Streit mit Japan Taiwan schickt Patrouillenboote zu Senkaku-Inseln

Die Spannungen im Ostchinesischen Meer wachsen: Jetzt hat auch Taipeh zwei Marineschiffe in die Region entsandt - offiziell, um Fischer zu schützen. Taiwan beansprucht wie China mehrere unbewohnte Inseln, die Japan kürzlich gekauft hat.

Taiwanesische Patrouillenboote: Schutz für Fischer
AFP

Taiwanesische Patrouillenboote: Schutz für Fischer


Taipeh/Tokio - Der Konflikt um die unbewohnten Senkaku-Inseln spitzt sich weiter zu: Nach China und Japan hat nun auch Taiwan zwei Patrouillenboote zu dem Archipel entsandt. Die Schiffe der Küstenwache sollen taiwanische Fischer westlich der Inseln rund um die Uhr absichern, wie Vertreter der Küstenwache am Donnerstag mitteilten.

Die Maßnahme Taipehs erfolgte zwei Tage nach dem Abschluss eines Kaufvertrags zwischen Japan und japanischen Privateigentümern der unbewohnten Inseln.

Die Inselgruppe liegt rund 200 Kilometer von Taiwan und rund 2000 Kilometer von Tokio entfernt. Vier der fünf Inseln, die in Japan Senkaku und in China Diaoyu heißen, waren bislang in japanischem Privatbesitz, die fünfte gehört der Hauptstadt Tokio. Japans Regierung hat dem Privatbesitzer zwei Milliarden Yen, etwa 20 Millionen Euro, geboten. Die unbewohnten Inseln sind von strategisch wichtiger Bedeutung, zudem werden auf dem Meeresboden große Öl- und Gasvorkommen vermutet. Taiwan beansprucht die Inseln ebenfalls für sich.

Für China ist das japanische Vorgehen "illegal und ungültig" - ein Affront. Es reagierte am Dienstag, indem es zwei Patrouillenboote zu der Inselgruppe im Ostchinesischen Meer schickte. Es gehe darum, "die Souveränität Chinas in der Region zu wahren". Das weitere Vorgehen hänge von der Entwicklung des Konflikts ab, hieß es weiter.

Tokio kontrolliert das Archipel seit 40 Jahren, nachdem sie von den USA, die sie im Zweiten Weltkrieg erobert hatten, aufgegeben worden waren. Beansprucht werden die Inseln aber auch von China und Taiwan. Erst im August hatte Japan eine Gruppe chinesischer Aktivisten festgenommen, die sich auf einer der Inseln aufhielt.

Der anhaltende Streit um die Inseln hat mittlerweile auch wirtschaftliche Folgen. Nach Angaben des chinesischen Automobil-Branchenverbandes sank der Absatz japanischer Autos in China im August deutlich als Folge des Streits. Auch der Autobauer Nissan hatte "einen gewissen Einfluss" des Streits auf die Absatzzahlen im wichtigen chinesischen Markt eingeräumt.

