Brände, Tränengas, Wasserwerfer Straßenschlachten in Barcelona - 60 Verletzte

"Die Straßen werden immer unsere sein!" - mit solchen Schlachtrufen stellten sich Demonstranten in Barcelona gegen die Polizei. Es war die fünfte Protestnacht in Folge, in der Stadt gab es chaotische Szenen.

Polizeieinsatz auf den Straßen von Barcelona: Seit Montag rund 500 Menschen verletzt
Jeff J Mitchell/ Getty Images

Polizeieinsatz auf den Straßen von Barcelona: Seit Montag rund 500 Menschen verletzt


Katalonien - und vor allem die Metropole Barcelona - kommen nicht zur Ruhe. Bei Protesten katalanischer Unabhängigkeitsbefürworter ist die Gewalt am Freitagabend erneut eskaliert. Radikale Separatisten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Die Rettungskräfte meldeten 60 Verletzte.

Am Freitagnachmittag hatten sich zunächst mehr als eine halbe Million Menschen zu einer Großkundgebung in Barcelona versammelt. Zuvor hatte ein Generalstreik das öffentliche Leben lahmgelegt. Die meisten Teilnehmer protestierten friedlich gegen das Urteil des Obersten Gerichtshofs in Spanien vom Montag, in dem prominente katalanische Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft zu bis zu 13 Jahren Haft wegen "Aufruhr" verurteilt worden waren.

Am Abend verschärfte sich dann die Lage: Demonstranten, die Barrikaden errichtet hatten, warfen Steine und Feuerwerkskörper auf Polizisten. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Im Stadtzentrum gab es chaotische Szenen.

Nahe der Polizeizentrale Barcelonas entzündeten junge Demonstranten ein riesiges Feuer. Brände gab es auch nahe der Plaza de Catalunya am Ende der Touristenmeile Las Ramblas, wo sich Hunderte Demonstranten der Polizei entgegenstellten. Diese versuchte, die Demonstranten mit Wasserwerfern auseinanderzutreiben. "Antifaschistisches Katalonien", riefen die meist vermummten Demonstranten. "Die Straßen werden immer unsere sein!" Die Regionalpolizei warnte Menschen auf Englisch bei Twitter, sich vom Stadtzentrum fernzuhalten.

Brand auf einer Straße in Barcelona: Fünfte Nacht in Folge mit heftigen Ausschreitungen
Jeff J Mitchell/ Getty Images

Brand auf einer Straße in Barcelona: Fünfte Nacht in Folge mit heftigen Ausschreitungen

Die berühmte Kathedrale musste geschlossen werden

Nach Angaben der Rettungskräfte wurden seit Beginn der Proteste am Montag rund 500 Menschen verletzt, davon 60 am Freitag in Barcelona. Laut Innenministerium gab es seit Montag 128 Festnahmen. 207 Polizisten seien noch vor der Eskalation der Gewalt am Freitag verletzt worden.

Bereits am Freitagmorgen hatten sich Tausende Menschen an einem Generalstreik beteiligt. Allein in Barcelona mussten 57 Flüge am Boden bleiben, die Oper sagte eine für den Abend geplante Vorstellung ab, die weltberühmte Gaudí-Kathedrale Sagrada Família wurde für Besucher geschlossen und auf dem bekannten Boquería-Markt in Barcelonas Altstadt waren nur wenige Verkaufsstände geöffnet. Auch ein Werk des Autobauers Seat mit mehr als 6500 Mitarbeitern in der Stadt Martorell blieb geschlossen.

Fußballspiel abgesagt, Autobahn stillgelegt

Am Freitagmorgen hatten Demonstranten nach Angaben des Verkehrsministeriums unter anderem die Autobahn AP7 bei La Jonquera in beiden Richtungen sowie die Nationalstraße N-II in der Nähe der Grenze zu Frankreich blockiert. Ein für den 26. Oktober in der katalanischen Hauptstadt geplantes Fußballspiel von Real Madrid und dem FC Barcelona wurde wegen erwarteter Demonstrationen verschoben.

Es war bereits der fünfte Protesttag in Folge nach dem Urteil von Spaniens Oberstem Gerichtshof vom Montag. Bei der Verurteilung führender Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung ging es um deren Rolle bei dem umstrittenen Referendum im Jahr 2017 zur Abspaltung Kataloniens von Spanien.

jok/AFP

insgesamt 141 Beiträge
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DiegoMarlasca 19.10.2019
1. Betreff Wasserwerfern
Es wurde auf mehreren TV-kanälen live berichtet. Es kam zum ersten Mal ein einziger Wasserwerfer zum Einsatz. Dieser wurde nicht gegen die Demonstranten eingesetzt,. Er wurde nur dazu verwendet, um den Einsatzfahrzeugen einen Weg durch sie brennenden Barrikaden zu öffnen, damit diese in die Bereiche der rund 500 extrem radikalen Demonstranten gelangen können.
Björn L 19.10.2019
2. Den Spaltern an den Kragen
Damit war zu rechnen. Spanien gibt sich auch redlich Mühe, die nicht geflüchteten Spalter vorzuführen. Vorwerfen kann man es denen nicht. Diese Reaktionen in ihrem Umfang und Ausmaß, zeigt, dass die Region nach wie vor brödelt und das Thema niemals enden wird.
smokiebrandy 19.10.2019
3. Chaos...mitten in Europa
Wenn das in Hong Kong passiert , reden wir über das gewaltsame und rücksichtslose Vorgehen...fordern Zurückhaltung von der Polizei...von der despotischen und undemokratischen Regierung. Aber Steine werfen und Feuer legen ist egal ob in Hong Kong, Paris , Hamburg oder in Barcelona kriminell. Gegen solche Chaoten muss die Polizei zwingend notwendig vorgehen.
rheinrichs 19.10.2019
4. Proteste sollen nur für Straflosigkeit sorgen
Selbiges scheint auch der einzige Grund für die vermeintliche "Unabhängigkeit" Katalonien zu sein
meinung2013 19.10.2019
5. hier heißt es "Demonstranten"
auf W ON wird von Aktivisten geschrieben "Am Freitagabend brach in Barcelona eine extrem gewalttätige Nacht an. Das Kommando haben nun schwarzgekleidete Antifa-Aktivisten übernommen." https://www.welt.de/vermischtes/article202146222/Katalonien-Konflikt-Bei-der-wahren-Schlacht-in-Barcelona-wuetet-jetzt-der-Antifa-Block.html welch harmlose und niedliche Begriffe für Gewalttäter. Mit diesen harmlosen Formulierungen werden alle friedlichen Demonstranten auf eine Stufe mit diesen Gewalttätern gestellt.
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