Watergate-Enthüller Woodward Obama-Berater soll Starreporter bedroht haben

Der Countdown für die US-Sparbombe läuft, in Washington liegen die Nerven blank. Reporter-Ikone Bob Woodward behauptet, er sei von einem Obama-Mitarbeiter angeschrien und per E-Mail bedroht worden - weil er Details zu den Horrorkürzungen aufdeckte. Das Weiße Haus dementiert.

Bob Woodward: Im Clinch mit dem Weißen Haus
AFP

Bob Woodward: Im Clinch mit dem Weißen Haus


Washington - Seit er zusammen mit seinem Kollegen Carl Bernstein in der "Washington Post" in den siebziger Jahren die Watergate-Affäre um Richard Nixon aufdeckte, ist Bob Woodward eine Reporterlegende. Jetzt hat der Starjournalist wieder Ärger mit einem US-Präsidenten: Denn in seinem jüngsten Buch "The Price of Politics" und auch Ende vergangener Woche in der "Washington Post" beschreibt er, dass es Berater von Barack Obama waren, die die Ideen für die 85-Milliarden-Sparbombe hatten, die aller Voraussicht nach an diesem Freitag zündet - wenn sich Demokraten und Republikaner nicht doch noch einigen, was aber einem Wunder gleichkäme.

In Interviews mit dem TV-Sender CNN und der Online-Nachrichtenseite Politico berichtet Woodward von seinem Clinch mit dem Weißen Haus: Ein hoher Mitarbeiter von Obama, den er namentlich allerdings nicht nennt, habe ihn in der vergangenen Woche "eine halbe Stunde lang" angeschrien und anschließend auch noch mit einer E-Mail vor einer Veröffentlichung seiner Version der Entstehung des Sequesters, also der Zwangskürzungen, gewarnt. In der E-Mail habe sich der Mitarbeiter des Weißen Hauses zwar für das "Erheben seiner Stimme" entschuldigt. Aber dennoch habe er dem Starjournalisten mitgeteilt, dass er eine Veröffentlichung noch "bedauern" werde. Das habe er durchaus als Bedrohung wahrgenommen, sagte Woodward zu Politico.

Man müsse sich nur vorstellen, was eine solche E-Mail mit dem Hinweis "Sie werden das bedauern" aus dem Weißen Haus bei einem weniger erfahrenen Reporter als ihm ausgelöst hätte: "Angst, Angst." Das könne nicht die richtige Art der Zusammenarbeit sein, meint Woodward.

Das Weiße Haus beschönigt die E-Mail

Was das Team von Obama so nervös macht: Bislang hat die US-Regierung den oppositionellen Republikanern die Schuld für die Entstehung der massiven Haushaltskürzungen gegeben. Doch Woodward schreibt, es seien die Berater des Präsidenten gewesen, die für die Sparbombe verantwortlich sind: Am Nachmittag des 26. Juli 2011 habe Obamas damaliger Budgetchef Jack Lew und heutiger Finanzminister dem demokratischen Chefsenator Harry Reid vorgeschlagen, den Etatstreit mit einem sogenannten Sequester zu entschärfen. Die Kürzungen müssten so brutal sein, "dass keiner sie je eintreffen lassen würde". So sollten Demokraten und Republikaner zu einer Einigung im Etatstreit gezwungen werden. Doch der Plan scheint nicht aufzugehen: Wenn es nicht noch in letzter Minute zu einer Einigung kommt, treten in der Nacht zum Freitag die Horror-Sparmaßnahmen in Kraft.

Das Weiße Haus bestreitet, dass Woodward in der E-Mail gedroht worden sei. "Natürlich" sei das das Schreiben nicht als Bedrohung gedacht gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung. Wie Woodward ja schon selbst berichtete, habe sich der Mitarbeiter für den Tonfall in dem vorher stattgefundenen Gespräch entschuldigen wollen. Und mit "Bedauern" habe der Obama-Berater lediglich darauf hinweisen wollen, dass Woodwards Darstellung zur Entstehung der Sparbombe "ungenau" sei, "mehr nicht". Woodward habe zudem freundlich auf die E-Mail geantwortet.

als/Reuters

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Seite 1
genlok 28.02.2013
1.
Zitat von sysopAFPDer Countdown für die US-Sparbombe läuft, in Washington liegen die Nerven blank. Reporter-Ikone Bob Woodward behauptet, er sei von einem Obama-Mitarbeiter angeschrien und per Mail bedroht worden - weil er Details zu den Horrorkürzungen aufdeckte. Das Weiße Haus dementiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/streit-ueber-sparbombe-obama-berater-soll-woodward-gedroht-haben-a-886029.html
Das ist aber schon länger bekannt, wird auch in der Medien so dargestellt. Die O-Administration fährt im moment die Fear Tactic par excellence. Wer die Pressesprecher des weissen Hauses gehört hat, merkt direkt worum es geht. Den Bürgern angst machen und gegen die Republikaner aufstacheln. Es gibt allerdings ein Problem, die Welt wird auch nach dem Sequester nicht untergehen, und die Bürger werden auch schnell merken dass der Staat nicht ganz so wichtig ist wie er sich ständig darstellt. Wenn der Sequester startet, wird es vielleicht auch ein Augen öffnen geben.
stefan7777 28.02.2013
2. Welche Bombe? Was wird denn gespart?
Es handelt sich doch höchstens um einen kleinen Kracher! 43 Mrd. vom Militärausgaben, das sind gerade 6% von den 711 Mrd.. Das macht wohl etwas "aua", aber das wars. Und sparen kann man nur wenn man was auf die Kante legt, weniger Schulden machen ist nicht Sparen. Was ist das nur für ein Bild-Journalismus?
flinke_perioden_met_zon 28.02.2013
3. Woodward war auch schonmal besser
Bush at war war wohl eher der Versuch, sich mal wieder nach oben zu schreiben und die Plame Affaire sprach für sich. Es ist immer das gleiche: auf dem Weg von unten nach oben: super. Oben angekommen werden sie selbst-referentiell.
morning__star 28.02.2013
4. Aufstieg, Hoffnung und Fall
so wird Obama in die US-Geschichte eingehen.
Stelzi 28.02.2013
5. Dummschwätz
Der Grund, warum es keine Einigung gibt, ist und bleibt GOP. Ende der Geschichte. Wer hier eine "Bombe" ins Spiel gebracht hat, ist schlussendlich unerheblich. Derjenige, der sie hochgehen lässt, trägt die Verantwortung. Und wir wissen ja wer diejenigen sind...
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