Strahlende Lobby Duma genehmigt Atommüll-Import

Umweltschützer befürchten, dass Russland damit zur Atommüllkippe verkommt: Die Duma hat nach monatelangem Streit der Einfuhr von abgebrannten Nuklearbrennstäben aus dem Ausland zugestimmt.


AP

Moskau - In der abschließenden dritten Lesung votierten 243 Duma-Abgeordnete für die Einfuhr, 125 Parlamentarier stimmten mit Nein, meldete die Agentur Itar-Tass am Mittwoch. Die Gesetzesänderung muss nun noch vom Föderationsrat und Präsident Wladimir Putin bestätigt werden. Der Vorsitzende des Föderationsrates, Jegor Strojew, kündigte eine genaue Prüfung an. "Die Einfuhr von Nuklearabfällen ist in Wirklichkeit ein ernsthaftes Problem", sagte er.

Umweltschützer machen Front

Die Atomlobby hatte das Projekt zur Aufarbeitung von Brennstäben als Milliardengeschäft für die russische Wirtschaft angepriesen. Atomgegner befürchten dagegen, dass Russland in Zukunft zu einem gefährlichen Dauerlager für Atommüll aus der ganzen Welt wird. Sie zweifeln die Regierungsangaben an, die Einnahmen für den Umweltschutz zu verwenden. Zudem verweisen sie auf Risiken wegen der laxen Sicherheitsbestimmungen und der schlechten Verkehrswege. Außerdem sei Russland bislang nicht in der Lage, Brennstäbe aus ausländischer Produktion aufzuarbeiten.

Die Ungewissheit über Gefahren und Nutzen durch Nuklear-Einfuhren hatte eine für russische Verhältnisse ungewöhnlich intensive Diskussion in der Öffentlichkeit ausgelöst. Atomminister Alexander Rumjanzew hatte vor der Abstimmung im Parlament versichert, sein Ministerium werde bei der Aufarbeitung alle Umweltvorgaben einhalten.

Keine End- aber Zwischenlagerung

Bislang hatte das russische Umweltschutzgesetz die Einfuhr von radioaktivem Material mit Ausnahme von Brennstäben aus Atomkraftwerken sowjetischer Bauart verboten. Das geänderte Gesetz untersagt zwar weiterhin die Endlagerung von Atommüll aus dem Ausland, die Brennstäbe könnten aber über längere Zeit bis zu ihrer Aufarbeitung zwischengelagert werden. Atomgegner sehen darin eine billige Lösung für westliche Staaten, ihren Atommüll auf Dauer loszuwerden.

Derzeit gibt es nach Expertenangaben weltweit nur drei Anlagen zur Wiederaufbereitung, in Sellafield (Großbritannien), in La Hague (Frankreich) und Majak (Russland). Bei unsachgemäßer Lagerung von verseuchtem Material soll es in der Anlage Majak in Tscheljabinsk in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach zu schweren Unfällen gekommen sein.



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