Streit über Kriegsvergangenheit China hält Beziehungen zu Japan für düster

Trotz der Entschuldigung von Ministerpräsident Junichiro Koizumi für die japanische Kriegsvergangenheit gibt sich China nicht zufrieden. Ein für morgen geplantes Treffen Koizumis mit dem chinesischen Staatschef Hu Jintao wurde von Peking in Frage gestellt.


Priester und japanische Abgeordnete auf dem zum Yasukini-Schrein: Affront gegen China
REUTERS

Priester und japanische Abgeordnete auf dem zum Yasukini-Schrein: Affront gegen China

Jakarta - Koizumi hatte sein für morgen geplantes Gespräch mit Hu während des Asien-Afrika-Treffens im indonesischen Jakarta bestätigt. "Ja, morgen", habe er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Antara auf Fragen von Reportern geantwortet. Doch davon wollte Peking nichts wissen. Ein Treffen Hus mit Koizumi am Samstag könne man nicht bestätigen, teilte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums mit.

China hatte zuvor bereits gegen den Besuch von 80 japanischen Parlamentsabgeordneten am umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio protestiert. "Im Moment stecken die chinesisch-japanischen Beziehungen in einer schwierigen Lage", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. "Wir sind höchst unzufrieden mit den negativen Aktionen der japanischen Politiker." Sie sollten die grundlegenden Interessen beider Völker berücksichtigen und mehr für die Verbesserung der Beziehungen tun.

Ungeachtet der Spannungen mit der chinesischen Regierung waren die Abgeordneten in Tokio zu dem Schrein gepilgert, in dem neben den Kriegstoten auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden. An dem Pilgergang anlässlich des jährlichen Frühjahrsfestes nahm kein amtierendes Mitglieder des Kabinetts teil. Die alljährlichen Besuche von Koizumi in dem Schrein sind einer der zentralen Punkte im Streit mit China über Japans Kriegsvergangenheit.

Auf der Konferenz in Jakarta hatte sich Koizumi zuvor für die japanische Kriegsvergangenheit entschuldigt, um das Verhältnis zu Peking zu entspannen. Er empfinde "tiefe Reue" für die Kriegsvergangenheit seines Landes. Außerdem sprach er eine "tief empfundene Entschuldigung" aus. Japan habe durch seine koloniale Herrschaft und Aggression vor allem in Asien "enormen Schaden und Leid verursacht", sagte Koizumi.

Japan verfolge seit Ende des Zweiten Weltkriegs strikt eine Politik, die besage, niemals zur Militärmacht zu werden, sondern sich zur Wirtschaftsmacht zu entwickeln und alle Angelegenheit friedlich zu lösen. Inhaltlich ging Koizumis Erklärung nicht über frühere Entschuldigungen japanischer Regierungen für die Besatzungspolitik im Zweiten Weltkrieg hinaus.

Chinas Präsident Hu, der auch beim Gipfel war, ging bei seiner Rede indes nicht auf die Krise mit Japan und Koizumis Ansprache ein. In China, aber auch in Südkorea waren vor einigen Wochen wieder anti-japanische Stimmungen aufgekommen, nachdem Japan ein Schulbuch zugelassen hatte, das Kritikern zufolge die japanischen Verbrechen im Krieg verharmlost.

Bei den Demonstrationen kam es zum Teil zu gewaltsamen Ausschreitungen gegen japanische Einrichtungen. Die diplomatischen Beziehungen verschlechterten sich daraufhin deutlich. Der Streit bedroht auch die Handelsbeziehungen der zwei Staaten mit einem Umfang von 212 Milliarden Dollar im Jahr.



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