Streit um Fischgründe Gibraltar vergleicht Spanien mit Nordkorea

Es geht um Grenzkontrollen, höhere Steuern und Betonblöcke im Meer: Gibraltar streitet seit Tagen mit Spanien über Fischgründe. Jetzt verglich der Chefminister der britischen Exklave einen Vorstoß Madrids mit der Politik Nordkoreas.

Gibraltar: Streit mit Spanien über Fischgründe
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Gibraltar: Streit mit Spanien über Fischgründe


Gibraltar/Madrid/London - Der Streit über Fischgründe zwischen dem zu Großbritannien gehörenden Gibraltar und Spanien spitzt sich zu. Gibraltars Chefminister Fabian Picardo warf der spanischen Regierung vor, sich wie Nordkorea zu verhalten.

Hintergrund sind Jahrhunderte alte Ansprüche Spaniens auf die Landzunge im Süden der Iberischen Halbinsel. Gibraltar war jedoch vor 300 Jahren im Vertrag von Utrecht Großbritannien zugesprochen worden. Die überwältigende Mehrheit der Einwohner von Gibraltar lehnt zudem einen Anschluss an Spanien ab.

In der vergangenen Woche hatte der Bürgermeister der südspanischen Stadt Algeciras, José Ignacio Landaluce, Gibraltar attackiert: Es werfe Betonblöcke mit Metallstacheln in spanische Gewässer, um so ein künstliches Riff zu schaffen und die Arbeit der spanischen Fischer zu behindern.

Solche Aktionen, setzte das Madrider Außenministerium über die staatliche Nachrichtenagentur efe nach, "seien schädlich sowohl für die Umwelt als auch für die spanische Fischereiflotte". Man sei für Dialog und für die Respektierung der Gesetze, dagegen aber, dass man das Land "vor vollendete Tatsachen stelle."

Spaniens Außenminister José Manuel Garcia-Margallo schlug dann am Wochenende vor, eine Gebühr von 50 Euro für jedes Fahrzeug zu kassieren, das von Gibraltar nach Spanien fahre. So könne der Einnahmeausfall der spanischen Fischer kompensiert werden, entwarf der Minister in der Zeitung "ABC" als Idee.

Dieser Vorstoß des spanischen Außenministers führte dann am Montag zum Nordkorea-Vergleich von Gibraltars Regierungschef: "Was wir an diesem Wochenende gesehen haben ist ein Säbelrasseln, wie wir es lange nicht erlebt haben." Der Vorschlag aus Madrid würde ihn eher an "Aussagen aus Nordkorea erinnern als an die eines EU-Partners".

Spanische Grenzpolizisten hatten am Wochenende auch Tausende Fahrzeuge durchsucht und damit bei hochsommerlichen Temperaturen Verzögerungen von bis zu sechs Stunden verursacht. Die Regierung des britischen Territoriums sprach daraufhin von "Folter". Außenminister William Hague habe die ernsthafte Sorge der britischen Regierung am Sonntagabend seinem Amtskollegen Garcia-Margallo zum Ausdruck gebracht, sagte ein Ministeriumssprecher in London. Er wollte sich nicht dazu äußern, ob die Polizeikontrollen mit dem Streit Gibraltars mit Spanien über Fischfangrechte zusammenhänge.

In Madrid teilte das Außenministerium kühl mit, Margallo habe im Gespräch mit Hague darauf hingewiesen, dass Spanien die Verpflichtung habe, "für die Einhaltung der Gemeinschaftsrechts der EU zu sorgen." Man werde daher weiterhin verstärkt Grenzkontrollen durchführen, wann immer man das für nötig halte.

als/AP/dpa



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Seite 1
gfh9889d3de 05.08.2013
1.
Zitat von sysopGetty ImagesEs geht um Grenzkontrollen, höhere Steuern und Betonblöcke im Meer: Gibraltar streitet seit Tagen mit Spanien über Fischgründe. Jetzt verglich der Chefminister der britischen Exklave einen Vorstoß Madrids mit der Politik Nordkoreas. http://www.spiegel.de/politik/ausland/streit-um-fischgruende-gibraltar-vergleicht-spanien-mit-nordkorea-a-914909.html
Das ist natürlich mit EU-Recht so gar nicht vereinbar. Außerdem ist das eine Verletzung des Schengen-Abkommens, namentlich des Gebotes "Außengrenzkontrollen nach einheitlichem Standard", da Spanien diese Sonderlocke ja nur für GIB durchzieht. Spanien sollte sich in Sachen Fischfang auch mal sehr bedeckt halten. Die räumen die Weltmeere leer wie kein zweiter...
writing-angel 05.08.2013
2. Britische Kolonie in Europa
Eigentlich ist es ein Unding, dass Großbritannien noch immer im 21. Jahrhundert eine Kolonie besitzt - und dann noch in Europa! Beschämend! 27% der Menschen sind britischer Abstammung, allerdings wollen angeblich 99% der Bevölkerung lieber unter britischer Herrschaft leben als zu Spanien zu gehören.
porky1 05.08.2013
3. keine Kolonie
Zitat von writing-angelEigentlich ist es ein Unding, dass Großbritannien noch immer im 21. Jahrhundert eine Kolonie besitzt - und dann noch in Europa! Beschämend! 27% der Menschen sind britischer Abstammung, allerdings wollen angeblich 99% der Bevölkerung lieber unter britischer Herrschaft leben als zu Spanien zu gehören.
Gibraltar ist keine Kolonie, sondern Ueberseegebiet - dafuer haben die Einwohner selbst gestimmt, sie wurden nicht kolonisiert. Sie haben auch mehrmals deutlich gemacht, dass sie nicht Spanier sein wollen und mit ihrem Status zufrieden sind. Dass Spanien, als Demokratie, dies nicht akzeptiert, ist beschaemend, sonst nichts. Was soll die ganze Aufregung?
ausmisten 05.08.2013
4. und spanien?
Zitat von writing-angelEigentlich ist es ein Unding, dass Großbritannien noch immer im 21. Jahrhundert eine Kolonie besitzt - und dann noch in Europa! Beschämend! 27% der Menschen sind britischer Abstammung, allerdings wollen angeblich 99% der Bevölkerung lieber unter britischer Herrschaft leben als zu Spanien zu gehören.
Gehoeren ceuta und melilla, von Spanien besetzt, nicht zu marokko? erlaube ich mir, an die petersilien insel, 100 m vor der marokkanischen kueste zu erinnern. aznar wollte sogar einen krieg riskieren, um dieses kleine eiland fern ab von spanien, zu verteidigen.
dürrjähs 05.08.2013
5. Gibraltar
Zitat von sysopGetty ImagesEs geht um Grenzkontrollen, höhere Steuern und Betonblöcke im Meer: Gibraltar streitet seit Tagen mit Spanien über Fischgründe. Jetzt verglich der Chefminister der britischen Exklave einen Vorstoß Madrids mit der Politik Nordkoreas. http://www.spiegel.de/politik/ausland/streit-um-fischgruende-gibraltar-vergleicht-spanien-mit-nordkorea-a-914909.html
Die spinnen,die Briten,die Zeiten des Kolonialismus sind vorbei,gilt übrigens auch für alle anderen Kolonialmächte.Es reicht doch vollkommen aus wenn man mal betrachtet was Grenzziehungen aus Kolonialzeiten heute noch an Konflikten heraufbeschwört
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