syd/heb/AFP/AP

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artusdanielhoerfeld 13.09.2012
1. Das Ganze...
...kommt mir vor wie die internationale Krise um die Insel Fernando Poo aus der Trilogie "Illuminatus!". Es fehlen nur noch die Amis und die Russen, und der Weltvernichtungs-Wahnsinn kann Realität werden.
Europa! 13.09.2012
2. Interessant
Zitat von sysopREUTERS / KyodoDie Spannungen im Ostchinesischen Meer wachsen: Jetzt hat auch Taipeh zwei Marineschiffe in die Region entsandt - offiziell, um Fischer zu schützen. Taiwan beansprucht wie China mehrere unbewohnte Inseln, die Japan kürzlich gekauft hat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855616,00.html
Der Sachverhalt ist insofern interessant, als die Streitkräfte vom aus der VR China und aus Taiwan dieselben - nämlich die chinesischen -Interessen vertreten. Ein weiterer Schritt zur Wiedervereinigung mit dem Mutterland?
WinstonSmith. 13.09.2012
3. Kein Titel.
Zitat von Europa!Der Sachverhalt ist insofern interessant, als die Streitkräfte vom aus der VR China und aus Taiwan dieselben - nämlich die chinesischen -Interessen vertreten. Ein weiterer Schritt zur Wiedervereinigung mit dem Mutterland?
Das erscheint mir eher schwer nachvollziehbar. Die Japaner und die Chinesen beanspruchen die Inseln für sich - nun erscheinen zusätzlich die Taiwanesen, die die Inseln für sich haben wollen... und daraus lesen Sie ab, dass die Taiwanesen chinesische Interessen vertreten? Drei Leute sehen 100 Euro auf der Straße liegen. Der erste:"Das sind meine!", der zweite:"Nein, das sind meine!", der dritte:"Nein, das sind meine!" Der zweite zum dritten:"Schön, dass wir gemeinsame Interessen vertreten - willst Du jetzt wirklich wieder zu mir zurückkommen?"
Europa! 13.09.2012
4. Hübscher Vergleich, aber
Zitat von WinstonSmith.Das erscheint mir eher schwer nachvollziehbar. Die Japaner und die Chinesen beanspruchen die Inseln für sich - nun erscheinen zusätzlich die Taiwanesen, die die Inseln für sich haben wollen... und daraus lesen Sie ab, dass die Taiwanesen chinesische Interessen vertreten? Drei Leute sehen 100 Euro auf der Straße liegen. Der erste:"Das sind meine!", der zweite:"Nein, das sind meine!", der dritte:"Nein, das sind meine!" Der zweite zum dritten:"Schön, dass wir gemeinsame Interessen vertreten - willst Du jetzt wirklich wieder zu mir zurückkommen?"
Die Diaoyu-Inseln sind ja kein Fundstück, sondern ein Erbstück aus dem Nachlass des chinesischen Kaiserreichs. Über Erbstücke kann man natürlich trefflich streiten - aber erst, wenn sie wieder in der Familie sind und nicht bei den Nachbarn, die sie aus der Wohnung geklaut haben, als der Großvater krank war.
WinstonSmith. 13.09.2012
5. Kein Titel.
Zitat von Europa!Die Diaoyu-Inseln sind ja kein Fundstück, sondern ein Erbstück aus dem Nachlass des chinesischen Kaiserreichs. Über Erbstücke kann man natürlich trefflich streiten - aber erst, wenn sie wieder in der Familie sind und nicht bei den Nachbarn, die sie aus der Wohnung geklaut haben, als der Großvater krank war.
Sie haben augenscheinlich noch nicht viele Erbauseinandersetzungen in Familien mitgemacht. Ob Bruder oder Nachbar ist bei der Frage Meins-oder-Deins eher von untergeordneter Bedeutung. Ob dem Opa da was geklaut oder was gefunden wurde, sieht zumindest Tante Wiki differenzierter: "Von chinesischer Seite wird behauptet, dass die erste schriftliche Dokumentierung dieser Inselgruppe 1372 durch chinesische Seeleute zur Zeit der Ming-Dynastie) erfolgt sei. Ab 1534 wurden die Inseln wiederholt als Teil des chinesischen Kaiserreichs dargestellt, inklusive Einbindung in das chinesische Küstenverteidigungssystem und Verleihung von Teilen der Inselgruppe durch die Kaiserin an einen Kräuterkundler. Japan wiederum behauptet, es habe die Inseln 1884 entdeckt. Es veranlasste ein Jahr später Untersuchungen durch die Präfekturregierung Okinawa, die die Inseln sowohl unbewohnt als auch ohne Spuren chinesischer Erschließung vorgefunden haben soll. Daraufhin beschloss die Regierung am 14. Januar 1895, kurz vor der Niederlage Chinas im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg drei Monate später, auf den Inseln Gebietsmarken aufzustellen und sie zum japanischen Hoheitsgebiet zu erklären. Sie wurden zunächst in den Landkreis Yaeyama eingegliedert und ab 1896 von der Stadt Ishigaki verwaltet. Die Inseln wurden dann von Arbeitern der dort errichteten Fabriken für getrockneten Katsuobushi bewohnt."
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