den Urin ausgeschieden wird

Mit der Entwicklung von Uranmunition haben die USA bereits in den siebziger Jahren begonnen. Auch die anderen Siegermächte des Zweiten Weltkrieges und eine Reihe weiterer Staaten verfügen darüber. Initiativen zu einem Verbot von DU-Waffen waren bislang erfolglos.



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