Mutmaßlicher Schütze von Straßburg Chérif C. war bereits in drei Ländern inhaftiert

Der mutmaßliche Angreifer von Straßburg ist Behörden wohlbekannt - als Intensivtäter. Nach SPIEGEL-Informationen wurde er mehrfach wegen Einbrüchen in Deutschland, der Schweiz und Frankreich inhaftiert.

Grenzkontrolle in Deutschland: Chérif C. war bereits in drei Ländern inhaftiert.
AFP

Grenzkontrolle in Deutschland: Chérif C. war bereits in drei Ländern inhaftiert.


Der Verdächtige aus Straßburg hat bereits etliche Jahre in Gefängnissen in Deutschland, der Schweiz und Frankreich verbracht. Am Dienstag tötete er mutmaßlich in der Innenstadt von Straßburg mehrere Menschen. Seitdem ist Chérif C. auf der Flucht. Ein Motiv ist bislang nicht bekannt.

2008 wurde er in Frankreich wegen mehrerer Einbruchsdiebstähle zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Im Jahr 2013 bekam er in Basel erneut wegen mehrerer Einbruchsdiebstähle ein Jahr und sechs Monate, die er fast vollständig absaß.

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Frankreich: Tödliche Schüsse in Straßburg

Das Amtsgericht Singen schickte C. schließlich Mitte 2016 für zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis, weil er in eine Zahnarztpraxis in Mainz und eine Apotheke in Engen im Süden Baden-Württembergs eingebrochen war. Dabei soll er Geld, Briefmarken und Zahngold in Höhe von rund 8500 Euro erbeutet haben. Alle Taten hatte er zugegeben.

2017 nach verbüßter Haft aus Deutschland abgeschoben

Nach SPIEGEL-Informationen wurde Cherif C. am 27. Februar 2017 nach Frankreich abgeschoben. Die zuständige Ausländerbehörde bescheinigte ihm damals eine "hohe kriminelle Energie" und eine "von rücksichtslosem Profitstreben geprägte Persönlichkeitsstruktur", wie es in einem Schriftstück heißt. Zugleich wurde C. die Wiedereinreise nach Deutschland für die Dauer von zehn Jahren verboten.

Im August 2018 schrieben ihn die französischen Sicherheitsbehörden dann international zur Fahndung aus, wie aus internen Unterlagen der Polizei hervorgeht. Demnach hätte C. kontrolliert werden sollen, wenn er in Deutschland angetroffen worden wäre.

C. ist in Frankreich als Gefährder eingestuft. Laurent Nunez, Staatssekretär im Innenministerium, sprach bei einer Pressekonferenz davon, dass während C.s Zeit im Gefängnis "eine Radikalisierung in seiner religiösen Praxis festgestellt" wurde. Deshalb sei er überwacht worden.

Nach SPIEGEL-Informationen fiel C. bislang in Deutschland nur als Einbrecher auf, er war den Sicherheitsbehörden jedoch nicht als Islamist bekannt. Bezüge in die hiesige salafistische Szene scheint er nach bisherigen Erkenntnissen deutscher Stellen nicht gehabt zu haben.

C. wurde 1989 in Straßburg geboren. Dort wuchs er den Erkenntnissen des Amtsgerichts Singen zufolge mit sechs Geschwistern auf und ging - bis er 16 war - zur Schule. Eine Ausbildung absolvierte er nicht. Nach dem Hauptschulabschluss war er demnach zunächst bei der Gemeinde beschäftigt. Seit 2011 ist er arbeitslos.

Am Morgen der Tat sollen Polizeikräfte auf der Suche nach C. gewesen sein, berichtet die französische Zeitung "Le Monde". Sie wollten ihn wegen eines Einbruchs in seiner Wohnung festnehmen, trafen ihn dort aber nicht an.

jdl/wow/mfh/cht



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