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29. September 2012, 22:58 Uhr

Proteste in Bahrain

Tod eines 17-Jährigen löst Straßenschlachten aus

In Bahrain drohen sich die Spannungen zu verschärfen: Demonstranten und Polizisten lieferten sich heftige Straßenschlachten. Auslöser war der Tod eines 17-Jährigen, der bei einer Protestkundgebung von Sicherheitskräften erschossen worden war.

Manama - Der Tod des 17-jährigen Ali Hassan Namah bei einer Demonstration im Golfkönigreich Bahrain hat erneut zu Zusammenstößen zwischen Oppositionellen und Polizisten geführt. Tausende Menschen hatten zuvor an dem Trauermarsch für den Jugendlichen teilgenommen. Er war am Freitag bei einer nächtlichen Protestkundgebung von der Polizei erschossen worden.

Die Demonstranten skandierten Anti-Regierungs-Parolen und schwenkten bahrainische Flaggen. Anschließend lösten sich mehrere hundert Menschen von der Gruppe und schleuderten Steine auf die Polizisten, die mit Tränengas und Blendgranaten gegen die Menge vorgingen.

In mehreren Dörfern riefen Anhänger der mehrheitlich schiitischen Opposition Slogans gegen die Regierung und den sunnitischen König Hamad bin Issa al-Chalifa. Die schiitische Wefak-Gesellschaft gab den Behörden die Schuld daran, dass der Junge "in Polizeigewahrsam verblutet ist".

Ali Hassan Namah war bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften in der Ortschaft Sadad, südwestlich der Hauptstadt Manama, getötet worden. Ein Demonstrant berichtete der Nachrichtenagentur dpa von dem Vorfall: "Es war ein friedlicher Protestmarsch, er ging vorneweg, sobald wir die Hauptstraße erreichten, eröffnete ein Polizist aus der Deckung heraus das Feuer". Nach Angaben des schiitischen Parteienbündnisses Al Wefak wurde er durch Vogelschrot getötet, mit dem die Polizei in Bahrain häufig gegen Demonstranten vorgeht.

Das Innenministerium bestätigte ein Todesopfer, sprach allerdings von einem Terroranschlag. Die staatliche Nachrichtenagentur BNA meldete am Samstag unter Berufung auf die Polizei, bei dem Getöteten handele es sich um einen "Terroristen", der Freitagnacht in dem Dorf Sadad gemeinsam mit einer großen Gruppe von Menschen eine Polizeipatrouille mit Brandbomben und Eisenstangen angegriffen habe.

Der Tod des Jugendlichen könnte die Spannungen in Bahrain noch weiter verschärfen. In dem Land kommt es seit fast 20 Monaten immer wieder zu Protesten der schiitischen Mehrheit gegen das sunnitische Königshaus. 114 Menschen kamen nach Angaben der Opposition seit dem Beginn der Proteste im Februar 2011 ums Leben.

lgr/dpa/dapd

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