Straßburg nach dem Anschlag "Vereint gegen die Barbarei"

Nach dem Anschlag am Straßburger Weihnachtsmarkt bleiben Buden und Geschäfte geschlossen. Bewohner errichten Orte des Gedenkens. Eindrücke aus einer Stadt in Trauer.
Kerzen nahe dem Straßburger Weihnachtsmarkt

Kerzen nahe dem Straßburger Weihnachtsmarkt

Foto: Sebastian Gollnow/ dpa

Straßburg ist eine stille Stadt geworden, jedenfalls im Zentrum. Um den Kern der elsässischen Großstadt sind die Autobahnen und Schnellstraßen verstopft. Auch am Tag nach dem Anschlag mit drei Toten und zwölf Verletzten zucken hier immer wieder Blaulichter von Polizei-Mannschaftswagen; sie werden in Kolonnen von einem Einsatzort zum nächsten verschoben.

Auch auf den Straßen nach Deutschland staut sich der Verkehr kilometerweit vom Grenzort Kehl über die Rheinbrücke zurück - der Verdächtige ist weiter auf der Flucht, die französische Polizei fahndet inzwischen öffentlich nach Chérif Chekatt. Auch die Bundespolizei sucht den 29-Jährigen im Grenzgebiet. Die Beamten kontrollieren jedes Auto und jeden Zug an der Grenze, zeitweise wirken sich die Verspätungen bei der Bahn am Mittwoch bis nach Mannheim aus. "Aufgrund einer polizeilichen Ermittlung", lautet am Nachmittag die Durchsage am Mannheimer Bahnhof.

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In der Straßburger Altstadt ist die Trauer dagegen überall sichtbar und fühlbar. Und die Verunsicherung: Auf der Brücke, die vom Hauptbahnhof ins Zentrum führt, stehen drei Männer und eine Frau in neongrünen Warnwesten. Sie bitten höflich, einen Blick in Rucksäcke und Taschen werfen zu dürfen.

Zwar gab es auch schon vor dem Anschlag routinemäßige Kontrollen, die Sicherheitsvorkehrungen gegen Anschläge auf Feste und Weihnachtsmärkte sind in Frankreich deutlich weitreichender als in Deutschland. Aber nun schauen die Kontrolleure offenbar noch ein bisschen genauer nach. "Bitte auch die Jacke öffnen", sagt einer von ihnen. Keiner der Passanten murrt.

In den Straßen und Gassen der Altstadt sind am Mittwoch viele Geschäfte geschlossen, die braunen Holzbuden des Weihnachtsmarkts sowieso. Auf der Place Kléber bleibt der große geschmückte Weihnachtsbaum unbeleuchtet, stattdessen brennen unter ihm Kerzen und Teelichter. Eine Gruppe von Straßenkehrern in orangefarbener Arbeitskleidung hat sich hier aufgestellt, alle schweigen mit gesenkten Köpfen. "Wir treffen uns hier, um der Opfer zu gedenken", sagt einer von ihnen. "Es ist schrecklich, dass das hier in dieser Stadt passiert."

Ein paar Meter entfernt, am Denkmal des General Kléber, haben Bürger eine weitere improvisierte Gedenkstätte eingerichtet. Auch hier brennen Kerzen, Blumen wurden abgelegt und Papiere mit Aufrufen, das Geschehene nicht einfach hinzunehmen: "Alle vereint gegen die Barbarei", hat jemand geschrieben. "Für die unschuldigen Opfer des menschlichen Irrsinns vom 11. Dezember" ein anderer.

"Es hat natürlich mit den vielen Fremden und Flüchtlingen zu tun", sagt ein grauhaariger Straßburger. Aber heute sei nicht der Tag, darüber zu richten: "Heute trauern wir." Überall in der Altstadt stehen oder patrouillieren Polizisten in blauen Uniformen und schweren Schutzwesten, viele von ihnen tragen Maschinenpistolen.

Vor den bodentiefen Schaufenstern eines Kosmetiksalons, nicht weit vom Straßburger Münster entfernt, liegen wieder Blumen, Kerzen brennen. "Hier hat es eines der Opfer erwischt", sagt eine junge Frau, die sich mit anderen Passanten einige Meter entfernt von dem Laden aufgestellt hat. Sie schaut erst auf die Schaufensterwerbung, in lachende Gesichter mit bunten Farben für Make-up. Dann zeigt sie nach unten auf das Pflaster, auf dem rote Blutflecken zu sehen sind.

"Es ist so sinnlos", sagt sie.

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