Streit mit Spanien Briten provozieren mit Marine-Besuch in Gibraltar

Der britisch-spanische Streit um Gibraltar schwelt seit langem - nun ist er offen eskaliert. Schon bald werden Kriegsschiffe aus Großbritannien die Enklave anlaufen. Downing Street beteuert, dass es sich um einen Routinebesuch handelt.

Fregatte "Westminster": Kurs auf Gibraltar
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Fregatte "Westminster": Kurs auf Gibraltar


London/Madrid - Noch in diesem Monat soll die HMS "Westminster" den Hafen von Gibraltar anlaufen. An Bord der Fregatte befinden sich unter anderem Elitesoldaten, im Schlepptau zahlreiche weitere Kriegsschiffe und Luftstreitkräfte. Der Besuch kommt zu einem diplomatisch brisanten Zeitpunkt. Gerade hat der Disput zwischen Briten und Spaniern um die britische Enklave einen neuen Höhepunkt erreicht. Dennoch betont Premier David Cameron, dass der Besuch lange geplant und routinemäßig sei.

Ähnlich verlautet es aus dem Verteidigungsministerium: Das Cougar-Manöver werde bereits im dritten Jahr durchgeführt und habe nichts mit den aktuellen Spannungen zu tun. Im Rahmen der Militärübung trainieren britische Streitkräfte im Mittelmeer das rasche Eingreifen bei Krisensituationen. Dennoch wird die Visite der britischen Marine in Gibraltar wenig zu einer Deeskalation der Streitigkeiten beitragen. Insgesamt sollen neun Schiffe an der Übung teilnehmen.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy kündigte am Freitag Aktionen zur Verteidigung der spanischen Interessen an. Er werde aber "nur legale und angemessene Maßnahmen" ergreifen, erklärte Rajoy nach einem Treffen mit König Juan Carlos auf der spanischen Ferieninsel Mallorca. Die Militäraktion bereite im dagegen wenig Sorgen. Die Übung sei bereits seit Anfang Juni bekannt, also vor Ausbruch des neuen Konflikt, so Rajoy.

Der Hintergrund: In der vergangenen Woche hatte der Bürgermeister der südspanischen Stadt Algeciras, José Ignacio Landaluce, Gibraltar attackiert. Es werfe Betonblöcke mit Metallstacheln in spanische Gewässer, um so ein künstliches Riff zu schaffen und die Arbeit der spanischen Fischer zu behindern.

Seitdem hatten die spanischen Behörden die Grenzkontrollen verschärft und bei hochsommerlichen Temperaturen stundenlange Verzögerungen der Abfertigung verursacht. Zudem wird über eine Gebühr bei der Grenzüberquerung nachgedacht. Die Regierung des britischen Territoriums sprach im Zusammenhang mit den Kontrollen von "Folter". Gibraltars Chefminister Fabian Picardo warf der spanischen Regierung vor, sich wie Nordkorea zu verhalten.

"Sorge klar zum Ausdruck gebracht"

Bis in höchste Regierungskreise ist der Konflikt mittlerweile vorgedrungen. Der britische Premierminister David Cameron rief den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy an, um seine Sorge über spanische Maßnahmen an der Grenze zum britischen Territorium im Süden der iberischen Halbinsel zu äußern, teilte die Regierung in London mit.

Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb David Cameron: "Ich habe unsere Sorgen bezüglich Gibraltar klar zum Ausdruck gebracht, und dass sich unsere Position in der Souveränitätsfrage nicht ändern wird."

Nach Angaben der spanischen Regierung bezeichnete Rajoy in dem zehnminütigen Gespräch die Aktionen Gibraltars zur Behinderung der spanischen Fischereiflotte als "inakzeptabel". Der konservative Regierungschef habe gefordert, dass die Konflikte zwischen Madrid und London mit "Ehrlichkeit und Transparenz" beigelegt werden.

