Ermittlungen in Stockholm Festgenommener steuerte offenbar Lastwagen bei Anschlag

Vier Tote, 15 Verletzte: Schwedens Hauptstadt steht nach dem Lkw-Anschlag unter Schock. Bei dem festgenommenen Verdächtigen handelt es sich laut Behörden "wahrscheinlich" um den Fahrer des Lastwagens.


Der schnelle Überblick

Der nach dem Lkw-Attentat in Stockholm festgenommen Mann steht nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter "größtmöglichem" Terror- und Mordverdacht. Ein Polizeisprecher sagte, es handele sich "wahrscheinlich" um den Fahrer des Lastwagens. "Wir können nicht ausschließen, dass weitere Personen festgenommen werden", sagte der Sprecher weiter. Für die Allgemeinheit bestehe aber keine Gefahr.

Am Freitagnachmittag war ein Lkw in einer großen Einkaufsstraße in der Stockholmer Innenstadt erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gerast. Dabei wurden vier Menschen getötet und 15 verletzt, neun von ihnen schwer.

Meldungen über zweiten Verdächtigen

Dem TV-Sender SVT zufolge wurde zudem ein zweiter Mann verhaftet. Er solle eine Verbindung zu dem zuvor verhafteten Verdächtigen haben, berichtete der Sender unter Berufung auf Polizeikreise. Die schwedische Polizei bestätigte die Festnahme nicht - es handele sich um ein Gerücht -, schloss gleichzeitig weitere Festnahmen nicht aus.

Ein schwedischer Fernsehsender meldete zudem, dass in dem Lkw Sprengstoff gefunden worden sei. Die Polizei will sich gegen Mittag in einer Pressekonferenz zu weiteren Details äußern.

Schwedische Medien spekulieren über Täterdetails

Bis Dienstagmittag haben die Ermittler nun Zeit, den Verdächtigen zu verhören, erklärte die Staatsanwaltschaft. Dann muss die Anklage spätestens entscheiden, ob er einem Richter vorgeführt werden soll. Dieser entscheidet, ob der Verdächtige in Haft kommen soll.

Nach Informationen mehrerer schwedischer Medien soll der mutmaßliche Attentäter aus Usbekistan stammen und ein Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sein.

Den Terrorverdächtigen hatte die Polizei am Freitagabend zunächst festgesetzt und am Samstag dann in Gewahrsam genommen. Sie sprach zunächst von einer Person, die Verbindungen zu dem Fall haben könne. Der Verdächtige stimme mit Beschreibungen einer Person überein, die sich in der Nähe des Tatorts aufgehalten haben soll. Betätigte Details zur Identität des Festgenommenen gibt es bisher nicht.

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Stockholm: Tote und Verletzte in der Innenstadt

Der Lastwagen war in der Nacht zu Samstag abgeschleppt worden und soll nun kriminaltechnisch untersucht werden. Der Tatort und die Umgebung blieben bis auf Weiteres abgesperrt.

Nachdem der U-Bahn- und Zugverkehr in Stockholm stundenlang stillgestanden hatte, rollten am frühen Morgen wieder Züge aus den Bahnhöfen. Die Polizei forderte dennoch die Bevölkerung auf, die Innenstadt zu meiden. Sie schloss nicht aus, dass weitere Personen in die Tat verwickelt sind.

Schärfere Grenzkontrollen

Die schwedischen Behörden sind weiter in Alarmbereitschaft. Zehn Tage lang sollen alle Ausreisenden an den Grenzen kontrolliert werden, sagte Ministerpräsident Stefan Löfven.

Innenminister Anders Ygeman sagte dem schwedischen Rundfunk, die Kontrollen könnten um weitere 20 Tage verlängert werden. "Das ist natürlich wichtig, um einen Täter oder eventuelle Helfer daran zu hindern, das Land zu verlassen und sich einer Festnahme der Polizei zu entziehen."

Die Einkaufsstraße Drottninggatan war bereits im Dezember 2010 Ort eines Anschlags gewesen. Damals explodierte dort ein Auto, während sich fast zur gleichen Zeit an einer anderen Straße im Zentrum Stockholms ein 28-jähriger Schwede irakischer Abstammung in die Luft sprengte. Zwei Passanten wurden leicht verletzt. Auch der Mord an dem damaligen schwedischen Regierungschef Olof Palme 1986 hatte sich ganz in der Nähe abgespielt.

"Heute ist ein Tag der Trauer", sagte Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven. Jetzt müssten er und seine Landsleute versuchen, ihre Wut in etwas Konstruktives zu verwandeln. "Wir sind eine offene, demokratische Gesellschaft, und das werden wir auch bleiben."

Stefan Löfven
AP/TT News Agency

Stefan Löfven

Zuvor hatte das schwedische Kronprinzenpaar einen Platz in der Nähe der zentralen Einkaufsstraße besucht, in der ein Lastwagen am Freitag in eine Menschenmenge gerast war und vier Menschen getötet hatte. Ein Mann, den die Polizei nach der Tat festgenommen hatte, steht unter Terrorverdacht.

mho/dpa/AFP/Reuters



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