Streit um British Council Briten schließen Kulturinstitut in Russland

Belastungsprobe für Großbritannien und Russland: Russische Behörden sollen Mitarbeiter der Kultureinrichtung British Council eingeschüchtert und drangsaliert haben - als Konsequenz wurde die Einrichtung heute vorübergehend geschlossen. Moskau wirft den Briten "Kolonialdenken" vor.


St. Petersburg/London - Wie der Leiter des British Council in Russland, James Kennedy, mitteilte, hat das British Council in St. Petersburg heute vorübergehend seinen Betrieb eingestellt. Grund war die Befragung der Mitarbeiter durch die russische Polizei. In der Nacht hatte die Polizei den Chef der Einrichtung in St. Petersburg, Stephen Kinnock, vorübergehend festgehalten. Laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax fuhr der Sohn des früheren Chefs der Labour-Partei, Neil Kinnock, betrunken Auto.

Der britische Außenminister David Miliband warnte Russland vor Schikanen gegen Mitarbeiter des British Council. Jegliche "Einschüchterung und Belästigung" des Institutspersonals sei "vollkommen unannehmbar", sagte er vor der Presse in London im Anschluss an eine Kabinettssitzung. Ein Verbot der Tätigkeit des Instituts schade vor allem dessen russischen Nutzern und falle letztlich auf die Regierung in Russland zurück.

Außenminister Sergej Lawrow warf den Briten "Kolonialdenken" vor. Der weitere Betrieb der Regionalbüros des British Council trotz eines Verbots russischer Behörden zeuge von den "nostalgischen Erinnerungen der Briten an Kolonialzeiten", sagte Lawrow. Moskau beschuldigt London, die Büros ohne Rechtsgrundlage und ohne Steuerzahlungen zu betreiben.

Das russische Außenministerium hatte Anfang Dezember die Schließung aller Regionalbüros des British Council ab dem 1. Januar angeordnet. Nur die Hauptstelle in Moskau durfte bestehen bleiben. Als offizielle Gründe nannte Moskau Verstöße gegen Steuervorschriften und Aktivitäten, die außerhalb des offiziellen Aufgabenbereichs des Instituts lagen.

Außenminister Lawrow gab jedoch bereits im Dezember zu, dass der wahre Auslöser die Ausweisung von vier russischen Diplomaten aus Großbritannien im Juni vergangenen Jahres war. Im Zuge der Ermittlungen zum Mord an dem früheren Geheimdienstmann Alexander Litwinenko hatte London von Moskau erfolglos die Auslieferung des ehemaligen russischen Agenten Andrej Lugowoi verlangt. Daraufhin waren die Diplomaten ausgewiesen worden.

Seit der aufsehenerregenden Ermordung Litwinenkos mit dem Strahlengift Polonium in London im November 2006 ist das Verhältnis beider Länder schwer belastet. London fordert von Moskau die Auslieferung des Mordverdächtigen Lugowoi. Russland wiederum verlangt die Überstellung des im Londoner Exil lebenden Kreml-Kritikers Boris Beresowski, gegen den in Moskau mehrere Strafverfahren anhängig sind.

amz/dpa/Reuters



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