Strategiewechsel Terroristen setzen Chemie-Transporter als Bomben ein

Die Aufständischen im Irak haben eine neue grausige Waffe für sich entdeckt: Lastwagen mit Chemiefracht - rollende Bomben. Binnen eines Monats wurde jetzt der dritte Angriff verübt.


Bagdad - Eine Woche nach Beginn der US-Offensive im Großraum Bagdad mehren sich die Hinweise auf eine veränderte Strategie der Aufständischen. Gestern Abend explodierte zum dritten Mal in einem Monat - zum zweiten Mal binnen einer Woche - ein Chlorgas-Transporter.

Neue Strategie der Aufständischen: Angriffe auf Chlorgas-Transporter verletzen immer mehr Iraker
AFP

Neue Strategie der Aufständischen: Angriffe auf Chlorgas-Transporter verletzen immer mehr Iraker

Aufständische sprengten in Bagdad einen mit Chlorgasbehältern beladenen Kleinlaster in die Luft. Dabei wurden nach Polizeiangaben mindestens fünf Menschen getötet. Mehr als 55 Menschen mussten mit Atembeschwerden und Augenreizungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Erst einen Tag zuvor war nordwestlich von Bagdad ein Tanklaster mit einer Chlorgassubstanz gesprengt worden.

Chlor, ein grünliches Gas, wurde unter anderem im Ersten Weltkrieg eingesetzt.

Nördlich von Bagdad wurde gestern ein US-Hubschrauber vom Typ Black Hawk abgeschossen, wie ein Militärsprecher mitteilte. Alle neun Soldaten an Bord der Maschine wurden von einem zweiten Hubschrauber gerettet. Damit wurden seit dem 20. Januar bereits mindestens acht US-Hubschrauber abgeschossen oder sind abgestürzt. Dabei kamen 28 Soldaten und Zivilpersonen ums Leben.

Heute Morgen waren in Bagdad mehrere heftige Explosionen zu hören.

Pelosi beschwert sich über Cheney

Mit einer abfälligen Bemerkung über die Demokratische Partei hat derweil in den USA Vizepräsident Dick Cheney eine heftige Kontroverse ausgelöst. Während eines Besuchs in Japan sagte Cheney, der Irak-Kurs der führenden Demokraten im Kongress sei "eine Bestätigung der Strategie von al-Qaida". Damit habe Cheney eine Grenze überschritten, protestierte Oppositionsführerin Nancy Pelosi.

Die Präsidentin des Repräsentantenhauses sagte in Washington, sie habe versucht, sich bei George W. Bush über Cheney zu beschweren, den US-Präsidenten aber nicht erreicht. Die Äußerungen Cheneys verstießen gegen die Regeln für eine würdige Debatte und seien kein Dienst für die im Irak eingesetzten Soldaten, sagte Pelosi.

In einem in Tokio geführten Interview mit dem Fernsehsender ABC kritisierte Cheney die Ankündigung Pelosis und des demokratischen Abgeordneten John Murtha, die von Bush für den Irak-Krieg beantragten zusätzlichen Mittel von 93 Milliarden Dollar zu beschränken. Wörtlich sagte Cheney: "Wenn wir tun, was Sprecherin Pelosi und der Abgeordnete Murtha vorschlagen, dann bestätigen wir nur die Strategie der al-Qaida."

Vor seiner Weiterreise auf den US-Stützpunkt Guam und nach Australien besuchte Cheney heute US-Truppen auf einem Marinestützpunkt bei Tokio. Dabei sagte er, im Irak gehe es darum, den Einsatz abzuschließen und dann in Ehren heimzukehren. "Das amerikanische Volk wird keine Politik des Rückzugs unterstützen", sagte Cheney, der in Tokio unter anderem mit Ministerpräsident Shinzo Abe und Kaiser Akihito zusammentraf.

asc/AP



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