Streit mit Trump US-Justizminister Sessions bot offenbar Rücktritt an

Er war der erste Senator, der sich im Wahlkampf auf Donald Trumps Seite schlug. Doch das gute Verhältnis zwischen Justizminister Sessions und dem US-Präsidenten soll Geschichte sein, stattdessen gibt es Streit.

US-Justizminister Jeff Sessions (Archivbild)
REUTERS

US-Justizminister Jeff Sessions (Archivbild)


Zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Justizminister Jeff Sessions soll es in den vergangenen Wochen immer wieder zu hitzigen Diskussionen gekommen sein. Das berichten mehrere US-Medien übereinstimmend. Dabei soll Sessions einmal auch seinen Rücktritt als Generalstaatsanwalt angeboten haben (das Amt ist gleichbedeutend mit dem des Justizministers), sollte Trump nicht mehr auf ihn zählen.

Den Berichten zufolge hat der US-Präsident das Angebot abgelehnt. Wann Sessions seinen Rücktritt anbot, ist unklar, es soll laut Quellen aus dem Weißen Haus aber nach Wochen an angespannten Treffen erfolgt sein.

Sean Spicer, der Pressesprecher des Weißen Hauses, wollte sich am Dienstag nicht zu Fragen äußern, ob Trump noch Vertrauen in Sessions habe. "Ich habe mit dem Präsidenten nicht über dieses Thema gesprochen, also kann ich dazu nichts sagen", so Spicer. Trump hatte am Montag auf Twitter das Justizministerium heftig kritisiert.

Der US-Präsident soll aus mehreren Gründen verärgert und frustriert über Sessions und dessen Ministerium sein:

  • Weil Sessions bei seiner Anhörung vor dem Senat Kontakte zum russischen Botschafter in Washington verschwiegen hatte.
  • Deshalb hatte sich Sessions aus Befangenheit aus der Untersuchung zur russischen Einflussnahme auf die US-Wahl und zu den Kontakten Moskaus mit Trumps Wahlkampfteam zurückgezogen. Trump zeigte sich damals bereits besorgt, dass das als Schuldeingeständnis aufgefasst werden könnte.
  • Trump macht Sessions' Rückzug aus den Russlandermittlungen dafür mitverantwortlich, dass dessen Stellvertreter Rod Rosenstein einen Sonderermittler eingesetzt hat.
  • Die Art und Weise, wie das Justizministerium sein umstrittenes Einreisedekret vor Gericht verteidigt hat, gefällt Trump nicht. Die Entscheidung, die überholte Variante vom Supreme Court verhandeln zu lassen, kritisierte er deutlich, obwohl er diese unterschrieben hatte.

Laut CNN sollen auch Sessions und seine Mitarbeiter frustriert über Trump sein. Dass Tweets und Aussagen Trumps im Zusammenhang mit der Entlassung von FBI-Direktor James Comey Probleme für Sessions und Rosenstein verursacht hätten, soll für Verärgerung im Ministerium gesorgt haben.

Bevor sich Sessions am 2. März von der Untersuchung zurückzog, hatten beide eine starke Bindung. Sessions war der erste republikanische Senator, der Trump im Wahlkampf unterstützte. Außerdem teilen beide ähnliche Ansichten in wichtigen Bereichen wie Kriminalität und Einwanderung.

max/AP

insgesamt 5 Beiträge
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eunegin 07.06.2017
1. tja, wenn der Chef einem ständig in Suppe spuckt
So ist das selbst auf dieser Ebene. Da arbeitet man mit seinem Expertenteam an einem Projekt und der Chef, der wenig Ahnung vom Fach hat, zerlegt es immer wieder durch schlaue Eingebungen. Klar, dass das frustriert. Nur ist Sessions halt auch für sich gesehen nicht ohne. Langsam hacken sich auch die Krähen gegenseitig die Augen aus...
Thomas Kossatz 07.06.2017
2.
Sessions war im Senat ein rechter Falke, immer perfekt vorbereitet, ausgestattet mit einem ziemlichen scharfen Verstand. Die eratischen Sprünge des Präsidenten müssen ihn in den Wahnsinn treiben. Dem Pressesprecher des Weißen Hauses geht es inzwischen wie seinem Vorgänger Ziegler zu Zeiten Nixons: Seine glaubwürdigsten Auftritte beruhen in der Regel darauf, dass er nichts sagen kann, weil niemand mit ihm gesprochen hat.
w.diverso 07.06.2017
3. Wäre interessant
welche Personen aus seinem Team Trump noch wirklich voll unterstützen. Alleine wenn man sich seine Tweets, seinen Interviews und seinen Reden anschaut, kann man schon gut vermuten, dass er ein sehr unangenehmer Vorgesetzter ist. Nur mit sehr viel Geld kann so einer über längere Zeit Untergebene halten. Und ob das in Regierungsämtern gegeben ist, ist fraglich. Aber da er ohnehin alles besser weiss oder kann, braucht er eigentlich ja auch keine Helfer.
Papazaca 07.06.2017
4. Trump hatte gewisse Erwartungen an Sessions
Sessions sollte Trump die Russland-Untersuchungen vom Hals halten. Statt dessen zog Sessions sich wegen Befangenheit aus den Untersuchungen zurück und war nicht der von Trump ersehnte Fire-Wall. Und er konnte auch den Sonderermittler Mueller nicht verhindern. Über den redet im Moment niemand, weil Mueller diskret im Stillen arbeitet. Aber Mueller wird alles, was man aufdecken kann, aufdecken. Das kann Trump dann sein Amt kosten. Wenn schon der Trump-Getreue Sessions an Rücktritt denkt, ist das ein Indiz, wie selbst Trump's wichtigste Mitstreiter die Zukunft einschätzen. Düster. Sehr düster.
PETERJohan 07.06.2017
5. Wann ist genug genug,
DT hat schon genug angerichtet, wann beginnt die Macht der Vernünftigen zu greifen und diesen Präsidenten entmachtet.Eine Erklärung von innen, dass der Mann geistig nicht mehr den Anforderungen des Amtes entspricht. Sesson könnte den Anstoß geben.
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