Streit über Atompolitik ElBaradei warnt vor Angriff auf Iran

Im Atomstreit mit Iran hat der Chef-Inspektor der Uno die USA zu direkten Verhandlungen mit Teheran aufgefordert. Mohamed ElBaradei warnte vor einem Angriff auf den Mullah-Staat. Das würde den ganzen Nahen Osten in einen "Feuerball" verwandeln.


München - ElBaradei setzt im Atomstreit mit Iran auf Diplomatie statt auf Konfrontation. Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA rief Washington deshalb zu direkten Verhandlungen mit Teheran auf. Wenn die USA mit Nordkorea verhandelten, "dann verstehe ich nicht, warum sie nicht mit Iran verhandeln können", sagte ElBaradei der "Süddeutschen Zeitung".

Eine Lösung sei aber nur im Rahmen einer neuen Sicherheitsarchitektur für den Nahen Osten möglich. "Aber das wird nicht gehen, ohne die regionale Rolle Irans zu erörtern und die der anderen Länder im Nahen Osten. Und natürlich gibt es noch den Elefanten im Raum: Israels Atomprogramm".

Eine militärische Lösung existiere nicht. Ein Angriff auf Irans Nuklearanlagen könne das Programm zur Urananreicherung allenfalls verzögern, würde dafür aber den gesamten Nahen Osten "in einen Feuerball verwandeln", warnte der IAEA-Chef. Auch im Falle Nordkoreas plädierte ElBaradei für weitere diplomatische Bemühungen. Die derzeitige Situation sei zwar nicht erfreulich. "Aber wenn wir nicht mit Nordkorea reden, wird sie nur noch schlimmer."

Deutschland und China riefen die Staatengemeinschaft im Atomkonflikt mit Iran zu Geschlossenheit auf. Dies wurde nach dem Treffen von Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit seinem chinesischen Kollegen Yang Jiechi am Rande der Uno-Vollversammlung in New York aus Delegationskreisen bekannt.

Beide Länder versuchen offenbar, den Streit zwischen den USA und Russland zu beenden. Zu dem Konflikt zwischen Washington und Moskau war es gekommen, nachdem die USA ihre Teilnahme an einem G-8-Außenministertreffen wegen angeblicher Bedeutungslosigkeit abgesagt hatten. Moskau zog sich daraufhin am Dienstag demonstrativ aus den Iran-Gesprächen zurück.

als/dpa/AP/AFP



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