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19. Oktober 2019, 06:09 Uhr

Brände, Tränengas, Wasserwerfer

Straßenschlachten in Barcelona - 60 Verletzte

"Die Straßen werden immer unsere sein!" - mit solchen Schlachtrufen stellten sich Demonstranten in Barcelona gegen die Polizei. Es war die fünfte Protestnacht in Folge, in der Stadt gab es chaotische Szenen.

Katalonien - und vor allem die Metropole Barcelona - kommen nicht zur Ruhe. Bei Protesten katalanischer Unabhängigkeitsbefürworter ist die Gewalt am Freitagabend erneut eskaliert. Radikale Separatisten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Die Rettungskräfte meldeten 60 Verletzte.

Am Freitagnachmittag hatten sich zunächst mehr als eine halbe Million Menschen zu einer Großkundgebung in Barcelona versammelt. Zuvor hatte ein Generalstreik das öffentliche Leben lahmgelegt. Die meisten Teilnehmer protestierten friedlich gegen das Urteil des Obersten Gerichtshofs in Spanien vom Montag, in dem prominente katalanische Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft zu bis zu 13 Jahren Haft wegen "Aufruhr" verurteilt worden waren.

Am Abend verschärfte sich dann die Lage: Demonstranten, die Barrikaden errichtet hatten, warfen Steine und Feuerwerkskörper auf Polizisten. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Im Stadtzentrum gab es chaotische Szenen.

Nahe der Polizeizentrale Barcelonas entzündeten junge Demonstranten ein riesiges Feuer. Brände gab es auch nahe der Plaza de Catalunya am Ende der Touristenmeile Las Ramblas, wo sich Hunderte Demonstranten der Polizei entgegenstellten. Diese versuchte, die Demonstranten mit Wasserwerfern auseinanderzutreiben. "Antifaschistisches Katalonien", riefen die meist vermummten Demonstranten. "Die Straßen werden immer unsere sein!" Die Regionalpolizei warnte Menschen auf Englisch bei Twitter, sich vom Stadtzentrum fernzuhalten.

Die berühmte Kathedrale musste geschlossen werden

Nach Angaben der Rettungskräfte wurden seit Beginn der Proteste am Montag rund 500 Menschen verletzt, davon 60 am Freitag in Barcelona. Laut Innenministerium gab es seit Montag 128 Festnahmen. 207 Polizisten seien noch vor der Eskalation der Gewalt am Freitag verletzt worden.

Bereits am Freitagmorgen hatten sich Tausende Menschen an einem Generalstreik beteiligt. Allein in Barcelona mussten 57 Flüge am Boden bleiben, die Oper sagte eine für den Abend geplante Vorstellung ab, die weltberühmte Gaudí-Kathedrale Sagrada Família wurde für Besucher geschlossen und auf dem bekannten Boquería-Markt in Barcelonas Altstadt waren nur wenige Verkaufsstände geöffnet. Auch ein Werk des Autobauers Seat mit mehr als 6500 Mitarbeitern in der Stadt Martorell blieb geschlossen.

Fußballspiel abgesagt, Autobahn stillgelegt

Am Freitagmorgen hatten Demonstranten nach Angaben des Verkehrsministeriums unter anderem die Autobahn AP7 bei La Jonquera in beiden Richtungen sowie die Nationalstraße N-II in der Nähe der Grenze zu Frankreich blockiert. Ein für den 26. Oktober in der katalanischen Hauptstadt geplantes Fußballspiel von Real Madrid und dem FC Barcelona wurde wegen erwarteter Demonstrationen verschoben.

Es war bereits der fünfte Protesttag in Folge nach dem Urteil von Spaniens Oberstem Gerichtshof vom Montag. Bei der Verurteilung führender Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung ging es um deren Rolle bei dem umstrittenen Referendum im Jahr 2017 zur Abspaltung Kataloniens von Spanien.

jok/AFP

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