jok



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Kudi 09.08.2013
1. Wer provoziert wen?
Offenbar kann die SPON-Redaktion Ursache nicht von Wirkung unterscheiden. Wer provoziert hier wen? Die Spanier, die zahlreiche Territorien auf afrikanischem Gebiet beanspruchen (Ceuta, Melilla, usw.), haben wegen eines Felsens, der zu einem anderen EU-Mitglied und NATO-Partner gehört, von allen Staaten nichts zu motzen. Die Provokation begann letzte Woche mit der €50-Abfertigungsgebühr. Daneben provozieren die Spanier seit Monaten andere EU-Bürger damit, dass sie deren Krankenversicherungsausweise nicht anerkennen und in den Krankenhäusern bei einer notfallsmässigen Versorgung Bargeld fordern.
seneca55 09.08.2013
2. Flottenstützpunkt und Steueroase von UK/GB
Neben Gibraltar sind nur noch malta und Zypern Flottenstützpunkte des alten Brit Empire. Bisher war das demokratische Spanien einigermaßen gepäcklich über den alten Streitapfel, weil die Transfers aus Brüssel zum Ausgliech reichlich flossen, das reicht dem hochverschuldeten Staat Spanien aber nicht mehr aus, die jhdtelange Demütigung hinzunehmen. Jetzt werden die Zeiten rauher. Hoffentlich wird Deutschland nicht noch zu höheren Transfers nach Spanien verdonnert, um die spanische Wut gegenüber den Briten zu mildern!
auweia 09.08.2013
3. Provokation?
Ach, die ewigen Gipfel, Verhandlungen, Hinterzimmerkungeleien, Kuhhändel, kurz jegliche Form der diskursiven Konfliktlösung sind auf die Dauer ermüdend für das Publikum. Sprechende Köpfe im TV, krampfhaft mit Bedeutung aufgeladene Reportagen von Runden Tischen - langweilig. Da bietet doch die gute alte Kanonenbootdiplomatie viel schönere, actionhaltigere Bilder. Mehr davon.
MeineMeinungist... 09.08.2013
4. Das erinnert mich ein wenig an den Falklandkrieg
vor 30 Jahren. Das zeigt mal wieder, wie brüchig eigentlich unser Europa ist, trotz der vielen Schwüre für Europa durch die Politik. Warum müssen Länder sogenannte Enklaven besitzen? Die stammen doch häufig aus dem Mittelalter und sollten allmählich abgeschafft werden. Das gilt natürlich auch für Spaniens Enklaven in Nordafrika. Hongkong hat doch gezeigt, dass es funktionieren kann. Vielleicht geht die EU mal diese Dinge an, statt über die Krümmung der Banane zu diskutieren. Ich sehe schon lange nicht mehr eine europäische Einigung, die ihren namen verdient. Vor allen Dingen sollte man sich damit abfinden, dass es niemals die Vereinigten Staaten von Europa geben wird. Die Interessenlagen sind so unterschiedlich, wie sie größer nicht sein können. Wir sprechen 2 Dutzend verschiedene Sprachen und das wird auch immer so bleiben. Wir haben unterschiedliche Mentalitäten und das wird auch immer so bleiben. Wir müssen jetzt nur noch den Euro abschaffen, von dem ich mir auch mehr versprochen hatte und die alten Währungen wieder einführen und das schnellstens. Ich war immer ein Freund von großen wirtschaftlichen Verpflechtungen, weil uns das Sicherheit gegeben hätte. Was wir jetzt haben, ist ein Misstrauen unter den einzelnen Staaten, welches immer größer wird. Aber so lange uns das alles als alternativlos verkauft werden soll, wird die Skepsis immer größer. Europa Du hast mich enttäuscht! Jetzt kommen noch die Ausspähungen durch die USA und die von 2 Euroländern dazu, was uns den Todesstoss geben wird, zumal GB niemals gewillt war, Entscheidungen an Europa abzutreten. Selbst die Deutschen haben versucht durch Blockaden ihren Willen durchzusetzen. Letztendlich ist alles geschrottet worden ohne Rücksicht auf Verluste. hbommy
frankmerkel 09.08.2013
5. Lustig das ganze
die Engländer anektieren (17 jh) Gibralta und die Spanier hätten es seitdem gerne zurück. Die Uno findet das es auch für die Engländer langsam Zeit wird Kolonien zurückzugeben. Die Gibralitaner wollen englisch bleiben. Die einfachste Lösung wäre wohl, wenn die Engländer/Gibraltianer Gibralta von Spanien mieten würden. Es wäre dann wieder spanisches Festland, für die Gibraltianer ändert sich nichts und GB bezahlt jährlich Geld für die Nutzung. Spanien zufrieden, Gibralta zufrieden, Uno zufrieden....kostet halt GB ein bischen..aber erst klauen und dann einfach behalten ist ja auch kein Art und Weise ;-)
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